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William Shakespeare

Die lustigen Weiber von Windsor

Übersetzt von

Wolf Graf von Baudissin

unter der Redaktion von
Ludwig Tieck

Personen:

Sir John Falstaff

Fenton

Schaal, Friedensrichter

Schmächtig, Schaals Vetter

Herr Page und Herr Fluth, Bürger von Windsor

Sir Hugh Evans, ein wallisischer Pfarrer

Doktor Cajus, ein französischer Arzt

Der Wirt zum Hosenbande

Bardolph

Pistol

Nym

Robin, Fallstaffs Page

Wilhelm, des Herrn Page kleiner Sohn

Simpel, Schmächtigs Diener

Rugby, Cajus’ Diener

Frau Page

Frau Fluth

Jungfer Anne Page

Frau Hurtig

Knechte des Herrn Fluth

Szene: Windsor und die umliegende Gegend

Erster Aufzug

Erste Szene

Windsor, Straße

Es treten auf Schaal, Schmächtig und Evans

Schaal.
Sir Hugh, keine Einrede weiter; das qualifiziert sich für die Sternenkammer, und wenn er zwanzigmal Sir John Falstaff wäre, so soll er nicht zum Narren haben Robert Schaal, Esquire. –

Schmächtig.
In der Grafschaft Gloster, Friedensrichter und coram –

Schaal.
Ja, Vetter Schmächtig, und custalorum.

Schmächtig.
Ja, und rotalorum dazu, und einen gebornen Edelmann, Herr Pfarrer, der sich armigero schreibt; auf jedem Schein, Verhaftsbefehl, Quittung oder Schuldbrief, armigero.

Schaal.
Freilich, so halt ich’s, und so hab ich’s allzeit gehalten diese dreihundert Jahr.

Schmächtig.
Alle seine Deszendenten, die ihm vorangegangen, haben’s so gehalten, und alle seine Aszendenten, die nach ihm kommen, können’s auch so halten, sie führen alle den silbernen Hecht und Leu, separiert vom schwarzen Gatter, im Wappen.

Schaal.
Das Gatter ist uralt. –

Evans.
Tie silberne Läus passe sich kuth für ten alten schwarzen Kater; schreitend nehme sie sich wohl aus; es sein vertrauliche Kreature mit dem Menschen und peteuten Liebe.

Schaal.
Hecht und Leu sind der Trutz, das Gatter der Schutz.

Schmächtig.
Ich könnte mir noch mehr Quartiere anschaffen Vetter.

Schaal.
Das könntet Ihr auch durch eine Vermählung.

Evans.
Was wollt Ihr tann mit dem Mehl im Quartier? Vermehlt Euch lieber in der Mühle. – Aber tas ischt alles eins. Wann Sir John sich Unziemlichkeite keken Euch erlaupt hat, so kehöre ich zur Kirche, und soll mir’s lieb sein, euch Wohlkewogenheit zu erzeige und Konkortanzen und Kompensationes zwischen euch zustante zu pringe.

Schaal.
Der hohe Gerichtshof soll davon hören; ‘s ist ein Skandal –

Evans.
‘s ischt nicht wohlketan, daß der hohe Kerichtshof von einem Schkantal höre; ‘s ischt keine Furcht Kottes in einem Schkantal; der hohe Kerichtshof, seht Ihr, wird Lust hape, zu vernehme von der Furcht Kottes, und nicht zu vernehme von einem Schkantal; laßt Euch tas zum Avis tiene.

Schaal.
Ha, bei meinem Leben! Wenn ich wieder jung würde, sollte das Schwert es enden! –

Evans.
Viel peßer, wann Freunde tas Schwert sein und es enden; und ta kommt mir noch andrer Einfall in tie Ketanke, ter, wann’s klückt, keteihliche Konvenienzen mit sich pringt; ta ischt Anna Page, was ischt Tochter des Herrn Keorg Page, was ischt artiges Fräuleinschaft.

Schmächtig.
Jungfer Anne? die hat braune Haare und spricht fein wie ein Frauenzimmer.

Evans.
‘s ischt epen selpiges Personal, und krate so akkurat, wie ihr’s praucht; und siepehundert Pfund und Kolt und Silper wollen ihr der Kroßvater aufm Sterpepett (Kott schenke ihm einen verknügten Auferständnis) vermachte, wann sie kapapel ischt und kann siepzehn Jahre hinter sich pringe. Tarum wär’s kuter Vorschlag, wann wir abließe von unser Wischewasche, und intentierte ein Heurat zwischen jungen Herrn Apraham und Jungfer Anne Page.

Schmächtig.
Hat ihr Großvater ihr siebenhundert Pfund vermacht?

Evans.
Ja, und ihr Vater pfuntiert ihr noch mehr Patzen.

Schmächtig.
Ich kenne das junge Frauenzimmer, sie hat gute, Gaben.

Evans.
Siepehundert Pfund und andre Erbprospekten sein kute Gaben.

Schaal.
Nun laßt uns zum ehrlichen Herrn Page gehn; ist Falstaff da?

Evans.
Soll ich euch Lügen sage? Ich verachte, wann einer lükt, wie ich verachte, wann einer falsch ischt, oder wann einer nicht wahrhaftig ischt. Der Ritter Sir John ischt ta, und ich pitte euch, laßt euch raten von eure wahre Freunte. Ich will jetzt an tie Tür klopfe wegen tem Herrn Page. He! Holla! Kott pehüte Euer Haus hier! –

Page kommt.

Page.
Wer ist da?

Evans.
Hier sein Kottes Seken, und Euer Freund, und Friedensrichtet Schaal; hier ischt auch junger Herr Schmächtig, welcher Euch vielleicht noch antre Tinge zu perichte habe wird, wann die Sache sich nach Eurem Kusto anstellt.

Page.
Ich bin erfreut, euch wohl zu sehn, meine gestrengen Herrn; ich danke Euch für mein Wildbret, Herr Schaal.

Schaal.
Herr Page, ich bin erfreut, Euch wohl zu sehn; recht wohl bekomme es Euch, recht von Herzen wohl; ich wünschte, Euer Wildbret wäre besser gewesen, es war schlecht geschossen. – Was macht denn die gute Frau Page? Ich bin Euch doch allzeit von Herzen ergeben, ja wahrhaftig, von ganzem Herzen.

Page.
Sir, ich danke Euch.

Schaal.
Sir, ich danke Euch; bei Ja und Nein, das tue ich.

Page.
Sehr erfreut, Euch zu sehn, lieber Junker Schmächtig.

Schmächtig.
Was macht denn Euer gelber Windhund, Sir? Ich hörte sagen, er sei in Cotsale geschlagen worden.

Page.
Es konnte nicht entschieden werden.

Schmächtig.
Ihr wollt’s nur nicht Wort haben, Ihr wollt’s nicht Wort haben! –

Schaal.
Das will er nicht; ‘s ist Euer Schaden, ‘s ist Euer Schaden; ‘s ist ein guter Hund.

Page.
Ein Köter, Sir.

Schaal.
Sir, ‘s ist ein guter Hund und ein schöner Hund; kann man wohl mehr sagen? Er ist gut und er ist schön. – Ist Sir John Falstaff hier?

Page.
Sir, er ist drinnen, und ich wünschte, ich könnte ein gutes Werk zwischen euch stiften.

Evans.
Tas ischt kesproche, wie frommer Chrischt spreche sollte.

Schaal.
Er hat mich beleidigt, Herr Page!

Page.
Sir, das gesteht er auch gewissermaßen ein.

Schaal.
Er hat’s eingestanden, und ich habe es ausgestanden; ist das nicht wahr, Herr Page? Er hat mich beleidigt, ja, das hat er; auf mein Wort, das hat er: glaubt mir’s, Robert Schaal, Esquire, versichert, er sei beleidigt.

Page.
Hier kommt Sir John.

Es treten auf Sir John Falstaff, Bardolph, Nym und Pistol.

Falstaff.
Nun, Herr Schaal, Ihr wollt mich beim König verklagen?

Schaal.
Ritter, Ihr habt meine Leute geprügelt, mein Wild erlegt und mein Jagdhaus erbrochen! –

Falstaff.
Aber doch Eures Försters Tochter nicht geküßt?

Schaal.
Ei, was da! Darauf sollt Ihr mir Antwort geben.

Falstaff.
Die Antwort sollt Ihr gleich haben; ich habe das alles getan. – Das wäre nun beantwortet.

Schaal.
Der Hof soll’s erfahren. –

Falstaff.
Laßt’s lieber den Keller erfahren; im Hof wird man Euch auslachen.

Evans.
Pauca verpa, Sir John; tann ich bin einer, tem es vor pittern Worten kraut.

Falstaff.
Kraut? Kraut und Rüben! – Schmächtig, ich habe Euch den Kopf zerschlagen; was kam dabei heraus?

Schmächtig.
Dabei kam genug heraus, mein Seel, und das trage ich Euch auch noch nach, Euch und Euern langfingrigen Schuften Bardolph, Nym und Pistol. Sie schleppten mich in die Schenke und machten mich besoffen und mausten mir, die Taschen leer.

Bardolph.
Ihr schmaler Ziegenkäse!

Schmächtig.
Schon gut.

Pistol.
Was willst du, Mephistophilus?

Schmächtig.
Ja, schon gut.

Nym.
Blitz, sag ich, pauca, pauca, das ist mein Humor.

Schmächtig.
Wo ist Simpel, mein Kerl? Wißt Ihr’s nicht, Vetter?

Evans.
Still, ich pitt euch! Jetzt habt wohl Opacht: hier sein drei Schiedsrichter in tieser Sachen, soviel ich’s pekreife; tas sein Herr Page, fidelicet Herr Page; und tas sein ich selper, fidelicet ich selper; und tann sein das tritte Part letztlich und peschließlich mein Herr Wirt vom Hosepand.

Page.
Wir drei wollen’s anhören und unter ihnen ausmachen.

Evans.
Sehr praf; ich will mir’s notiere in meiner Prieftaschen, und hernach wolle wir zur Prozetur schreite, mit krößter Möklichkeit und Tiskretion.

Falstaff.
Pistol –

Pistol.
Er tritt hervor und leiht das Ohr.

Evans.
Der Teufel und seine Kroßmutter! Was vor Syntax sein tas: er tritt hervor und leiht tas Ohr? Ei, tas sein Affektierunge.

Falstaff.
Pistol, hast du Herrn Schmächtig seine Börse gemaust?

Schmächtig.
Ja, bei diesen Handschuhen, das hat er, oder ich will mein Lebtag nicht wieder auf meine große Stube kommen! Sieben Grot in alter Münze und zwei Peilkentaler von König Eduard her, die mir drittehalb Schillinge das Stück bei Jochen Miller gekostet haben, bei diesen Handschuhen!

Falstaff.
Tatst du das wahrhaftig, Pistol?

Evans.
Nein, tas ischt nicht wahrhaftig ketan, wenn er Pörsen maust.

Pistol.
Ha, du Gebirgsfremdling! Sir John und Gönner mein,
Ich kämpft Kartel auf dieses Blechrapier.
Verleugnungswort in deine Labras dir!
Verleugnungswort dir; Hef und Schaum, du lügst!

Schmächtig.
Bei diesen Handschuhen, dann war er’s.

Nym.
Merkt auf Avis und laßt guten Humor gelten! Ich werde rufen; in der eignen Grube attrappiert, wenn Ihr Euern Büttelhumor auf mich los laßt; das ist die wahre Notiz davon.

Schmächtig.
Bei diesem Hut, so ist’s der mit dem roten Gesicht gewesen; denn wenn ich mich auch nicht mehr recht besinnen kann, was ich tat, als ihr mich betrunken machtet, so bin ich doch nicht ganz und gar ein Esel.

Falstaff.
Was sagt ihr dazu, Scharlach und Hans?

Bardolph.
Nun, was mich betrifft, Herr, ich sage, der junge Herr hatte sich von seinen fünf Sünden getrunken.

Evans.
Fünf Sinne müßt Ihr sagen; pfui über solche Ignoranz!

Bardolph.
Und als er kaputt war, Sir, da ward er, wie wir zu sprechen pflegen, auskassiert; und seine Konklusionen gingen mit ihm durch die Lappen.

Schmächtig.
Ja, Lateinisch spracht Ihr damals auch, aber das ist alles eins; solange ich lebe, will ich mich nicht wieder besaufen, als in ehrlicher, höflicher, gottesfürchtiger Gesellschaft, weil mir das passiert ist; und wo ich mich einmal wieder besaufe, da will ich’s mit solchen tun, die da Gottesfurcht haben, und nicht mit versoffnen Schelmen.

Evans.
So wahr Kott helfe, tas ischt tugendhaftige Tenkungsweise.

Falstaff.
Ihr hört, wie man das alles leugnet, meine Herrn; ihr hört es.

Jungfer Anne Page kommt mit Wein; Frau Fluth und Frau Page.

Page.
Nein, Tochter, trag den Wein ins Haus, wir wollen drinnen trinken (Anne Page geht.)

Schmächtig.
O Himmel! das ist Jungfer Anne Page! –

Page.
Wie geht’s, Frau Fluth? –

Falstaff.
Frau Fluth, bei meiner Treu, Ihr kommt recht zur guten Stunde: mit Eurer Erlaubnis, liebe Frau! (Er küßt sie.)

Page.
Frau, heiß diese Herrn willkommen: – kommt, wir haben eine warme Wildpastete zu Mittag; kommt, ihr Herrn, ich hoffe, wir lassen allen Mißmut im Glase.

(Sie gehn hinein; Schaal, Schmächtig und Evans bleiben.)

Schmächtig.
Ich wollte vierzig Schillinge drum geben, wenn ich mein Buch mit Liedern und Sonetten hier hätte.
Simpel kommt.
Na, Simpel, wo hast du gesteckt? Ich soll mir wohl selbst aufwarten, sag einmal? Hast du vielleicht das Rätselbuch bei dir, hast du’s?

Simpel.
Das Rätselbuch? Ei, habt Ihr’s nicht der Else Kleinsemmel geliehen auf letzte Allerheiligen, vierzehn Tage vor Michaelis?

Schaal.
Kommt, Vetter, kommt, Vetter, wir warten auf Euch. Ein Wort mit Euch, Vetter; hört einmal an, Vetter; es ist gleichsam ein Antrag, eine Art von Antrag im Werk, der von fernher von unserm Sir Hugh ausgeht; versteht Ihr mich? –

Schmächtig.
Ja, Herr, Ihr sollt mich vernünftig finden; wenn das ist, werde ich tun, was vernünftig ist.

Schaal.
Nein, versteht nur erst.

Schmächtig.
Das tue ich auch, Sir.

Evans.
Kebt seiner Motion Kehör, Junker Schmächtig, ich werte Euch tie Sache peschreiplich mache, wann Ihr die Kapazität dazu pesitzt.

Schmächtig.
Nein, ich werde es machen, wie mein Vetter Schaal sagt, nehmt mir’s nicht vor ungut; denn für mein bescheiden Teil ist der Friedensrichter in der Grafschaft, seht Ihr.

Evans.
Aber tavon sein nicht die Rete; tie Rete sein in Petreff Eurer Heurat.

Schaal.
Ja, das ist der Punkt, Sir.

Evans.
Ja, mein Seel, tas sein es auch; ter kanz eigentliche Punkt; und mit Junkfer Anne Page.

Schmächtig.
Ja, wenn das ist – die will ich heiraten auf irgend vernünftige Bedingungen.

Evans.
Aber könnt Ihr auch Affektionierungen spüren für tas Frauenzimmer? Laßt mich tas in Erfahrung pringen, aus Euerm Mund oder aus Euren Lippen; tann unterschiedliche Philosophe pehaupte, die Lippe formiere kewissermaßen Pestandteil des Mundes; teshalb also präzis: könnt Ihr tiesem Mädchen Eure Neigung zuwerfen?

Schaal.
Vetter Abraham Schmächtig, könnt Ihr sie lieben?

Schmächtig.
Ich hoffe, Vetter, ich werde es zustande bringen, wie es sich für einen schickt, der gern nach der Vernunft zu Werke geht.

Evans.
Ei, Kotts Erzengel und Holzengel! Ihr müßt wie ein Positif sprechen; könnt Ihr’s tahin für sie pringe, taß Ihr euer Verlangen auf sie werft?

Schaal.
Das müßt Ihr. Wollt Ihr sie mit einer guten Aussteuer heiraten?

Schmächtig.
Wenn Ihr mir’s vorstellt, Vetter, könnt Ihr mich zu noch viel größern Dingen bringen, wenn sie nur halbwege vernünftig sind.

Schaal.
Nein, versteht mich recht, versteht mich recht, mein trautster Vetter: was ich tue, ist nur Euch zu Gefallen, Vetter; könnt Ihr das Mädchen lieben?

Schmächtig.
Ich will sie heiraten, Sir, wenn Ihr’s verlangt, und wenn sich dann auch anfänglich keine große Liebe einfindet, so wird der Himmel sie schon bei näherer Bekanntschaft diminuieren lassen, wenn wir erst Mann und Frau sind und mehr Gelegenheit haben, uns einander kennenzulernen. Ich hoffe, mit der Vertraulichkeit wird sich auch die Geringschätzung einstellen. Wenn Ihr mir aber sagt, heirate sie, so heirate ich sie; dazu bin ich völlig dissolviert und ganz dissolut.

Evans.
Tas ischt kanz überkelegte Antwort, pis auf ten Schnitzer im Peiwort tissolut; das Peiwort heißt nach unserm Petünke: resolut; allein tie Meinung ischt kuth.

Schaal.
Freilich, ich denke, der Vetter meint es gut.

Schmächtig.
Ja wahrhaftig, sonst wollte ich mich ebensogern hängen lassen.

Anne Page kommt wieder.

Schaal.
Da kommt die schöne Jungfer Anne; ich wollt, ich wäre noch jung, um Euretwillen, Jungfer Anne! –

Anne.
Das Essen steht auf dem Tisch; mein Vater bittet um Euer Gestrengen Gesellschaft.

Schaal.
Ich werde ihm aufwarten, schöne Jungfer Anne!

Evans.
Kott heiliges Kepot! Ich darf nicht auspleipen, wann’s zum Kratias keht.

(Schaal und Evans gehn hinein.)

Anne.
Wollen Euer Gestrengen nicht hineinkommen?

Schmächtig.
Nein, ich bedanke mich recht schönstens, mein Seel, ich bin sehr wohl so.

Anne.
Das Essen wartet auf Euch, Junker.

Schmächtig.
Ich bin nicht hungrig, ich bedanke mich meiner Seel. Geh, Kerl, obgleich du eigentlich mein Bedienter bist, geh und warte meinem Vetter Schaal auf. (Simpel geht ab.) Ein Friedensrichter kann schon einmal seinem Freunde Dank wissen für einen Bedienten. – Ich halte jetzt nur drei Kerls und einen Jungen, bis meine Mutter tot sein wird; aber was tut’s? ich lebe doch wie ein armer geborner Edelmann.

Anne.
Ich darf nicht ohne Euer Gestrengen hineinkommen, sie werden sich nicht setzen, bis Ihr kommt.

Schmächtig.
Meiner Treu, ich esse doch nichts; ich dank Euch ebenso, als hätt ich’s genossen.

Anne.
Bitt Euch, Junker, spaziert doch hinein.

Schmächtig.
Ich spaziere lieber hier draußen, ich danke Euch; ich ward neulich am Schienbein getroffen, als ich mit dem Oberfechtmeister auf Degen und Dolch rapierte, drei Gänge um eine Schüssel geschmorte Pflaumen, und auf Ehre, ich kann seitdem den Geruch von warmem Essen nicht ausstehen. Warum bellen Eure Hunde so? Sind Bären in der Stadt?

Anne.
Ich glaube ja, Sir; ich hörte davon reden.

Schmächtig.
Die Bärenhetze ist mein Leibspaß; aber ich gerate so schnell darüber in Händel, als jemand in England. Ihr fürchtet Euch wohl vor dem Bären, wenn Ihr ihn los seht? nicht wahr?

Anne.
Ja freilich, Junker.

Schmächtig.
Das ist nun Essen und Trinken für mich, seht Ihr, den Sackerson habe ich wohl zwanzigmal los gesehn, und habe ihn bei der Kette angefaßt; aber das muß wahr sein, die Weiber haben so gequiekt und geschrien, daß es eine Art hatte; aber die Weiber können sie überhaupt nicht ausstehn; es sind recht garstige rauhe Dinger.

Page kommst wieder.

Page.
Kommt, lieber Junker Schmächtig, wir warten auf Euch.

Schmächtig.
Ich mag nicht essen, ich dank Euch, Herr.

Page.
Ei was tausend, Ihr müßt; kommt, Junker.

Schmächtig.
Nun, so bitt ich Euch, geht voran.

Page.
Nur zu, Junker.

Schmächtig.
Jungfer Anne, Ihr müßt vorangehn.

Anne.
Nicht doch, Junker, ich bitte Euch, geht nur.

Schmächtig.
Gewiß und wahrhaftig, ich will nicht vorangehn, nein, wahrhaftig, ich will Euch nicht so zu nah tun.

Page.
Ich bitte sehr!

Schmächtig.
So will ich denn lieber unhöflich als beschwerlich sein; Ihr tut Euch selbst zu nah, wahrhaftig! –

(Sie gehn hinein.)

Zweite Szene

Ebendaselbst

Evans und Simpel treten auf

Evans.
Nun keh und frag den Wek aus nach Toktor Cajus’ Haus, frag sein Haus, wo der Wek keht; und tort wohnt kewisse Frau Hurtig, welche kleichsam seine Amme ischt, oder seine Wartfrau, oder seine Köchin, oder seine Wäscherin, seine Seiferin und seine Spülerin.

Simpel.
Gut, Herr.

Evans.
Nein, es kommt noch pesser: kiep ihr tiesen Prief, tann tiese Frau ischt kar kenaue Pekanntschaft mit Jungfer Anne Page; und ter Prief ischt, sie zu pitten und requirieren, teines Herrn Anliegen pei ter Jungfer Anne Page auszurichten. Ich pitte tich, keh: ich muß jetzt mit der Mahlzeit Ente machen, es komme noch Äpfel und Käse.

(Sie gehn zu verschiedenen Seiten ab.)

Dritte Szene

Zimmer im Gasthof zum Hosenbande

Falstaff, der Wirt, Bardolph, Nym, Pistol und Robin

Falstaff.
Mein Wirt vom Hosenbande –

Wirt.
Was sagt mein Rodomont? Sprich gelahrt und weislich.

Falstaff.
Wahrhaftig, mein Wirt, ich muß einige von meinem Gefolge abschaffen.

Wirt.
Laß fahren, Roland Herkules; dank ab; laß sie traben; marsch! marsch! –

Falstaff.
Ich brauche zehn Pfund die Woche! –

Wirt.
Du bist ein Imperator und Diktator, ein Kaiser und ein Weiser: Ich will den Bardolph nehmen, er soll trichtern und zapfen. Sprach ich so recht, mein Roland Hektor?

Falstaff.
Tu das, mein guter Wirt.

Wirt.
Ich habe gesprochen; laß ihn mitgehn. Laß mich dich schäumen und leimen sehn. Ein Wort, ein Mann! Komm mit! – (Geht ab.)

Falstaff.
Bardolph, geh mit ihm. – Ein Bierzapf ist ein gutes Gewerbe, ein alter Mantel gibt ein neues Wams und ein verwelkter Lakei einen frischen Zapfer. Geh! Leb wohl!

Bardolph.
‘s ist ein Leben, wie ich’s mir gewünscht habe: ich werde schon fortkommen. (Geht ab.)

Pistol.
«O schnöd hungarscher Wicht! Willst du den Zapfen schwingen?»

Nym.
Er wurde im Trunk erzeugt: ist das nicht ein eingefleischter Humor? –

Falstaff.
Ich bin froh, daß ich die Zunderbüchse so losgeworden bin: seine Diebereien waren zu offenbar; sein Mausen war wie ein ungeschickter Sänger, er hielt kein Tempo.

Nym.
Der rechte Humor ist, im wahren Monument zu stehlen.

Pistol.
Aneignen nennt es der Gebildete: – Stehlen? o pfui! ‘ne Feige für die Phrase! –

Falstaff.
Ja, ihr Herrn; ich fange an, auf die Neige zu geraten.

Pistol.
Kein Wunder, daß du dick und trübe wardst.

Falstaff.
‘s ist keine Hilfe; ich muß mein Glück verbessern, ich muß Künste ersinnen.

Pistol.
Der junge Rabe schreit nach Fraß.

Falstaff.
Wer von euch kennt Fluth in dieser Stadt?

Pistol.
Den Wicht kenn ich: gut ist er von Gehalt.

Falstaff.
Meine ehrlichen Jungen, ich will euch sagen, was mir vorschwebt.

Pistol.
Ein Wanst von hundert Pfund.

Falstaff.
Keine Wortspiele, Pistol! Allerdings hat mein Wanst es weit in der Dicke gebracht; aber hier ist die Rede nicht von Wänsten, sondern von Gewinsten, nicht von Dicke, sondern von Tücke. Mit einem Wort, ich habe im Sinn, einen Liebeshandel mit der Frau Fluth anzufangen; ich wittre Unterhaltung bei ihr; sie diskuriert, sie kommt entgegen, sie schielt mit dem Seitenblick der Auffordrung; ich konstruiere mir die Wendungen ihres vertraulichen Stils, und die schwierigste Passage ihres Betragens in einfaches Englisch übersetzt, lautet: ich bin Sir John Falstaff.

Pistol.
Er hat ihr Vorhaben studiert und dann versiert; aus der Sprache der Züchtigkeit ins Englische.

Nym.
Der Anker ist tief: soll dieser Humor gelten?

Falstaff.
Nun, das Gerücht sagt, daß sie den Knopf auf ihres Mannes Beutel regiert; er besitzt ein Regiment von Engeln.

Pistol.
Nimm gleichviel Teufel dir in Sold, und auf sie los, mein Sohn! –

Nym.
Der Humor steigt; recht gut, humorisiert mir diese Engel! –

Falstaff.
Ich habe hier einen Brief an sie geschrieben, und hier einen zweiten an Pages Frau, die mir jetzt eben gleichsfalls verliebte Augen zuwarf und meine Statur mit höchst kennerhaften Blicken musterte. Zuweilen vergoldete der Strahl ihres Anschauens meinen Fuß und zuweilen meinen stattlichen Bauch.

Pistol.
So schien die Sonn auf einen Düngerhaufen.

Nym.
Ich danke dir für den Humor.

Falstaff.
Oh, sie überlief meine Außenseite mit so gieriger Aufmerksamkeit, daß das Verlangen ihres Auges mich zu versengen drohte wie ein Brennglas. Hier ist auch ein Brief für diese; sie führt gleichfalls die Börse; sie ist eine Küste von Guayana, ganz Gold und Fülle. Diese beiden sollen meine Schätze werden, und ich will sie brandschatzen; sie sollen mein Ost- und Westindien sein, und ich will nach beiden Handel treiben. Geh, trag du diesen Brief an Frau Page und du jenen an Frau Fluth: unser Weizen blüht, Kinder, unser Weizen blüht.

Pistol.
Soll ich Herr Pandarus von Troja werden,
Die Seite stahlbewehrt? dann, Luzifer, hol alles!

Nym.
Ich will keinen schofeln Humor ausspielen; da nehmt den Humorsbrief wieder; ich will das Dekorum manifestieren.

Falstaff (zu Robin.)
Hör, Kleiner, trag die Briefe mir geschickt;
Segl’ als mein Frachtschiff zu den goldnen Küsten.
Ihr Schurken, fort! Zergeht wie Schloßen, lauft,
Trabt, plackt euch, rührt die Fersen, sucht euch Schutz; –
Falstaff lernt jetzt französische Manier
Nach neuster Art: ich und mein Page hier.

(Falstaff und Robin ab.)

Pistol.
Die Geier packen dein Gedärm; denn Würfel falsch
Und sechs und As hilft durch, prellt reich und arm.
Mir schwellt der Sack von Dreiern, wenn du darbst,
Du phrygscher, niederträchtger Türke du!

Nym.
Ich habe Operationen im Kopf, die der Humor der Rache sind.

Pistol.
Willst Rache?

Nym.
Ja, beim Firmament und seinem Stern!

Pistol.
Mit Witz? mit Stahl?

Nym.
Mit beiderlei Humoren ich;
Dem Page bedeut ich dieser Liebsanstalt Humor! –

Pistol.
Und Fluth von mir die Kund erhält,
Wie Falstaff, schnöder Knecht,
Die Taub ihm raubt, ums Geld ihn prellt,
Und kränkt sein Ehbett echt.

Nym.
Mein Humor soll nicht abkühlen; ich will Page zu Giftgedanken irritieren; ich will ihn mit Gelbsucht durchgehen, denn meine Empörung ist gefährlich: das ist mein wahrer Humor.

Pistol.
Du bist der Mars der Malkontenten, ich stehe dir bei. Marsch, fort!

(Sie gehn ab.)

Vierte Szene

Im Hause des Doktor Cajus

Frau Hurtig, Simpel und John Rugby treten auf

Frau Hurtig.
He, John Rugby! Sei so gut, geh ans Fenster und sieh, ob du meinen Herrn kommen siehst, Herrn Doktor Cajus: wenn er kommt und findet jemand im Hause, so wird er des lieben Gottes Geduld und des Königs Englisch einmal wieder schön zurichten.

Rugby.
Ich will gehn und aufpassen. (Rugby ab.)

Frau Hurtig.
Geh; wir wollen auch einen Nachttrunk dafür zusammenbrauen, wenn’s mit dem Steinkohlenfeuer zu Ende geht. – Ein ehrlicher, williger, guter Bursch, wie nur je einer einen Dienstboten im Hause verlangen kann; und das muß ich sagen, kein Plappermaul und kein Händelmacher: sein schlimmster Fehler ist, daß er so erpicht aufs Beten ist; in dem Stück ist er ein bißchen wunderlich; aber wir haben alle unsre Fehler. – Nun, das mag so hingehn. – Peter Simpel, sagt Ihr, ist Euer Name?

Simpel.
Ja, in Ermanglung eines bessern.

Frau Hurtig.
Und Herr Schmächtig ist Euer Herr?

Simpel.
Ja, meiner Treu.

Frau Hurtig.
Trägt er nicht einen großen runden Bart, wie eines Handschuhmachers Schabmesser?

Simpel.
Ei bewahre, er hat nur so ein kleines, dünnes Gesichtchen mit einem kleinen gelben Bart; ein zimtfarbnes Bärtchen.

Frau Hurtig.
Ein friedfertiger, tranquiller Mann, nicht wahr?

Simpel.
Ja, das ist er – aber dabei ist er mit seinen Fäusten so bei der Hand, als nur irgendeiner zwischen seinem und meinem Kopf: er hat sich einmal mit einem Flurschützen geprügelt.

Frau Hurtig.
Was Ihr sagt! Ach, nun besinne ich mich auf ihn: Wirft er die Nase nicht, sozusagen, in die Luft? – und spreizt sich, wenn er geht?

Simpel.
Ja, mein Seel, das tut er.

Frau Hurtig.
Nun, der Himmel beschere Annchen kein schlimmeres Glück. Sagt dem Herrn Pfarrer Evans, ich werde für seinen Herrn tun, was ich kann; Anne ist ein gutes Mädchen, und ich wünsche –

Rugby kommt wieder.

Rugby.
Ach, Herrje! da kommt mein Herr! –

Frau Hurtig.
Nun wird es über uns alle hergehn. Lauft hier hinein, lieber junger Mensch, geht in dies Kabinett. (Sie schiebt Simpel ins Kabinett.) Er wird nicht lange bleiben. – He, John Rugby! John! he, John, sag ich! Geh, John, und frage nach deinem Herrn; ich fürchte, es ist ihm was zugestoßen, daß er nicht heimkommt. (Singt.) Tralldaldera! tralldaldera!

Doktor Cajus kommt.

Cajus.
Was singen Ihr da? Ik nik lieben solken Poß: – ik bitten, geht und ‘ohlen mik in meine Kabinett un boîtier vert, einen Büchs, einen grünen Büchs – Entendez-vous?

Frau Hurtig.
Jawohl, ich werd’s Euch holen. Ich bin froh, daß er nicht selbst hineingeht; wenn er den jungen Menschen gefunden hätte, wäre er hörnertoll geworden.

Cajus.
Ouf, ouf, ouf, ouf! ma foi, il fait fort chaud. Je m’en vais à la cour – la grande affaire –

Frau Hurtig (zurückkommend).
Ist’s diese, Herr Doktor?

Cajus.
Oui, mettez-le in mein Taschen, dépêchez ‘urtig. Wo steck’ die Schelm, Rugby?

Frau Hurtig.
He, John Rugby! John!

Rugby.
Hier! hier!

Cajus.
Ihr sein John Rugby, und Ihr sein ‘ans Rugby: kommt, nehmt das Degen und folgen mir nak auf die Fuß, nak ‘ofe.

Rugby.
Ich habe ihn bei der Hand, Herr, hier im Vorsaal.

Cajus.
Bei mein Ehre, ik sögern su lang. Mordieu, qu’ai-je oublié! Da sein gewisse Simple in mein Kabinett, das ik nik wollt lassen da für die Welt.

Frau Hurtig.
O weh, nun wird er den jungen Menschen dort finden und rasend werden.

Cajus (öffnet das Kabinett)
Oh diable! diable! Was sein ‘ier in mein Kabinett? Spitzenbub, larron; Rugby, meine Degen.

(Er führt Simpel aus dem Kabinett.)

Frau Hurtig.
Bester Herr, gebt Euch zufrieden.

Cajus.
Und weswegen soll ik mir geben sufrieden? hein?

Frau Hurtig.
Der junge Mensch ist ein ehrlicher Mensch.

Cajus.
Was ‘at der hehrlik Mensch su tun in mein Kabinett? Da is keine hehrlik Mensch, das soll kommen in mein Kabinett.

Frau Hurtig.
Ich bitte Euch, seid nicht so phlegmatisch, hört nur das Wahre von der Sache. Er kam und brachte mir einen Auftrag vom Pfarrer Evans.

Cajus.
Gut! –

Simpel.
Ja, du lieber Gott, um sie zu ersuchen, daß –

Frau Hurtig.
Still doch, ich bitte Euch! –

Cajus.
Still sein Ihr mit Eure Sung; sprecken Ihr weiter Eure commission.

Simpel.
Um diese ehrliche Frauensperson, Eure Jungfer, zu ersuchen, daß sie ein gut Wort bei der Jungfer Anne Page für meinen Herrn einlegte, um die Heirat richtig zu machen.

Frau Hurtig.
Das ist alles, wahrhaftig; ja, aber ich werde meine Finger nicht ins Feuer stecken, ich brauche das nicht.

Cajus.
Der Pasteur Hevans’ aben Euk geschickt? Rugby, baillez– moi hetwas Papier; Ihr warten ‘ier ein bisken.

Frau Hurtig.
Ich bin froh, daß er so ruhig ist; wenn er recht durch und durch in Aufruhr gekommen wäre, da hättet Ihr ihn einmal recht laut und melancholisch sehn sollen. Aber mit alledem, mein Freund, will ich für Euern Herrn tun, was ich nur kann, und das wahre Ja und Nein ist, daß der französische Doktor, mein Herr – ich kann ihn schon meinen Herrn nennen, seht Ihr, denn ich führe ihm seine Wirtschaft, und ich wasche, spüle, braue, backe, scheure, koche ihm Essen und Trinken, mache die Betten und tue alles selbst.

Simpel.
‘s ist eine große Last, wenn man unter fremde Hände kommt.

Frau Hurtig.
Wißt Ihr das auch schon? Ja wahrhaftig, eine tüchtige Last, und dabei früh auf sein und spät zu Bett; – aber mit alledem, (ich sage Euch das ins Ohr, ich möchte nicht viel Gerede davon haben) – mein Herr ist selbst verliebt in Jungfer Anne Page; – aber mit alledem – ich weiß, wie Annchen denkt – davon ist nicht die Rede.

Cajus.
Du ‘ans Aff: gib diesen billet an Pasteur Ugo; pardieu, es sein eine ‘erausforderung; ik will ihm habsneiden seinen Kehl in die Tierkart; und ik will lehren so eine ‘asenfuß von Priest’r, sik su melier’ und su mische. Du kannst dir packen; es sein nik gut, daß du ‘ier bleiben. Pardieu, ik will ihm habsneiden halle sein swei Stein, pardieu! Er soll nik behalt eine Stein su smeiße nak seine ‘und. (Simpel geht ab.)

Frau Hurtig.
Ach lieber Himmel, er spricht ja nur für seinen Freund.

Cajus.
Das tute nix sur Sak! ‘aben Ihr nik gesagt, daß ik soll ‘aben Anne Page vor mir selbst? Pardieu, ik will totmaken die ‘ans Priest’r, und ik ‘aben bestellt meine Wirt de la jarretière su meß unsre Waff: – Pardieu! ik will selber ‘aben Anne Page.

Frau Hurtig.
Herr, das Mädchen liebt Euch, und alles wird gut gehn. Wir müssen die Leute reden lassen, was zum Element!

Cajus.
Rugby, komm mit mik an die ‘of. Pardieu, wenn ik nik kriegen Anne Page, ik smeißen Eure Kop aus den ‘aus: folgen mir auf mein Fuß, Rugby.

(Doktor Cajus und Rugby ab.)

Frau Hurtig.
Anne lange Nase sollt ihr kriegen! – Nein, darin weiß ich, wie Annchen denkt: keine Frau in Windsor weiß besser, wie Annchen denkt, als ich, oder kann mehr mit ihr aufstellen, Gott sei Dank! –

Fenton (draußen).
Ist jemand drinnen? He?

Frau Hurtig.
Wer muß nur da sein? Kommt doch nähert Nur herein! –

Fenton tritt auf.

Fenton.
Nun, liebe Frau, wie geht’s?

Frau Hurtig.
Desto besser, weil Euer Gnaden beliebt, danach zu fragen.

Fenton.
Was gibt’s Neues,? Was macht die hübsche Jungfer Anne?

Frau Hurtig.
Ja, wahrhaftig, Herr, hübsch ist sie auch, und ehrbar, und artig; und ist Eure gute Freundin, das kann ich Euch nebenbei versichern, dem Himmel sei Dank.

Fenton.
Wird mir’s denn gelingen, meinst du? Werde ich nicht vergeblich werben?

Frau Hurtig.
Freilich, Herr, der da droben hat alles in seiner Hand; aber mit alledem, Herr Fenton, will ich Euch hoch und teuer schwören, daß sie Euch liebt. Hat Euer Gnaden nicht eine Warze überm Auge?

Fenton.
Ja freilich, die habe ich. Was soll uns die?

Frau Hurtig.
Ei, davon wäre viel zu erzählen. Meiner Treu, sie ist mir die Rechte, das Annchen; aber soviel kann ich detestieren: so ein ehrliches Mädchen, als jemals Brot gegessen hat. Wir plauderten wohl eine Stunde von der Warze: so lache ich in meinem Leben nicht, als wenn ich bei dem Mädchen bin. Freilich, sie ist allzu langkohlisch und kopfhängerisch, das ist wahr; aber was Euch betrifft – nun! nur immer guten Mut! –

Fenton.
Nun, ich werde sie heut noch sehn. Wart, da hast du eine Kleinigkeit; sprich ein gutes Wort für mich. Solltest du sie ehr sehn als ich, so empfiehl mich. –

Frau Hurtig.
Euch empfehlen? Ja, mein Seel, das soll geschehn; und will Eur Gnaden noch mehr von der Warze erzählen, sobald sich wieder eine Konfidenz findet; und noch von andern Liebhabern.

Fenton.
Gut, lebe wohl, ich habe jetzt große Eil.

Frau Hurtig.
Viel Glück, Eur Gnaden. – (Fenton geht.) Wahrhaftig ein nobler Herr! aber Annchen kann ihn nicht leiden; ich weiß, wie Annchen denkt, besser als irgend jemand. Potztausend! Was habe ich vergessen! – (Sie geht ab.)

Zweiter Aufzug

Erste Szene

Straße

Frau Page tritt auf mit einem Brief

Frau Page.
Was! War ich in den Feiertagen meiner Schönheit Liebesbriefen entgangen und bin jetzt ein Inhalt für sie? Laßt doch sehn: – (sie liest) «Fordert keine Vernunftgründe von mir, warum ich Euch liebe: denn wenn gleich Liebe die Vernunft als verdammenden Inquisitor zuläßt, kann sie sie doch nicht als Ratgeber brauchen. Ihr seid nicht jung; ich ebensowenig; wohlan denn, hier ist Sympathie. Ihr seid munter, das bin ich auch: haha! darin liegt noch mehr Sympathie. Ihr liebt den Sekt, ich auch: gibt’s wohl noch beßre Sympathie? Laß Dir’s genügen, Frau Page (wenn anders die Liebe eines Soldaten Dir genügen kann), daß ich Dich liebe. Ich will nicht sagen, bedaure mich; das ist keine soldatenhafte Phrase; aber ich sage, liebe mich:

Der für Dich wacht
Bei Tag und Nacht
Aus aller Macht,
Auf Kampf und Schlacht
Für Dich bedacht.
John Falstaff.»

Welch ein Herodes von Judäa das ist! O gottlose, gottlose Welt! – Ist er doch schon vom Alter fast ganz aufgetragen und gebärdet sich wie ein junger Liebhaber! Welch unbedachtes Betragen hat denn mit des Teufels Beistand dieser flämische Trunkenbold aus meinem Gespräch aufgeschnappt, daß er sich auf diese Weise an mich wagen darf? Wahrhaftig, er ist kaum dreimal in meiner Gesellschaft gewesen! – Was sollt ich ihm sagen? Ich war doch damals sparsam mit meiner Lustigkeit; der Himmel verzeihe mir’s! – Wahrhaftig, ich will auf eine Akte im Parlament antragen, den Männern das Handwerk zu legen. Wie soll ich mich an ihm rächen? Denn rächen will ich mich, so gewiß seine Eingeweide aus lauter Pudding zusammengesetzt sind.

Frau Fluth kommt.

Frau Fluth.
Frau Page! Wahrhaftig, ich wollte eben zu Euch.

Frau Page.
Und wahrhaftig, ich zu Euch. Ihr seht recht übel aus!

Frau Fluth.
Ei, das glaub ich nimmermehr; ich kann das Gegenteil beweisen.

Frau Page.
Mir kommt’s aber doch so vor.

Frau Fluth.
Nun gut, so mag’s denn sein; aber wie ich sage, ich könnte Euch das Gegenteil beweisen. Oh, Frau Page, gebt mir einen guten Rat!

Frau Page.
Wovon ist die Rede, Schatz?

Frau Fluth.
Oh, Schatz, wenn sich’s nicht an einer Kleinigkeit stieße, so könnte ich zu großer Ehre kommen! –

Frau Page.
Schade was für die Kleinigkeit, Schatz; schlag die Ehre nicht aus; was ist’s denn? Kümmre dich nicht um die Kleinigkeit; nun, was ist’s?

Frau Fluth.
Wenn ich nur für eine kurze Ewigkeit zur Hölle fahren wollte, so könnte ich zur Ritterwürde kommen.

Frau Page.
Was, du lügst, Sir Alice Fluth! Nun, um solche Ritterschaft steht’s oft nur flitterhaft; und ich dächte, im Punkte deiner Hausehre ließest du’s beim alten.

Frau Fluth.
Ich sehe, wir verstehn uns nicht, liebes Kind; da hier, lies, lies: sieh nur, wie! – – Ich werde um so schlechter von den fetten Mannsleuten denken, solange ich noch ein Auge habe, der Mannsbilder Gestalt zu unterscheiden. Und doch fluchte er nicht; lobte die Sittsamkeit der Frauen und sprach so anständige und wohlgesetzte Verachtung alles Unschicklichen aus, daß ich drauf geschworen hätte, seine Gesinnung stimmte zum Ausdruck seiner Worte.- aber die haben nicht mehr Zusammenhang und passen nicht besser zueinander, als der hundertste Psalm und die Melodie vom grünen Ärmel. Welcher Sturmwind mußte uns diesen Walfisch mit so viel Tonnen Öl im Bauch an die Küste von Windsor werfen? Wie soll ich mich an ihm rächen? Ich denke, das beste wäre, ihn mit Hoffnung hinzuhalten, bis das gottlose Feuer der bösen Lust ihn in seinem eignen Fett zerschmolzen hätte. Hast du je so etwas gehört?

Frau Page.
Ein Brief wie der andre, nur daß die Namen Fluth und Page verschieden sind. Zu deinem größten Trost in diesem Labyrinth von Leichtfertigkeiten ist hier der Zwillingsbruder deines Briefs; aber laß nur deinen zuerst erben, denn auf meine Ehre, der meinige soll es nie. Ich wette, er hat ein ganzes Tausend solcher Briefe mit leeren Plätzen für die verschiednen Namen; und gewiß noch mehr, und diese sind von der zweiten Auflage. Er wird sie ohne Zweifel noch drucken lassen, denn es ist ihm einerlei, was er unter die Presse bringt, da er uns beide darunter bringen wollte. Lieber möchte ich eine Riesin sein und unter dem Berg Pelion liegen! Wahrhaftig, ich will ehr zwanzig treulose Turteltauben finden, als einen züchtigen Mann.

Frau Fluth.
Seht doch, ganz derselbige; dieselbe Handschrift, dieselben Worte; was denkt er nur von uns? –

Frau Page.
Wahrhaftig, ich weiß nicht; es bringt mich fast so weit, mit meiner eignen Ehrbarkeit zu zanken. – Ich muß mich ansehn wie eine Person, die ich noch gar nicht kenne; denn wahrhaftig, hätte er nicht eine Seite an mir entdeckt, von der ich selber gar nichts weiß, er hätte es nicht gewagt, mit solcher Wut zu entern.

Frau Fluth.
Entern sagst du? Nun, ich weiß gewiß, ich will ihn immer überm Deck halten.

Frau Page.
Das will ich auch; kommt er je unter meine Luken, so will ich nie wieder in See gehn. Wir müssen uns an ihm rächen: wir müssen ihm eine Zusammenkunft bestimmen, ihm einen Schimmer von Hoffnung für sein Begehren geben und ihn mit fein geködertem Aufschub immer weiter locken, bis er unserm Gastwirt zum Hosenbande seine Pferde versetzt hat.

Frau Fluth.
Ja, ich will die Hand dazu bieten, ihm jeden schlimmen Streich zu spielen, der nur unsrer Ehre nicht zu nahe tritt. Himmel, wenn mein Mann diesen Brief sähe! Er würde seiner Eifersucht ewige Nahrung geben.

Frau Page.
Ei sieh, da kommt er, und mein guter Mann auch; er ist so weit entfernt von aller Eifersucht, als ich, ihm Anlaß zu geben; und das, hoffe ich, ist eine unermeßliche Kluft.

Frau Fluth.
Um so glücklicher ihr! –

Frau Page.
Laßt uns einen Kriegsrat gegen diesen fetten Ritter halten! Kommt hieher.

(Sie gehn in den Hintergrund der Bühne.)
Fluth kommt mit Pistol, Page mit Nym.

Fluth.
Nun, ich hoffe, es ist nicht so.

Pistol.
Hoffnung ist oft ein Jagdhund ohne Spur:
Sir John lockt dein Gemahl.

Fluth.
Ei, Herr, meine Frau ist nicht jung.

Pistol.
Er wirbt um hoch und tief, um reich und arm,
Um jung und alt, um ein’ und alle, Fluth:
Er liebt sich Mengelmuß. Fluth, Augen auf! –

Fluth.
Liebt meine Frau? –

Pistol.
Mit Leber, heiß wie Glut. Wehr’s ab, sonst lauf
Wie Herr Aktäon, rings umklafft vorn Jagdgebell.
– O schändlich tönt das Wort!

Fluth.
Was für ein Wort, Herr?

Pistol.
Das Horn, sag ich. Leb wohl.
Hab acht! die Augen auf! denn Diebe schleichen nachts:
Hab acht! eh Sommer kommt und Kuckuckvögel singen. –
Mir nach, Herr Korp’ral Nym! –
Page, glaub ihm, denn er spricht Vernunft! (Pistol geht ab.)

Fluth.
Ich will Geduld haben; ich werde schon dahinterkommen.

Nym (zu Page).
Und dies ist wahr; der Humor des Lügens ist mir zuwider. Er hat mich in gewissen Humoren beleidigt; ich habe einen Degen, und er muß die Zähne zeigen, wann’s not tut. Er liebt Euer Weib, das ist das Kurze und das Lange. Mein Nam ist Korporal Nym; ich rede und agnosziere: ‘s ist wahr; mein Nam ist Nym, und Falstaff liebt Euer Weib. – Lebt wohl! Ich hasse den Humor von Brot und Käse, und das ist der Humor davon. Lebt wohl. (Nym geht ab.)

Page.
Der Humor davon; ei! das ist mir ein Bursch, der unser Englisch aus allem Verstande herausschreckt.

Fluth.
Ich will Falstaff aufsuchen.

Page.
In meinem Leben hörte ich keinen so affektiert schleppenden Schurken.

Fluth.
Finde ich’s so, gut! –

Page.
Ich werde keinem solchen Chinesen trauen, und empföhle ihn auch der Stadtpfarrer als einen ehrlichen Mann.

Fluth.
Es war ein wackrer, verständiger Bursch; gut! –

Frau Page und Frau Fluth treten vor.

Page.
Ei, sieh da, Gretchen!

Frau Page.
Wo gehst du hin, Georg? – höre doch!

Frau Fluth.
Was ist denn, lieber Franz? Warum so melancholisch.

Fluth.
Ich melancholisch? Ich bin nicht melancholisch! Mach, daß du zu Haus kommst! – geh! –

Frau Fluth.
Gewiß hast du wieder Grillen im Kopf. Kommt Ihr mit, Frau Page?

Frau Page.
Ich geh mit Euch. Kommst du jetzt zum Essen, Georg? – (Beiseite.) Sieh, wer da kommt! Die soll unsre Botin an den saubern Ritter sein.

Frau Hurtig kommt.

Frau Fluth.
Wahrhaftig, an die dachte ich eben; die wird grade recht sein.

Frau Page.
Ihr kommt wohl, meine Tochter Anne zu besuchen?

Frau Hurtig.
Ja wahrhaftig! Und was macht denn die liebe Jungfer Anne?

Frau Page.
Geht mit uns hinein und seht selbst; wir haben wohl ein Stündchen mit Euch zu plaudern.

(Die drei Frauen gehen hinein.)

Page.
Wie nun, Herr Fluth? –

Fluth.
Ihr hörtet doch, was der Kerl mir sagte? Nicht?

Page.
Ja, und Ihr hörtet, was der andre mir sagte?

Fluth.
Glaubt Ihr, daß ihnen zu trauen sei?

Page.
Hole der Henker das Gesindel! Ich glaube nicht, daß der Ritter so was wagt; aber diese, die ihm eine Absicht auf unsre Frauen schuld geben, sind ein Gespann von seinen ausgemusterten Bedienten, völlige Spitzbuben, seit sie außer Dienst sind.

Fluth.
Waren das seine Bedienten?

Page.
Freilich waren sie’s.

Fluth.
Mir gefällt das Ding darum noch nicht besser. – Wohnt er jetzt im Hosenband?

Page.
Ja freilich. Sollte er seinen Kurs auf meine Frau richten, so wollte ich sie ihm frank und frei überlassen; und was er mehr von ihr erbeutet als harte Reden, das will ich auf meinen Kopf nehmen.

Fluth.
Ich habe eben kein Mißtrauen in meine Frau, aber ich möchte sie doch nicht gern zusammenlassen. Ein Mann kann auch zu sicher sein; ich möchte nichts auf meinen Kopf nehmen. Ich kann mich nicht so leicht zufrieden geben.

Page.
Sieh da, kommt hier nicht unser schwadronierender Wirt zum Hosenbande? Entweder er hat Wein im Kopf oder Geld in der Tasche, wenn er so lustig aussieht. Nun, wie geht’s, mein Gastwirt? –

Der Gastwirt und Schaal kommen.

Wirt.
Wo bleibst du, Rodomont? Du bist ein Edelmann; Caballero Friedensrichter, komm doch! –

Schaal.
Ich komme, mein Gastwirt, ich folge dir. – Vielmals guten Tag, lieber Herr Page; Herr Page, wollt Ihr mit uns gehn? Wir haben einen Spaß vor.

Wirt.
Sag’s ihm, Caballero Friedensrichter, sag’s ihm, Rodomont.

Schaal.
Herr, es soll ein Strauß zwischen Sir Hugh, dem wallisischen Priester, und Cajus, dem französischen Doktor, ausgefochten werden.

Fluth.
Mein lieber Herr Wirt zum Hosenbande, ein Wort mit Euch! –

Wirt.
Was sagst du, Rodomont?

(Sie gehn auf die Seite.)

Schaal (zu Page).
Wollt Ihr mit und es ansehn? Unser lustiger Wirt hat ihre Waffen messen müssen und hat ihnen, glaube ich, verschiedene Plätze angewiesen; denn wahrhaftig, ich höre, der Pfarrer spaßt nicht. Gebt acht, ich will Euch erzählen, worin unsre Komödie bestehen soll.

Wirt.
Du hast doch keine Schuldklage wider meinen Ritter, mein Gastkavalier?

Fluth.
Nein, auf Ehre nicht. Aber ich will Euch eine Flasche gebrannten Sekt geben, wenn Ihr mir Zutritt zu ihm schafft und ihm sagt, ich heiße Bach; nur zum Scherz.

Wirt.
Da ist meine Hand, Roland, du sollst dich bei ihm präsentieren und absentieren: – war’s so recht? – und Bach sollst du heißen. Er ist ein lustiger Ritter. Wollt ihr gehn, Kinder?

Schaal.
Nehmt mich mit, mein Gastwirt.

Page.
Ich höre, der Franzose versteht sich trefflich auf sein Rapier.

Schaal.
Still, Herr, davon wüßt ich ein Lied zu singen. Zu jetziger Zeit steht Ihr in einer Distanz und habt Eure Mensuren, Paraden und was weiß ich alles; auf’s Herz kommt’s an, Herr Page, hier sitzt es, hier sitzt es! Ich weiß die Zeit, da hätte ich mit meinem langen Degen vier handfeste Burschen springen lassen wie die Ratten.

Wirt.
Lustig, Burschen, lustig: wollen wir uns trollen?

Page.
Ich gehe mit Euch. Ich hörte sie lieber zanken als fechten.

(Der Wirt, Schaal und Page gehn ab.)

Fluth.
Obgleich Page ein sorgloser Narr ist und so fest auf seiner Frauen Schwachheit baut, kann ich doch meinen Argwohn nicht so leicht ablegen. Sie war mit ihm in Gesellschaft bei der Frau Page, und was sie da angefangen haben, weiß ich nicht. Wohlan, ich muß der Sache auf die Spur kommen, und ich weiß eine Verkleidung, um den Falstaff auszuhorchen. Wenn ich sie unschuldig finde, so ist meine Mühe nicht umsonst; ist sie’s nicht, so war die Mühe gut angewandt. (Er geht ab.)

Zweite Szene

Zimmer im Gasthofe zum Hosenbande

Falstaff und Pistol treten auf

Falstaff.
Ich leih dir keinen Deut.

Pistol.
Dann ist die Welt mein’ Auster,
Die ich mit Schwert will öffnen. –

Falstaff.
Nicht einen Deut. Ich habe nachgegeben, Bursch, daß du meine Autorität als Pfand gebraucht hast; ich habe meine guten Freunde molestiert, um eine dreimalige Frist für dich und deinen Nebengaul Nym zu ergattern, sonst hättet ihr durchs Gatter gucken müssen wie ein Zwillingsgestirn von Pavianen. Ich bin schon zur Hölle verdammt, weil ich ein paar Kavalieren und guten Freunden zugeschworen habe, Ihr wärt brave Soldaten und tüchtige Burschen; und als Frau Brigitte ihren Fächerstiel verlor, da nahm ich’s auf meine Ehre, du hättest ihn nicht.

Pistol.
Halbiert ich’s nicht? Nahmst du nicht fünfzehn Pence?

Falstaff.
Und das mit Recht, du Schurke, ganz mit Recht. Denkst du, ich werde meine Seele gratis in Gefahr geben? Mit einem Wort, hänge dich nicht mehr an mich, ich bin dein Galgen nicht. Fort! Ein kurzes Messer und ein Gedränge: – fort, auf deinen Rittersitz nach Pickt-hatch, fort! du willst mir keinen Brief bestellen, du Schuft? du trumpfst auf deine Ehre? Ei du unermeßliche Niederträchtigkeit! Es geschieht ja alles, was ich tue, um die Grenzen meiner Ehre aufs schärfste abzumarken. Ich, ich, ja ich selber, die Furcht Gottes linker Hand liegen lassend, und meine Ehre in mein Bedürfnis einhüllend, muß mich zuweilen zu Praktiken, zu Prellereien und Hinterhalten entschließen; und dennoch willst du Schurke noch deine Lumpen, deine wilden Katzenblicke, deine Bierhausphrasen und deine Karrnschieberflüche unter dem Schirmdach deiner Ehre verschanzen? Du willst es nicht tun, du?

Pistol.
Ich hege Reu, was willst du mehr vom Mann?

Robin kommt.

Robin.
Herr, hier ist eine Frau, die mit Euch sprechen möchte.

Falstaff.
Führ sie herein.

Frau Hurtig kommt.

Frau Hurtig.
Einen schönen guten Morgen, mein gnädiger Herr.

Falstaff.
Guten Morgen, meine liebe Frau!

Frau Hurtig.
Nicht so, mit Euer Gnaden Verlaub –

Falstaff.
Also meine liebe Jungfer.

Frau Hurtig.
Das will ich beschwören, wie meine Mutter war in der Stunde, da ich zur Welt kam.

Falstaff.
Wer schwört, dem glaub ich. Nun, was bringst du mir?

Frau Hurtig.
Soll ich Euer Gnaden wohl ein paar Worte vorzutragen geruhen?

Falstaff.
Ein paar tausend, schönes Kind, und ich werde dich anzuhören geruhn.

Frau Hurtig.
Da ist eine gewisse Frau Fluth, Herr; ich bitte tretet ein wenig näher hieher – ich selbst wohne beim Herrn Doktor Cajus –

Falstaff.
Gut, weiter; Frau Fluth, sagt Ihr? –

Frau Hurtig.
Da haben Euer Gnaden ganz recht; ich bitte Euer Gnaden, kommt ein wenig näher auf diese Seite.

Falstaff.
Ich versichere dich, niemand hört uns, meine eignen Leute, meine eignen Leute.

Frau Hurtig.
Sind sie das? Der Himmel segne sie und mache sie zu seinen Dienern.

Falstaff.
Nun, Frau Fluth, was ist’s mit der?

Frau Hurtig.
Ach Herr, sie ist ein gutes Geschöpf. Liebster Himmel, Euer Gnaden sind ein Schalk; nun, Gott verzeih es Euch und uns allen, darum bitt ich! –

Falstaff.
Frau Fluth – nun also, Frau Fluth –

Frau Hurtig.
Ei nun, da habt Ihr das Kurze und das Lange davon. Ihr habt sie in solche Bastion gebracht, daß es ein Wunder ist. Der beste Hofkavalier von allen, als der Hof in Windsor rezitierte, hätte sie nicht so in Bastion gebracht! Und da gab’s doch Ritter und Lords und Edelleute mit ihren Kutschen, das versichre ich Euch, Kutsche auf Kutsche, Brief auf Brief, Geschenk auf Geschenk, und rochen so süß – (von lauter Bisam), und rauschten, ich versichr Euch, in Gold und Seide; und in so alikanten Ausdrücken, und mit Wein und Zucker von den besten, allerschönsten Sorten, daß es Euch jedes Frauenzimmer gewonnen hätte; und doch, das versichr ich Euch, konnten sie nie auch nur einen Augenwink von ihr erhalten. Mir haben sie selbst noch diesen Morgen zwanzig Engel gegeben, aber ich biete allen Engeln Trotz, wenn sie so was im Sinne haben, und wenn’s nicht in allen Ehren sein kann; und das versichr ich Euch, nicht einmal so weit konnten sie’s bringen, daß sie mit dem vornehmsten von ihnen auch nur aus einem Becher genippt hätte; und doch gab’s da Grafen und, was noch mehr sagen will, Offiziere von der Leibgarde; aber das versichr ich Euch, bei ihr ist das alles einerlei.

Falstaff.
Aber was sagt sie von mir? Faßt Euch kurz, meine liebe Frau Merkur.

Frau Hurtig.
Ei nun, sie hat Euern Brief erhalten, für welchen sie Euch tausend Dank sagen läßt; und sie läßt Euch zu wissen tun, daß ihr Mann nicht zu Hause sein wird zwischen zehn und elf.

Falstaff.
Zehn und elf! –

Frau Hurtig.
Ja wahrhaftig, und dann könntet Ihr kommen und das Gemälde besehn, sagt sie, Ihr wüßtet schon; Herr Fluth, ihr Mann, wird nicht zu Hause sein. Ach! das liebe Weibchen führt ein schlimmes Leben mit ihm; er ist ein recht jalouser Mann; sie führt ein recht poltriges Leben mit ihm, das gute Herzchen.

Falstaff.
Zehn und elf! Frau, empfiehl mich ihr, ich werde nicht ausbleiben.

Frau Hurtig.
Nun, das ist schön; aber ich habe noch eine andre Konfession an Euer Gnaden auszurichten. Frau Page läßt sich Euch gleichfalls von Herzen empfehlen; und, das muß ich Euch ins Ohr sagen, die ist eine solche annette und repetierliche hübsche Frau, und eine, das sage ich Euch, die da weder ihren Morgen- noch ihren Abendsegen versäumt, wie’s nur eine in Windsor gibt, wer sie auch sein mag; und die trug mir auf, Euer Gnaden zu sagen, daß ihr Mann selten außer Hause sei; aber sie hofft, es wird schon eine Zeit kommen. Ich habe nie eine Frau so versessen auf einen Mann gesehn; weiß Gott, ich glaube, Ihr müßt hexen können, gelt? Ja wahrhaftig! –

Falstaff.
Nicht doch, das versichre ich dir; die Anziehungskraft meiner edlen Eigenschaften beiseit gesetzt, weiß ich von keiner Hexerei.

Frau Hurtig.
Dafür segne Euch der Himmel!

Falstaff.
Aber sag mir doch, haben Frau Fluth und Frau Page es einander gesagt, daß sie in mich verliebt sind?

Frau Hurtig.
Das wär ein Spaß, meiner Treu! So dumm sind sie doch nicht, hoff ich. Das wär ein Streich, wahrhaftig! Aber Frau Page läßt Euch bitten, um alles, was Euch lieb ist, Ihr möchtet ihr Euern kleinen Pagen schicken; ihr Mann hat eine ganz aparte Infektion für den kleinen Pagen, und wahrhaftig, Herr Page ist ein rechtschaffner Mann. Da ist weit und breit in Windsor keine Frau, die ein beßres Leben führt; sie tut, was sie will, sagt, was sie will, nimmt alles ein, bezahlt alles, geht zu Bett, wenn’s ihr gefällt, steht auf, wenn’s ihr gefällt, alles ganz wie sie will; und wahrhaftig, sie verdient es; denn wenn es eine liebe Frau in Windsor gibt, so ist sie eine. Ihr müßt ihr Euern Pagen schicken, da hilft nichts vor.

Falstaff.
Nun, das will ich auch.

Frau Hurtig.
Nun gut, so schickt ihn ihr; und seht Ihr, der kann nachher zwischen euch beiden ab und zu gehn, und kann auf alle Fälle sein Parolwort haben, daß ihr eins des andern Gedanken erfahrt und der Junge doch nichts zu verstehn braucht; denn es ist nicht gut, wenn die Kinder von solcher Gottlosigkeit was wissen; alte Leute, wißt Ihr wohl, sind dressiert, wie man zu sagen pflegt, und kennen die Welt.

Falstaff.
Gehab dich wohl; empfiehl mich beiden; da ist meine Börse; ich bleibe noch dein Schuldner. Bursch, geh mit dieser Frau; – die Neuigkeit setzt mich in Ekstase! –

(Frau Hurtig und Robin ab.)

Pistol.
Dies Jachtschiff dient wohl in Cupidos Flotte.
Mehr Segel her! setz nach! Das Schießzeug auf;
Gib Feur; die Pris’ ist mein, sonst, Meer, verschling sie all!

(Pistol geht ab.)

Falstaff.
Siehst du nun, alter Hans, nur immer vorwärts! Ich will deine alte Figur mehr in Ehren halten, als ich bisher getan. Schielen sie noch nach dir? Willst du, nachdem du soviel Geld verzehrt, auch einmal etwas verdienen? Ich danke dir’s, meine wackre Figur; laßt sie immer sagen, ich mach es zu grob; wenn’s nur mit guter Manier geschieht.

Bardolph tritt auf.

Bardolph.
Sir John, da unten steht ein gewisser Herr Bach, der möchte euch gern sprechen und Eure Bekanntschaft machen, und hat Euer Gnaden einen Morgentrunk Sekt geschickt.

Falstaff.
Bach ist sein Name?

Bardolph.
Ja, Herr.

Falstaff.
Ruf ihn herein. (Bardolph geht.) Solche Bäche heiß ich willkommen, die von solchen Wellen überströmen! – Aha, Frau Fluth und Frau Page, habe ich euch im Netz? Viktoria! Via! –

Bardolph kommt zurück mit Fluth, der sich verkleidet hat.

Fluth.
Gott grüß Euch, Sir.

Falstaff.
Und Euch, Sir. Wollt Ihr mich sprechen?

Fluth.
Ich bin so dreist, mich ohne viel Umstände Euch aufzudrängen.

Falstaff.
Ihr seid willkommen. Was ist Euer Begehren? Laß uns allein, Küfer.

(Bardolph ab.)

Fluth.
Sir, ich bin ein Mann, der viel durchgebracht; mein Name ist Bach.

Falstaff.
Lieber Herr Bach, ich wünsche Eure nähere Bekanntschaft.

Fluth.
Werter Sir John, ich bitte um die Eurige; nicht um Euch zur Last zu fallen, denn ich muß Euch bemerken, daß ich glaube, besser imstande zu sein, Geld auszuleihen, als Ihr; und das hat mich einigermaßen dreist gemacht, Euch so zur Unzeit heimzusuchen. Denn, wie man sagt, wo Geld vorangeht, sind alle Wege offen.

Falstaff.
Geld ist ein guter Soldat, mein Herr, und macht sich Bahn.

Fluth.
Sehr wahr; und hier habe ich einen Beutel mit Geld, der mir beschwerlich ist. Wenn Ihr ihn mir wollt tragen helfen, Sir John, so nehmt ihn ganz oder halb dafür, daß Ihr mir die Last erleichtert.

Falstaff.
Sir, ich weiß nicht, wie ich dazu komme, Euer Lastträger zu sein? –

Fluth.
Ich will’s Euch sagen, Sir, wenn Ihr mich anhören wollt.

Falstaff.
Redet, lieber Herr Bach, ich werde mich glücklich schätzen, Euch zu dienen.

Fluth.
Sir, ich höre, Ihr seid ein Gelehrter – (ich will mich kurz fassen) – und Ihr seid ein Mann, den ich lange gekannt habe, obgleich ich weniger die Gelegenheit als den Wunsch hatte, mir Euern Umgang zu verschaffen. Ich werde Euch eine Sache entdecken, bei der ich meine eigne Schwachheit sehr oft an den Tag legen muß; aber, lieber Sir John, indem Ihr Euer eines Auge auf meine Torheit richtet, wenn ich sie vor Euch aufdecke, lenkt das andre auf das Register Eurer eignen, damit ich um so leichter mit meinem Verweise durchkommen möge, als Ihr selbst wißt, wie leicht es sei, in solche Fehler zu fallen.

Falstaff.
Sehr gut, mein Herr; fahrt fort.

Fluth.
Es wohnt eine Frau hier im Ort; ihr Mann heißt Fluth.

Falstaff.
Wohl, Herr.

Fluth.
Ich habe sie lange geliebt, und, ich beteure Euch, viel auf sie gewandt; bin ihr mit der zärtlichsten Aufmerksamkeit gefolgt; habe mir Gelegenheiten geschafft, sie zu treffen; jeden geringen Anlaß mit Unkosten erspäht, wo ich sie, wenn auch nur obenhin, sehen konnte; habe nicht nur manches Geschenk für sie gekauft, sondern manchem reichlich gegeben, nur um zu erfahren, was sie gern geschenkt hätte; kurz, ich habe sie verfolgt, wie mich die Liebe verfolgt hat, das heißt, auf dem Fittich aller Gelegenheiten. Was ich aber auch verdienen mochte, sei’s durch meine Leidenschaft, sei’s durch meinen Aufwand – Lohn, weiß ich gewiß, habe ich keinen erhalten, man müßte denn Erfahrung ein Kleinod nennen, die habe ich mir zu unerhörtem Preise erstanden, und von ihr habe ich diesen Spruch gelernt:

«Wie Schatten flieht die Lieb, indem man sie verfolgt;
Sie folgt dem, der sie flieht, und flieht den, der ihr folgt.»

Falstaff.
Habt Ihr denn von ihr gar kein Versprechen der Erhörung erhalten?

Fluth.
Niemals.

Falstaff.
Habt Ihr auch nicht in solcher Absicht in sie gedrungen?

Fluth.
Niemals.

Falstaff.
Von welcher ganz besondern Art war denn also Eure Liebe?

Fluth.
Wie ein schönes Haus auf fremdem Grund errichtet, so daß ich mein Gebäude eingebüßt habe, weil ich einen unrechten Platz wählte, es aufzuführen.

Falstaff.
Und zu welchem Ende entdeckt Ihr mir das alles?

Fluth.
Wenn ich Euch das gesagt habe, so habe ich Euch alles gesagt. Man versichert mich, daß, obgleich sie gegen mich sehr ehrbar tut, sie anderswo in ihrer Munterkeit so weit geht, daß daraus die schlimmste Nachrede entsteht. Nun, Sir John, hier habt Ihr den eigentlichen Kern meines Gesuchs. Ihr seid ein Kavalier von trefflicher Erziehung, von bezaubernder Wohlredenheit, von großen Verbindungen, angesehn durch Rang und Persönlichkeit und überall gepriesen für Eure mannigfachen Verdienste als Krieger, als Hofmann und als Gelehrter.

Falstaff.
Oh, mein Herr! –

Fluth.
Glaubt es, denn Ihr wißt es. – Hier ist Geld; verwendet es; verwendet noch mehr, verwendet alles, was ich habe, nur schenkt mir dafür soviel von Eurer Zeit, als Ihr bedürft, um einen verliebten Angriff auf die Tugend der Frau Fluth zu unternehmen. Gebraucht Eure Überredungskunst, gewinnt sie, Euch zu erhören; wenn’s irgend jemand vermag, vermögt Ihr’s eher als einer.

Falstaff.
Würde denn das der Heftigkeit Eurer Neigung zusagen, wenn ich erhielte, was Ihr zu besitzen wünscht? Mir scheint, Ihr verschreibt Euch ein sehr widersprechendes Mittel.

Fluth.
Oh, versteht nur, worauf ich ziele. Sie fußt so zuversichtlich auf die Reinheit ihrer Ehre, daß die Torheit meines Herzens sich nicht zu zeigen wagt; sie glänzt zu hell, als daß man ihr ins Auge sehn dürfte. Könnte ich nun mit irgendeiner Entdeckung zu ihr treten, so hätten meine Wünsche Beispiel und Beweggrund, sich ihr zu empfehlen; ich könnte sie dann aus der Verschanzung ihrer Keuschheit, ihres Rufs, ihres ehlichen Gelübdes und tausend andrer Schutzwehren heraustreiben, die jetzt zu mächtig wider mich streiten. Was sagt Ihr dazu, Sir John? –

Falstaff.
Herr Bach, ich will für’s erste so frei sein, Euer Geld zu nehmen; sodann gebt mir Eure Hand; und endlich, so wahr ich ein Edelmann bin, Fluths Frau sollt Ihr, wenn Ihr es wollt, besitzen.

Fluth.
Oh, werter Sir! – –

Falstaff.
Herr Bach, ich sage, Ihr sollt.

Fluth.
Am Gelde, Sir John, am Gelde soll’s nicht fehlen.

Falstaff.
An der Frau Fluth, Herr Bach, an der Frau Fluth soll’s nicht fehlen. Sie hat mich selbst, daß ich’s Euch nur sage, schon zu sich bestellt; eben als Ihr zu mir kamt, ging ihre Gehilfin, ihre Zwischenträgerin, von mir weg; ich sage Euch, ich werde mich bei ihr einfinden zwischen zehn und elf, denn um diese Zeit wird ihr Mann, der eifersüchtige, verdammte Kerl, nicht zu Hause sein. Kommt heut abend zu mir; Ihr sollt hören, wie mir’s gelingt.

Fluth.
Eure Bekanntschaft ist ein wahrer Segen für mich. Kennt Ihr diesen Fluth, Sir?

Falstaff.
Zum Henker mit dem armen Teufel von Hahnrei! Ich kenne ihn nicht; indes, ich tue ihm Unrecht, wenn ich ihn arm nenne; man sagt, der eifersüchtige behornte Kerl hat ganze Haufen Gold; und darum kommt mir seine Frau auch hübsch vor. Sie soll mir der Schlüssel zu des Hahnreis Geldkasten sein, dort will ich mein Erntefest halten.

Fluth.
Ich wollte, Ihr kenntet Fluth, damit Ihr ihm ausweichen könntet, wenn Ihr ihn sähet.

Falstaff.
Zum Henker mit dem spießbürgerlichen Hökerkerl! – Ich will ihn mit meinen Augen durchbohren, daß er von Sinnen kommen soll; ich will ihn in Respekt erhalten mit meinem Prügel; wie ein Meteor soll der über des Hahnreis Hörnern schweben; – ja, Herr Bach, du sollst’s erleben, ich triumphiere über den Flegel, und du schläfst bei seiner Frau. Komm nur gleich auf den Abend zu mir; Fluth ist ein Schuft, und ich will seine Titel noch weitläufiger machen; du, Herr Bach, sollst ihn als Schuft und Hahnrei begrüßen. Komm nur gleich heut abend zu mir. (Geht ab.)

Fluth.
Was für ein verdammter epikureischer Schurke das ist! Mein Herz möchte vor Ungeduld zerspringen. Wer will nun noch sagen, dies sei unzeitige Eifersucht? Meine Frau hat zu ihm geschickt, die Stunde ist bestimmt, der Handel geschlossen; – wer hätte so etwas denken sollen! Da seht, welche Hölle es ist, ein falsches Weib zu haben! Mein Bett soll entehrt, meine Koffer gebrandschatzt, mein guter Name zernagt werden; und nicht genug, daß ich diese nichtswürdige Kränkung erdulde, soll ich mich noch mit den verruchtesten Benennungen schelten lassen, und zwar von ebendem, der mir diesen Schimpf antut. Und welche Namen! welche Titel! Amaimon klingt gut, Luzifer gut, Barbason gut, und doch sind es Teufelstitulaturen, die Namen böser Geister; aber Hahnrei? Hörnerträger? Der Teufel selbst führt nicht solche Namen. – Page ist ein Esel, ein sorgloser Esel; er verläßt sich auf seine Frau; er weiß nichts von Eifersucht. Lieber will ich einem Holländer meine Butter, Pfarrer Hugh, dem Walliser, meinen Käse, einem Irländer meine Aquavitflasche und einem Diebe meinen Wallach, den Paßgänger, zu reiten anvertrauen, als meine Frau sich selbst. Da kabaliert, da sinnt und grübelt sie – und was sie in ihrem Herzen beschließen, das müssen sie ausführen, und sollte ihr Herz darüber brechen, sie müssen’s ausführen. Dem Himmel sei Dank für meine Eifersucht! Um elf ist die Stunde; ich will dem Dinge zuvorkommen, mein Weib entlarven, mich an Falstaff rächen und Page auslachen. Gleich will ich daran; besser drei Stunden zu früh, als eine Minute zu spät! – Pfui, pfui, pfui! – Hahnrei, Hahnrei, Hahnrei! – (Geht ab.)

Dritte Szene

Park von Windsor

Cajus und Rugby treten auf

Cajus.
‘ans Rugby!

Rugby.
Herr Doktor!

Cajus.
Was is die Klock, ‘ans?

Rugby.
Die Stunde ist schon vorbei, Herr, wo Sir Hugh sich einstellen wollte. –

Cajus.
Pardieu, er ‘aben kerett’ sein Seel, weil er nik is gekomm; er ‘aben kuth gepett’ seine Bibel, daß er nik is gekomm’; pardieu, ‘ans Rugby, er sein schon tot, wann er sein gekomm’.

Rugby.
Er ist gescheit, Herr Doktor, er wußte, Eur Gnaden würden ihn umbringen, wann er käme.

Cajus.
Pardieu, das ‘ering is nik so tot, als ik ihm will totmaken. – Nimm deine Degen, ‘ans, ik will dir weisen, wie ik will ihn totmaken.

Rugby.
Ach, Herr, ich kann nicht fechten.

Cajus.
Coquin, nimm deine Degen.

Rugby.
Still doch! hier kommen Leute.

Es kommen der Wirt, Schaal, Schmächtig und Page.

Wirt.
Gott grüß dich, mein Rolandsdoktor.

Schaal.
Euer Diener, Herr Doktor Cajus.

Page.
Guten Tag, lieber Herr Doktor!

Schmächtig.
Schön guten Morgen, Sir.

Cajus.
Was sein ihr all, ein, swei, drei, vier, gekomm’ ‘ieher? –

Wirt.
Dich fechten zu sehn, dich legieren zu sehn, dich traversieren zu sehn, dich hier zu sehn, dich da zu sehn, dein Punto, deine Stoccata, dein Renvers, deine Distanz, deinen Montant zu sehn. Ist er tot, mein Äthiopier? Ist er tot, mein Franzmann? Ha, Rodomont! Was sagt mein Äskulap? mein Galen? mein Holundermark? Ist er tot, mein Harnmonarch? – Ist er tot?

Cajus.
Pardieu, er sein die größte Memmenpriester von die Welt; er ‘aben nik geweisen sein Visage.

Wirt.
Du bist ein König von Kastilien, Don Urinal; Hektor von Graecia, mein Junge!

Cajus.
Ik bitten, mir su attestier’, daß wir ihm ‘aben gewartet, wir sechs oder sieben, swei bis drei Stunde, und er sein nik gekomm’.

Schaal.
Er ist der Klügste, Herr Doktor; er ist ein Arzt der Seelen und Ihr ein Arzt der Leiber; wenn Ihr Euch schlagen wolltet, so stricht Ihr gegen das Haar Eurer Vokation. Ist das nicht wahr, Herr Page?

Page.
Herr Schaal, Ihr seid selbst ein großer Fechter gewesen, obgleich jetzt ein Mann des Friedens.

Schaal.
Sapperment, Herr Page, obgleich ich jetzt alt bin und ein Friedensmann; wenn ich einen bloßen Degen sehe, so jucken mir die Finger, einen Gang zu machen. Wenn wir gleich Friedensrichter und Doctores sind und Diener Gottes, Herr Page, so spüren wir doch einiges Salz der Jugend in uns; ja, Herr Page, wir sind vom Weibe geboren.

Page.
Das ist wahr, Herr Schaal.

Schaal.
Es wird sich so ausweisen, Herr Page. Mein Herr Doktor Cajus, ich bin hergekommen, Euch nach Hause zu holen. Ich bin ein geschworner Friedensrichter. – Ihr habt Euch verhalten wie ein kluger Arzt, und Sir Hugh wie ein kluger und friedfertiger Seelsorger. Ihr müßt mit mir gehn, Herr Doktor.

Wirt.
Mit Verlaub, Gast Friedensrichter – He, Monsieur Wasserforscher!

Cajus.
Wasserforscher! Was ‘eißt das?

Wirt.
Wasserforscher in unsrer englischen Sprache bedeutet einen Helden, du Rodomont.

Cajus.
Pardieu, so bin ik eine so große Wasserforscher als die Anglais; – du Lump von eine ‘ans Aff Priester! Pardieu, wir wollen ihm habsneide seine Ohr.

Wirt.
Er wird dich rechtschaffen herumkuranzen, Rodomont.

Cajus.
‘erumkuranzen? was ‘eißt das? –

Wirt.
Das heißt, er wird dir Satisfaktion geben.

Cajus.
Pardieu, Ihr sollen sehn, er wird mir ‘erumkuranzen; denn, pardieu, wir wollen das ‘aben.

Wirt.
Und ich will ihn dazu auffordern – oder er soll sich scheren –

Cajus.
Mir danken Euk vor das.

Wirt.
Und überdem, Rodomont. (Heimlich zu den andern.) Aber erst, Herr Gast und Herr Page, und desselbigen gleichen Ihr, Caballero Schmächtig, geht alle durch die Stadt nach Frogmore.

Page.
Sir Hugh ist dort, nicht?

Wirt.
Er ist dort; seht, in welchem Humor er ist, und ich will den Doktor auf dem Umweg übers Feld hinbringen. Ist’s so recht?

Schaal.
Das wollen wir tun.

Alle.
Lebt wohl, lieber Herr Doktor.

(Page, Schaal und Schmächtig ab.)

Cajus.
Pardieu, wir wollen totmak die Priest’; denn er sprikt en faveur von eine Maulaff bei Anne Page.

Wirt.
Schlag ihn tot; aber vorher steck deine Ungeduld in die Scheide, gieß kalt Wasser auf deinen Zorn; geh mit mir übers Feld nach Frogmore, ich will dich hinführen, wo Anne Page ist, nach einem Meierhof, wo sie einen Schmaus halten, und da sollst du um sie werben. Nun, du Allerweltskerl, ist’s so recht? –

Cajus.
Pardieu, mir danken Euk vor das, pardieu, mir lieben Euk, und will Euk verschaff gute Gasten, die Graf, die Chevalier, die Lord, die Edelleut, meine Patient.

Wirt.
Dafür will ich dein Widerpart bei Anne Page werden; war’s so recht gesagt? –

Cajus.
Pardieu, das sein gut, sehr gut gesagt.

Wirt.
So wollen wir uns hintrollen.

Cajus.
Folgen mir nak, ‘ans Rugby.

(Sie gehn ab.)

Dritter Aufzug

Erste Szene

Frogmore

Evans und Simpel treten auf

Evans.
Nun sagt mir, ich pitt Euch, lieper Tienstpote des Herr Schmächtig und Freund Simpel mit Euerm Namen – nach welcher Seite hin habt Ihr ausgeschaut nach tem Herr Cajus, welcher sich nennt Toktor der Arzneien?

Simpel.
Mein Seel, Herr, nach dem Pittyweg, nach dem Parkweg, nach dem alten Windsorweg, allenthalben hin, nur nicht die Straße nach der Stadt hin.

Evans.
Ich pitt Euch recht mit Inprunst, schaut auch einmal tort hinunter.

Simpel.
Recht wohl, Herr Pfarrer.

Evans.
Kott pehüte mir! wie voller Zornhaftigkeit pin ich, wie voller Seelenzagen! Ich werde erfreut sein, wann er mir ankeführt hat. Ach, wie ich melancholisiere! – – Ich werte ihm seine Urinkläser um seine Schelmekopf schmeiße, wenn ich kuthe Kelegenheit zu tem Ting ersehe. Kott pehüte mir! –

(Singt.)
«Am stille Pach, zu tessen Fall
Ertönt der Vökel Matrikal,
Laß uns ein Pett von Rose streun
Und tausend würzge Plume fein –
Am stille Pach…»
O du himmlische Küte! Ich habe pesontre Tisposition zu weine!…

«Ertönt der Vökel Matrikal…
An Wasserflüssen Papylon – – –
Und tausend würzge Plume fein – –
Am stille…»
Simpel.
Dort kommt er! dorther, Sir Hugh! –

Evans.
Er ischt willkomme!

«Am stille Pach, zu tesse Fall…»

Kott schütze ten Kerechte! – Was vor Wafferüstung kommt?

Simpel.
Keine Waffenrüstung, Herr! Hier kommt mein Herr, Herr Schaal, und noch ein andrer Herr von Frogmore, dort über den Steg, von dieser Seite.

Evans.
Pitt Euch, kept mir meinen Chorrock, oter nein, pehaltet ihn nur unterm Arm.

Es kommen Schaal, Schmächtig und Page.

Schaal.
Sieh da, Herr Pfarrer! Guten Morgen, lieber Sir Hugh! haltet mir einen Spieler von seinen Würfeln und einen fleißigen Schüler von seinem Buch ab, und ich will von Wundern sprechen.

Schmächtig.
Ach, süße Anne Page!

Page.
Gott grüß Euch, lieber Sir Hugh! –

Evans.
Er pehüte Euch, um seiner Parmherzigkeit wille, allzumal.

Schaal.
Was? das Schwert und das Wort? Studiert Ihr beides, Herr Pfarrer?

Page.
Und immer noch so jugendlich in Wams und Hosen an diesem rauhen, schnupfigen Tage?

Evans.
Tas hat seine Krünte und Veranlassunge.

Page.
Wir sind hergekommen, Euch guten Dienst zu erweisen, Herr Pfarrer.

Evans.
Recht schön, was ischt’s tann?

Page.
Da drüben ist ein sehr würdiger Herr, der vermutlich von jemand beleidigt worden und darüber mit seiner Würde und Geduld so zerfallen ist, wie man sich’s nur denken kann.

Schaal.
Ich habe nun schon achtzig Jahre gelebt und drüber, aber noch nie sah ich einen Mann von seinem Stande, von seiner Gravität und Gelehrsamkeit, der so sehr alle Haltung verloren hätte.

Evans.
Wer ischt’s tann?

Page.
Ich glaube, Ihr kennt ihn, der Herr Doktor Cajus, der berühmte französische Medikus.

Evans.
Um Chrischti Wunte Wille! Ich hätte epenso kern von kuter Schüssel Suppen erzähle kehört.

Page.
Wie das?

Evans.
Er versteht Euch nicht mehr vom Hibocrates und Calenus – und außerdem ischt er ausgemachte Memme – so schurkische Memme, als Ihr Euch immer wünsche mökt mit umzukehe.

Page.
Ich wette, das ist der Mann, der sich mit ihm schlagen sollte.

Schmächtig.
O süße Anne Page! –

Der Wirt, Cajus und Rugby treten auf.

Schaal.
So scheint’s, nach seinem Degen. Haltet sie voneinander; hier kommt Doktor Cajus.

Page.
Nicht doch, lieber Herr Pfarrer, laßt die Klinge stecken!

Schaal.
Und Ihr gleichfalls, lieber Herr Doktor!

Wirt.
Entwaffnet sie und laßt sie sich explizieren; laßt sie ihre Haut heil halten und unser Englisch zerhacken.

Cajus.
Ik bitten, laß mik reden eine Wort mit heuer Ohr; warum sein Ihr nik kommen auf den Rendez-vous?

Evans.
Ich pitte Euch, verliert die Ketult nicht! Ums Himmels willen!

Cajus.
Pardieu, Ihr sein die Memme, die ‘ans ‘asenfuß, die ‘ans Aff.

Evans.
Ich pitte Euch, laßt uns tene Spottvökel nicht zum Kelächter tiene; ich peschwöre Euch in kuter Freundschaftlichkeit und will Euch auf diese oder jene Manier Satisfaktion kepen; – ich will Euch Eure Wasserkläser um schurkischen Kopf schmeiße, weil Ihr Eure Pestimmung und Verabretungen nicht in Opacht genommen hapt.

Cajus.
Diable! ‘ans Rugby – meine Gastwirt de la jarretière – ‘aben mir nik gewart nak ihm, um ihn su exterminier? ‘aben ik das nik auf die appointirte place?

Evans.
So wahr ich Christeseele pin, seht, das hier ischt verabredeter Platz; tas soll kleich der Kastwirt zum Hosepand hier hinrichten.

Wirt.
Still, sag ich, Gallia und Wallia, Franzmann und Welschmann, Seelendoktor und Leibesdoktor! –

Cajus.
Ah, das sein sehr gut – excellent! –

Wirt.
Friede, sag ich, hört meinen Gastwirt zum Hosenband. Bin ich ein Politikus? bin ich ein feiner Kopf? bin ich ein Machiavell? Soll ich meinen Doktor verlieren? Nein, er gibt mir die Potionen und die Motionen. Soll ich meinen Pfarrer verlieren? meinen Priester? meinen Sir Hugh? Nein, er gibt mir die Sprichwörter und die Nichtswörter. Deine Hand her, Erdenmann! so! – Deine Hand her, Himmelsmann! – so! – Nun, ihr Söhne der Kunst, ich habe euch beide angeführt, ich habe euch auf falsche Plätze bestellt; eure Herzen sind wacker, eure Haut ist ganz, und gebrannter Sekt sei das Ende. Kommt, gebt die Degen als Pfand. – Folg mir, du Kind des Friedens; folgt, folgt, folgt.

Schaal.
Wahrhaftig, ein toller Wirt! Kommt alle mit, ihr Herrn, kommt mit.

Schmächtig.
Oh, süße Anne Page!

(Schaal, Schmächtig, Page und Wirt gehn ab.)

Cajus.
Ak! merken ik das? ‘aben Ihr gespielt die Narr mit uns? ah, ah! –

Evans.
Tas ischt fein? hat er uns zum Peste kehabt? Ich pitt Euch, laßt uns Freundschaftlichkeit schließe, und laßt uns Köpf zusammestoße, um uns zu räche an krindichten, schäpigten, spitzbübischen Kesellen, tiesem närriliche Kastwirt zum Hosepand.

Cajus.
Pardieu, von kanz mein ‘erz. Er ‘at mir versproken, mir su bring’, wo is Anne Page; pardieu, er betrügen mir gleikfalls.

Evans.
Schön, ich werte ihm seinen Hirnteckel einschmeiße. Pitt Euch, kommt mit.

(Sie gehn ab.)

Zweite Szene

Straße in Windsor

Frau Page und Robin treten auf

Frau Page.
Nun, geh nur immer voran, mein kleiner Junker, sonst warst du gewohnt, nachzufolgen, jetzt aber bist du der Vorläufer. Was ist dir nun lieber? Meine Blicke zu leiten oder auf deines Herrn Fersen zu blicken?

Robin.
Ich werde doch lieber vor Euch hergehn wie ein Mann, als ihm nachfolgen wie ein Zwerg? –

Frau Page.
Ei, du bist ein kleiner Schmeichler; ich sehe schon, du wirst einmal ein Hofmann.

Fluth kommt.

Fluth.
Willkommen, Frau Page! Wo hinaus?

Frau Page.
Ich wollte grade Eure Frau besuchen. Ist sie zu Hause?

Fluth.
Ja, und so müßig, daß sie vor Langeweile nur noch eben zusammenhängt. Ich denke, wenn eure Männer tot wären, ließt ihr beide euch trauen.

Frau Page.
Ganz gewiß, mit zwei andern Männern.

Fluth.
Woher habt Ihr denn diesen allerliebsten Wetterhahn?

Frau Page.
Ich weiß nicht mehr, wie zum Kuckuck doch der Mann heißt, von dem mein Mann ihn hat – wie heißt Euer Ritter doch mit Namen, Kleiner?

Robin.
Sir John Falstaff.

Fluth.
Sir John Falstaff! –

Frau Page.
Ja, ja, ich kann mich nie auf seinen Namen besinnen. Er und mein guter Mann sind solche besondre Freunde! Ist Eure Frau wirklich zu Hause?

Fluth.
Allerdings.

Frau Page.
So erlaubt, Herr Fluth, ich bin ganz krank, sie zu sehn.

(Frau Page und Robin ab.)

Fluth.
Hat der Page kein Gehirn? hat er keine Augen? hat er keine Gedanken? Wahrhaftig, das alles schläft bei ihm, er weiß es nicht zu gebrauchen. Der Junge da wird so leicht einen Brief zwanzig Meilen weit tragen, als eine Kanone zwanzig dutzendmal ins Weiße trifft. Er schneidert selbst die Liebestorheit seiner Frau zurecht; er tut ihr Vorschub und macht ihr Gelegenheit, und nun geht sie zu meiner Frau und Falstaffs Bursche mit ihr – dies Hagelwetter kann man wahrhaftig schon von weitem pfeifen hören! Und Falstaffs Bursche mit ihr! Ein hübsches Komplott! Geschmiedet haben sie’s, und unsre rebellischen Weiber teilen die Verdammnis miteinander. Nun, ich will ihn fangen und hernach meine Frau recht tüchtig quälen, der scheinheiligen Frau Page den Schleier ihrer Sittsamkeit abreißen, ihren Mann als einen sorglosen und gutwilligen Aktäon zur Schau stellen, und zu diesem stürmischen Verfahren soll die ganze Nachbarschaft Beifall rufen. Die Uhr gibt mir das Zeichen und meine Zuversicht heißt mich suchen; den Falstaff muß ich dort finden. Man wird mich gewiß eher darum loben als verspotten, denn es ist so ausgemacht, als die Erde feststeht, daß Falstaff dort ist. Ich will hingehn.

Es kommen Page, Schaal, Schmächtig, Wirt, Evans und Cajus.

Alle.
Ei, willkommen, Herr Fluth! –

Fluth.
Nun, wahrhaftig, eine hübsche Bande! Mein Tisch ist heut gut besetzt, ich bitte euch, daß ihr alle bei mir einsprecht.

Schaal.
Ich muß mich entschuldigen, Herr Fluth.

Schmächtig.
Das muß ich auch, Herr Fluth. Wir haben versprochen, mit Jungfer Anne zu speisen, und ich möchte mein Wort nicht brechen für mehr Geld, als ich nennen will.

Schaal.
Wir haben schon lange eine Heirat zwischen Anne Page und meinem Vetter Schmächtig auf dem Korn, und heute sollen wir das Jawort holen.

Schmächtig.
Ich hoffe doch, ich habe Eure Einwilligung, Vater Page?

Page.
Die habt Ihr, Herr Schmächtig, ich stimme ganz für Euch; aber meine Frau, Herr Doktor, ist allerdings auf Eurer Seite.

Cajus.
Oui, pardieu, und die Mädel lieben mir, mein Wartfrau ‘urtig ‘aben mik das gesagt.

Wirt.
Und was sagt Ihr zu dem jungen Herrn Fenton? Er springt, er tanzt, er hat junge, feurige Augen, er schreibt Verse, er spricht Festtagsworte, er duftet wie April und Mai; der führt sie heim, der führt sie heim, der hat das Glück in der Tasche, der führt sie heim.

Page.
Nicht mit meinem Willen, das versichr ich Euch. Der junge Mensch hat kein Vermögen. Er hat in des wilden Prinzen Gesellschaft gelebt; er ist aus einer zu hohen Region, er weiß zuviel. Nein, der soll mit dem Finger meines Reichtums keinen Knoten in sein Glück knüpfen, will er sie nehmen, so mag er sie ohne Aussteuer nehmen; das Vermögen, das mir gehört, wartet auf meine Einwilligung, und meine Einwilligung geht dieses Wegs nicht.

Fluth.
Ich bitt euch inständigst, einige von euch müssen mit mir essen; außer einer guten Mahlzeit steht euch ein Spaß bevor: ich will euch ein Monstrum zeigen. Herr Doktor, Ihr müßt mitgehn, Ihr auch, Herr Page, und Ihr, Sir Hugh.

Schaal.
Nun, so lebt wohl, wir können dann unsre Werbung um so besser beim Herrn Page anbringen.

(Schaal und Schmächtig ab.)

Cajus.
Gehn du nak ‘aus, ‘ans Rugby, ik kommen bald nak.

Wirt.
Lebt wohl, Kinder, ich will zu meinem ehrsamen Ritter Falstaff und eine Flasche Sekt mit ihm umbringen.

Fluth (beiseite).
Und ich will vorher noch eins mit ihm umspringen, denn er soll diesmal nach meiner Pfeife tanzen. – Wollt ihr mitkommen, liebe Herrn?

Alle.
Wir gehn mit, das Monstrum zu sehn.

(Sie gehn ab.)

Dritte Szene

Zimmer in Fluths Hause

Frau Fluth, Frau Page und Knechte mit einem Waschkorb treten auf

Frau Fluth.
He, John! He, Robert! –

Frau Page.
Geschwind, geschwind! Ist der Waschkorb…

Frau Fluth.
Ja doch! – He, Robin, sag ich…

Frau Page.
Macht fort! Macht fort!

Frau Fluth.
Hier setzt ihn hin.

Frau Page.
Sagt Euern Leuten, was sie tun sollen; wir müssen schnell machen!

Frau Fluth.
Nun also, John und Robert, wie ich euch vorhin sagte, haltet euch hier nebenbei im Brauhause fertig; und wenn ich eilig rufe, kommt herein und nehmt ohne Verzug und Bedenken diesen Korb auf eure Schultern. Wenn das geschehn ist, trabt mir damit in aller Hast und bringt ihn zu den Bleichern auf die Datchetwiese, und da schüttet ihn aus in den schlammigen Graben nicht weit von der Themse.

Frau Page.
Wollt ihr das tun?

Frau Fluth.
Ich hab’s ihnen schon lang und breit auseinandergesetzt, sie brauchen keine weitre Anweisung. Geht nun, und kommt auf den ersten Aufruf!

(Die Knechte gehn ab.)

Frau Page.
Hier kommt der kleine Robin.

Robin kommt.

Frau Fluth.
Nun, wie geht’s, mein kleiner Zeisig? Was bringst du Neues? –

Robin.
Mein Herr, Sir John, ist zur Hintertür hereingekommen, Frau Fluth, und wünscht Euch aufzuwarten.

Frau Page.
Du kleiner Gelbschnabel, bist du uns auch treu gewesen?

Robin.
Ja, das schwör ich; mein Herr weiß nicht, daß Ihr hier seid, und hat mir gedroht, mich in ewge Freiheit zu versetzen, wenn ich Euch davon sage; denn er schwört, er will mich fortjagen.

Frau Page.
Du bist ein guter Junge; diese deine Verschwiegenheit soll dein Schneider werden und dir ein neues Wams und Hosen machen. Ich will mich verstecken.

Frau Fluth.
Das tut. – Geh, sag deinem Herrn, ich sei allein. Frau Page! vergeßt Euer Stichwort nicht! –

(Robin ab.)

Frau Page.
Sorge nur nicht; wenn ich meine Rolle nicht gut spiele, so zische mich aus. (Geht ab.)

Frau Fluth.
Nun wohlan; wir wollen schon mit dir fertig werden, du ungesunde Feuchtigkeit, du großer wäßriger Kürbis! wir wollen dich lehren, Tauben von Krähen zu unterscheiden.

Falstaff tritt ein.

Falstaff.
Hab ich dich errungen, mein himmlisches Juwel? Ha! Jetzt, Götter, laßt mich sterben, denn ich habe lange genug gelebt. Dies ist das Ziel meines Ehrgeizes! O die süße Stunde! –

Frau Fluth.
Oh, liebster Sir John! –

Falstaff.
Frau Fluth, ich kann nicht süß tun, ich kann nicht deklamieren, Frau Fluth. Nun laß mich einen sündlichen Wunsch aussprechen: ich wollte, dein Mann wäre tot. Ich will’s dem ersten Lord ins Angesicht sagen; ich würde dich zu meiner Lady machen.

Frau Fluth.
Ich Eure Lady, Sir John? Ach, ich würde eine klägliche Lady abgeben! –

Falstaff.
Laß mir den französischen Hof einmal eine zweite solche aufweisen! Ich sehe, wie dein Auge mit dem Diamanten wetteifern würde. Du hast grade die schöngewölbte Stirn, die zu jedem Aufsatz gut kleidet; zum großen Segelaufsatz, zum Amazonenaufsatz oder zum venezianischen Aufsatz.

Frau Fluth.
Eine simple Haube, Sir John; meiner Stirn steht sonst nichts, und auch das nicht einmal recht.

Falstaff.
Du übst Felonie, wenn du so sprichst. Eine vollkommene Hofdame gäbst du ab; und der feste Akzent deines Fußes würde deinem Gange eine herrliche Bewegung geben in einem halbrunden Reifrock. Ich sehe, was du sein würdest, wenn Fortuna dir nicht als Feindin widerstrebte: Natur ist deine Freundin; ja, ja, das kannst du nicht verbergen.

Frau Fluth.
Glaubt mir, davon ist nichts in mir.

Falstaff.
Was machte mich in dich verliebt? Daraus kannst du den Schluß ziehn, du seist etwas Außerordentliches. Komm, ich kann nicht süß tun und sagen, du seist dies und das, wie so manche lispelnde Weißdornblüten, die wie Weiber in Mannskleidern gehn und riechen wie ein Apothekerladen zur Zeit der Kräuterlese; ich kann’s nicht; aber ich liebe dich, keine als dich, und du verdienst es.

Frau Fluth.
Hintergeht mich nicht, Sir; ich fürchte, Ihr liebt Frau Page.

Falstaff.
Du könntest ebensogut sagen, ich liebe einen Spaziergang auf den Schuldturm, der mir ebenso verhaßt ist als der Rauch aus einem Kalkofen.

Frau Fluth.
Nun, der Himmel weiß, wie ich Euch liebe; und Ihr werdet einst noch erfahren –

Falstaff.
Bleibt bei der Gesinnung; ich werde sie verdienen.

Frau Fluth.
Oh, ich muß Euch sagen, das tut Ihr schon, sonst würde ich diese Gesinnung nicht hegen.

Robin (draußen).
Frau Fluth, Frau Fluth, hier ist Frau Page vor der Tür und schwitzt und keucht, und sieht ganz verstört aus; sie will gleich Euch sprechen.

Falstaff.
Sie soll mich nicht sehn, ich will mich hinter der Tapete verschanzen.

Frau Fluth.
Ach ja, tut das, sie ist eine gar zu schwatzhafte Frau.
Falstaff versteckt sich hinter der Tapete. Frau Page tritt ein.
Nun, was gibt’s? Was ist?

Frau Page.
Oh, Frau Fluth, was habt Ihr gemacht! Ihr seid beschimpft, Ihr seid verloren, Ihr seid auf ewig zugrunde gerichtet! –

Frau Fluth.
Was gibt’s, liebe Frau Page?

Frau Page.
Recht allerliebst, Frau Fluth! – So einen ehrlichen, guten Mann zu haben und ihm solchen Anlaß zum Argwohn geben! –

Frau Fluth.
Was für einen Anlaß zum Argwohn?

Frau Page.
Was für einen Anlaß zum Argwohn? Schämt Euch doch! Wie hab ich mich in Euch geirrt! –

Frau Fluth.
Nun, mein Gott, was gibt’s denn?

Frau Page.
Euer Mann kommt her, Frau, mit allen Gerichtsdienern aus Windsor, um einen Herrn zu suchen, der, wie man sagt, jetzt mit Eurer Einwilligung hier im Hause ist, um sich seine Abwesenheit auf unerlaubte Art zunutze zu machen. Ihr seid verloren! –

Frau Fluth (leise).
Sprich lauter! (Laut.) Mein Gott, ich will nicht hoffen? –

Frau Page.
Gebe Gott, daß sich’s nicht so verhalte, und daß Ihr nicht so jemand hier habt; aber das ist ganz gewiß, Euer Mann kommt mit halb Windsor hinter sich, um so jemand aufzusuchen. Ich lief voran, es Euch zu sagen; wenn Ihr Euch rein wißt, nun, so soll’s mich freuen; habt Ihr aber einen Freund hier, so macht, macht, daß er wegkommt. Verliert die Fassung nicht; ruft alle Eure Lebensgeister zusammen; verteidigt Euern Ruf, oder sagt Euern guten Tagen auf ewig Lebewohl.

Frau Fluth.
Was soll ich tun? Freilich ist ein Herr hier, ein sehr werter Freund, und ich fürchte meine eigne Schande nicht so sehr als seine Gefahr. Mir wär’s lieber als tausend Pfund, wenn ich ihn außer Hause wüßte! –

Frau Page.
Ei, geht mir jetzt mit Eurem: mir wär’s lieber! mir wär’s lieber! Euer Mann wird gleich zur Stelle sein; denkt, wie Ihr ihn fortschafft; – im Hause könnt Ihr ihn nicht verstecken. – Oh, wie ich mich in Euch geirrt habe. – – Seht, hier steht ein Korb; wenn er nur irgend von gescheiter Statur ist, kann er hier hineinkriechen; und dann werft schmutzige Wäsche auf ihn, als ging es zum Einweichen; oder, es ist gerade Bleichenszeit, schickt ihn durch Eure zwei Knechte auf die Datchetwiese.

Frau Fluth.
Er ist zu dick, um da hineinzugehn; was fang ich an? –

Falstaff kommt hervor.

Falstaff.
Laßt einmal sehn! laßt einmal sehn! O laßt mich einmal sehn! Ich will hinein, ich will hinein; folgt dem Rat Eurer Freundin; ich will hinein.

Frau Page.
Was! Sir John Falstaff! Sind das Eure Briefe, Ritter?

Falstaff.
Ich liebe dich – hilf mir nur weg! – laß mich da hineinkriechen, ich will niemals – –

(Er kriecht in den Korb, sie decken ihn mit schmutziger Wäsche zu.)

Frau Page.
Hilf deinen Herrn zudecken, Kleiner! Ruft Eure Leute, Frau Fluth! Ihr heuchlerischer Ritter!

Frau Fluth.
He, Johann! Robert! Johann! Bringt mir die Wäsche fort, hurtig! Wo ist die Tragstange? Seht, wie ihr trödelt! Tragt’s zur Wäscherin auf die Datchetwiese; hurtig! macht fort! –

Fluth, Page, Cajus und Evans kommen.

Fluth.
Ich bitt euch, kommt herein. Wenn ich ohne Grund Verdacht hege, so foppt mich und treibt euern Spott mit mir! es geschieht mir recht. – Holla! – wo wollt ihr damit hin?

Knecht.
Zur Wäscherin, Herr.

Frau Fluth.
Ei, was geht’s dich denn an, wohin sie’s tragen? Du willst dich wohl auch um meine Körbe kümmern?

Fluth.
Körbe? Ja, ich wollte, du verstandst dich drauf, einen Korb zu geben; wahrhaftig, ein Korb wäre hier recht an der Zeit gewesen. (Die Knechte tragen den Korb hinaus.) Ihr Herrn, mir träumte die Nacht etwas; ich will euch meinen Traum erzählen. Hier, hier, hier sind meine Schlüssel; geht hinauf in alle Zimmer; sucht, forscht, spürt aus; ich steh euch dafür, wir stöbern den Fuchs aus seinem Bau. Ich will ihm hier den Weg vertreten; so, jetzt grabt ihn aus.

Page.
Lieber Herr Fluth, seid ruhig, Ihr tut Euch selbst zu nah.

Fluth.
Ihr habt recht, Herr Page. Hinauf, ihr Herrn; ihr sollt gleich euern Spaß erleben; kommt nur mit, ihr Herrn.

(Er geht ab.)

Evans.
Tas ischt kar phantastische Krillen und Eifersuchten.

Cajus.
Pardieu, tas is nik la mode in Frankreik; man sein nik jaloux in Frankreik.

Page.
Nun kommt, ihr Herren; wir wollen sehn, wie dies Suchen abläuft.

(Sie gehn ab.)

Frau Page.
Ist das nicht ein doppelt königlicher Spaß?

Frau Fluth.
Ich weiß nicht, was mir besser gefällt, daß mein Mann angeführt ist oder Sir John.

Frau Page.
Wie ihm wohl zumut war, als Euer Mann fragte, was im Korb sei!

Frau Fluth.
Ich fürchte fast, daß eine Wäsche ihm ganz zuträglich sei; und so wird’s ihm eine Wohltat, wenn sie ihn ins Wasser werfen.

Frau Page.
An den Galgen mit dem ehrvergeßnen Schurken! Ich wollte, daß alle von dem Gelichter in gleicher Not steckten! –

Frau Fluth.
Ich glaube, mein Mann muß einen besondern Verdacht auf Falstaffs Hiersein haben; denn nie sah ich ihn so wild in seiner Eifersucht als diesmal.

Frau Page.
Ich will schon etwas ausdenken, um das herauszubringen; und wir müssen dem Falstaff noch mehr Streiche spielen; seine liederliche Krankheit wird schwerlich dieser einen Arznei weichen.

Frau Fluth.
Sollen wir ihm das alberne Tier, die Frau Hurtig, zuschicken, um uns zu entschuldigen, daß man ihn ins Wasser geworfen? Und ihm noch einmal Hoffnung geben, um ihn noch einmal abzustrafen? –

Frau Page.
Das wollen wir tun; wir wollen ihn auf morgen früh um acht herbestellen, um ihn schadlos zu halten.

Fluth und Page kommen mit den andern zurück.

Fluth.
Ich kann ihn nicht finden; vielleicht prahlt der Schurke mit Dingen, die er nie erlangen konnte.

Frau Page.
Hört Ihr wohl?

Frau Fluth.
Ja, ja, nur stille. – Ihr behandelt mich recht artig, Herr Fluth; in der Tat! –

Fluth.
Nun ja, das tu ich auch.

Frau Fluth.
Der Himmel mach Euch besser, als Eure Gedanken sind!

Fluth.
Amen!

Frau Page.
Ihr tut Euch selbst recht zu nah, Herr Fluth! –

Fluth.
Ja, ja, ich muß es schon hinnehmen.

Evans.
Wann hier Kreatur im Hause ischt und in tene Zimmer, auf tene Pöten, in tene Kisten und Kasten, so verkepe mir himmlische Küte meine Sünden am Take tes Kerichts.

Cajus.
Pardieu, mir auk nik; da is nik ein Seel.

Page.
Pfui, pfui, Herr Fluth, schämt Ihr Euch nicht? Welcher Geist, welcher Teufel bringt Euch auf solche Einbildungen? Ich möchte diese Eure Verstimmung nicht haben, nicht für alle Schätze von Windsors Schloß.

Fluth.
Das ist mein Fehler, Herr Page; ich büße dafür.

Evans.
Ihr püßt für Euer böses Kewisse; Euer Weip ischt so ehrliche Frau, als man sich wünsche kann unter fünftausend und fünfhundert ope trein.

Cajus.
Pardieu, ik sehn, es is ein hehrlik Frau.

Fluth.
Schon gut! Ich versprach euch eine Mahlzeit; kommt, kommt, geht mit mir in den Park. Ich bitt euch, verzeiht mir; ich will euch hernach erzählen, warum ich so verfahren habe. – Komm, Frau; kommt, Frau Page; ich bitt euch, verzeiht mir; ich bitte herzlich drum, verzeiht mir.

Page.
Laßt uns gehn, ihr Herren; aber verlaßt euch drauf, wir wollen ihn aufziehn. Ich lade euch sämtlich ein, morgen in meinem Hause zu frühstücken; hernach wollen wir auf die Vogeljagd; ich habe einen herrlichen Waldfalken; seid ihr’s zufrieden?

Fluth.
Mir ist’s alles recht.

Evans.
Wann einer ta ischt, so will ich in ter Kompanie ten zweiten abkepen.

Cajus.
Wenn da sein ein oder swei, will ik sie habgeben den tritt.

Fluth.
Ich bitt Euch, kommt, Herr Page.

Evans.
Nun pitt ich Euch, tenkt mir auf Morke an lausigen Schurken, unsern Herrn Kastwirt!

Cajus.
Das ist sehr gut; pardieu, von ganz mein ‘erz.

Evans.
‘s ischt lausiger Schurke, mit seinen Spotthaftigkeite und Stichelworte! –

(Sie gehn ab.)

Vierte Szene

Zimmer im Hause des Herrn Page

Fenton und Jungfer Anne Page treten auf

Fenton.
Nein, deines Vaters Gunst gewinn ich nicht;
Drum nicht an ihn verweise mich, mein Annchen.

Anne.
Doch ach! was dann?

Fenton.
Sei nur einmal du selbst.
Er wendet ein, ich sei zu hoch von Abkunft;
Und weil Verschwendung mir mein Gut beschädigt,
So woll ich’s nur durch sein Vermögen heilen.
Dann schiebt er andre Riegel mir entgegen:
Mein vorig Schwärmen, meine wilden Freunde;
Und sagt mir, ganz unmöglich dünk es ihn,
Daß ich dich anders liebt als um dein Geld.

Anne.
Wer weiß, er hat wohl recht?

Fenton.
Nein, steh mir so der Himmel künftig bei!
Zwar leugn’ ich nicht, daß deines Vaters Reichtum
Der erste Anlaß meiner Werbung war;
Doch werbend fand ich dich von höherm Wert
Als Goldgepräg und Beutel wohl versiegelt;
Und deines Innern echte Schätze sind’s,
Wonach ich einzig trachte.

Anne.
Oh, Herr Fenton,
Sucht doch des Vaters Gunst; o sucht sie, Lieber,
Und wenn demütig Flehn und günstge Zeit
Ihn nicht gewinnt – nur dann – – hört, kommt hieher.

(Fenton und Anne gehn auf die Seite.)
Schaal, Schmächtig und Frau Hurtig kommen.

Schaal.
Fallt ihnen in die Rede, Frau Hurtig; mein Vetter soll für sich selbst reden.

Schmächtig.
Ich werde mir einmal ein Herz anfassen; Blitz, es will nur gewagt sein.

Schaal.
Laß dir nicht angst machen.

Schmächtig.
Nein, sie soll mir nicht Angst machen; davor ist mir gar nicht bange; es ist nur, daß ich mich fürchte.

Frau Hurtig.
Hört einmal; Junker Schmächtig hätte Euch ein Wort zu sagen.

Anne.
Ich komme. – (Zu Fenton.) Dies ist meines Vaters Wahl.
O welche Masse häßlich schnöder Fehle
Sieht schmuck aus bei dreihundert Pfund des Jahrs! –

Frau Hurtig.
Nun, was macht denn der liebe Herr Fenton? Ich bitt Euch, auf ein Wort!

Schaal.
Da kommt sie; nun mach dich an sie, Vetter; ach, Junge du hattst einen Vater…

Schmächtig.
Ich hatt einen Vater, Jungfer Anne – mein Onkel kann Euch hübsche Späße von ihm erzählen: bitt Euch, Onkel, erzählt Jungfer Anne mal den Spaß, wie mein Vater zwei Gänse aus einem Stalle gestohlen hat, lieber Onkel!

Schaal.
Jungfer Anne, mein Vetter liebt Euch! –

Schmächtig.
Jawohl, so sehr als irgendeine Frauensperson in Glostershire.

Schaal.
Er wird Euch halten wie eine Frau aus guter Familie.

Schmächtig.
Ja, das will ich, mag auch Krethi und Plethi’ kommen, und zwar unter dem Range eines Squire.

Schaal.
Ein Wittum von hundertundfünfzig Pfund wird er Euch aussetzen.

Anne.
Lieber Herr Schaal, laßt ihn für sich selbst werben.

Schaal.
Ei wahrhaftig, ich danke Euch; ich danke Euch für den guten Trost. – Sie ruft Euch, Vetter; ich will Euch allein lassen.

Anne.
Nun, Herr Schmächtig?

Schmächtig.
Nun, liebe Jungfer Anne?

Anne.
Was ist Euer Wille?

Schmächtig.
Mein Wille? Mein letzter Wille? O sappermentchen! das ist ein hübscher Spaß, mein Seel! Meinen Willen habe ich noch nicht aufgesetzt, Gott sei Dank! nein, so eine kränkliche Kreatur bin ich noch nicht, dem Himmel sei Dankt

Anne.
Ich meine, Herr Schmächtig, was Ihr von mir wollt?

Schmächtig.
Mein Seel, ich für meine Person, ich will wenig oder nichts von Euch. Euer Vater und mein Onkel haben’s in Gang gebracht: wenn’s mir beschert ist, gut, wenn’s mir nicht beschert ist – nun, wer ‘s Glück hat, führt die Braut heim. Die können Euch erzählen, wie’s gekommen ist, besser als ich. Fragt einmal Euern Vater; hier kommt er.

Page tritt auf mit seiner Frau

Page.
Nun, mein Herr Schmächtig? Lieb ihn, Tochter Anne. –
Ei, was ist das? Was macht Herr Fenton hier?
Ihr kränkt mich, daß ich Euch so oft hier finde;
Ich sagt Euch, Herr, mein Kind sei schon versprochen.

Fenton.
Nun, mein Herr Page, seid nicht ungeduldig.

Frau Page.
Lieber Herr Fenton, laßt das Mädchen gehn.

Page.
Sie ist Euch nicht bestimmt.

Fenton.
Wollt ihr mich hören?

Page.
Nein doch, Herr Fenton.
Kommt jetzt, Herr Schaal, komm mit, Sohn Schmächtig, komm;
Da Ihr Bescheid wißt, kränkt Ihr mich, Herr Fenton.

(Page, Schaal und Schmächtig ab.)

Frau Hurtig.
Sprecht mit Frau Page.

Fenton.
Liebste Frau Page, weil ich für Eure Tochter
So lautre Absicht heg und treu Gemüt
Muß ich, unhöflich diesem Schelten trotzend,
Vorwärts die Fahne meiner Liebe tragen
Und nimmer weichen; gönnt mir Euern Beistand.

Anne.
O Mutter, gebt mich nicht dem Narrn zur Frau!

Frau Page.
Ich will’s auch nicht; ich weiß ‘nen bessern Mann.

Frau Hurtig.
Das ist mein Herr, der Herr Doktor. –

Anne.
Ach, lieber grabt mich doch lebendig ein
Und werft mich tot mit Rüben.

Frau Page.
Geh, mach dir keine Sorge. Hört, Herr Fenton,
Ich will Euch Feindin nicht noch Freundin sein;
Das Mädchen frag ich erst, wie sie Euch liebt,
Und wie ich’s finde, lenk ich meinen Sinn.
Bis dahin lebt mir wohl; – sie muß nun gehn,
Sonst schilt der Vater uns.

(Frau Page und Anne gehn ab.)

Fenton.
Lebt wohl denn, werte Frau! Leb wohl, mein Annchen!

Frau Hurtig.
Das ich hab gemacht. – Nein, sagt ich, wollt Ihr Euer Kind an so’n Narren wegwerfen und an so’n Doktor? Seht Euch einmal den Herrn Fenton an! Das hab ich gemacht.

Fenton.
Ich dank dir; und ich bitt dich, noch heut abend
Gib Annchen diesen Ring. – Nimm das für dich. (Geht ab.)

Frau Hurtig.
Nun, der Himmel schenke dir seinen Segen! Ein liebreiches Herz hat er, unsereins liefe ja gern durchs Feuer und Wasser für so ein liebreiches Herz. – Aber ich wollte doch, daß mein Herr Jungfer Anne bekäme, oder ich wollte, daß Herr Schmächtig sie bekäme – oder, mein Seel, ich wollte, daß Herr Fenton sie bekäme. Ich will für alle drei tun, was ich kann; denn das hab ich versprochen, und ich will auch ehrlich Wort halten; aber recht spezifisch dem Herrn Fenton. – Nun, jetzt muß ich ja noch mit einem andern Gewerbe von meinen beiden Frauen zu Sir John Falstaff; was für’n Schaf bin ich, so was zu vertrödeln!

(Sie geht ab.)

Fünfte Szene

Zimmer im Gasthofe zum Hosenband

Es treten auf Falstaff und Bardolph

Falstaff.
Bardolph, sag ich –

Bardolph.
Hier, Herr.

Falstaff.
Geh, hol mir ein Quart Sekt; leg ein Stück geröstet Brot hinein. – (Bardolph ab.) Mußte ich das erleben, daß man mich in einem Waschkorb wegtrug wie eine Tracht Kaldaunen vom Metzger, und mich in die Themse warf? Meiner Treu, wenn mir noch einmal so mitgespielt wird, so soll man mir das Gehirn ausnehmen, es mit Butter bestreichen und es einem Hunde zum Neujahrsgeschenk geben. – Die Schurken schmissen mich in den Fluß und machten nicht mehr Umstände, als hätten sie die blinden Jungen einer Hündin ersäuft, fünfzehn auf einen Wurf; und man kann mir’s an meiner Statur ansehn, daß ich eine gewisse Behendigkeit im Untersinken habe; wäre der Grund so tief wie die Hölle, ich müßte hinunter. Ich wäre ertrunken, wäre nicht das Ufer seicht und sandig gewesen; ein Tod, den ich verabscheue! denn das Wasser schwellt den Menschen auf; und was für eine Figur wäre aus mir geworden, wenn ich ins Schwellen geraten wäre? Ich wäre ein Gebirg von einer Mumie geworden! –

Bardolph kommt zurück mit dem Wein.

Bardolph.
Hier ist Frau Hurtig, Herr, die Euch sprechen will.

Falstaff.
Komm her, laß mich etwas Sekt zu dem Themsewasser schütten, denn mein Bauch ist so kalt, als hätt ich Schneebälle wie Pillen verschluckt, um die Nieren abzukühlen. – Ruf sie herein.

Bardolph.
Komm herein, Frau! –

Frau Hurtig kommt.

Frau Hurtig.
Mit Vergunst – ich bitt um Verzeihung! – ich wünsch Euer Gnaden einen guten Morgen –

Falstaff.
Nimm die Kelchgläser weg; geh, braue mir eine Kanne Sekt, und säuberlich.

Bardolph.
Mit Eiern, Sir?

Falstaff.
Simpel, ohne Zusatz; ich will keinen Hahnentritt in meinem Gebräu. – Nun?

Frau Hurtig.
Ach, lieber Sir, ich komme zu Euer Gnaden von der Frau Fluth –

Falstaff.
Frau Fluth! Ich habe genug von der Flut gekostet! Man hat mich hineingeworfen in die Flut; ich habe den Bauch voll von Flut.

Frau Hurtig.
Ach, lieber Gott, das arme Herz kann ja nichts dafür. Sie hat ihre Leute recht heruntergemacht; die haben ihre Irrigierung falsch verstanden.

Falstaff.
Und ich die meine, daß ich auf das Versprechen eines albernen Weibes baute.

Frau Hurtig.
Nun gut; jetzt lamentiert sie drum, Sir, daß es Euch das Herz umkehren würde, wenn Ihr’s ansäht. Ihr Mann geht heut morgen auf den Vogelherd, sie ersucht Euch, Ihr möchtet noch einmal zwischen acht und neun zu ihr kommen; ich soll ihr hurtig Antwort bringen, sie wird Euch schadlos halten, das versichr ich Euch.

Falstaff.
Nun, ich will sie besuchen, sag ihr das, und laß sie bedenken, was der Mensch sei, laß sie seine Schwachheit erwägen und dann mein Verdienst beurteilen.

Frau Hurtig.
Ich will’s ihr sagen.

Falstaff.
Das tu. – Zwischen neun und zehn sagst du? –

Frau Hurtig.
Acht und neun, Sir.

Falstaff.
Gut, geh nur, ich werde nicht ausbleiben.

Frau Hurtig.
Friede sei mit Euch, Sir! (Sie geht ab.)

Falstaff.
Mich wundert, daß ich nichts vom Herrn Bach höre; er ließ mir sagen, ich möge zu Hause bleiben; – sein Gold behagt mir wohl! – Oh, hier kommt er. –

Fluth kommt.

Fluth.
Gott grüß Euch, Sir.

Falstaff.
Nun, Herr Bach? Ihr wollt wohl hören, was zwischen mir und Fluths Frau vorgefallen ist?

Fluth.
In der Tat, Sir John, darum kam ich her.

Falstaff.
Herr Bach, ich will Euch nichts vorlügen: ich war in ihrem Hause zur bestimmten Stunde.

Fluth.
Und wie ging’s Euch da?

Falstaff.
Sehr unglückseligermaßen, Herr Bach.

Fluth.
Wieso, Sir? Änderte sie ihren Entschluß?

Falstaff.
Nein, Herr Bach; aber der schnüffelnde Cornuto, ihr Mann, Herr Bach, der in einem ewigen Alarm von Eifersucht lebt, kommt mir just im Augenblick unsrer Schäferstunde, nachdem wir einander umarmt, geküßt, uns ewige Liebe geschworen und sozusagen den Prologus unsrer Komödie rezitiert hatten, und ihm auf dem Fuß ein ganzes Rudel seiner Kameraden, rottiert und herbeigeschleppt durch seinen Aberwitz, um sein Haus – denkt einmal! – nach seiner Frauen Liebhaber zu durchsuchen.

Fluth.
Was, während Ihr noch da wart?

Falstaff.
Während ich da war.

Fluth.
Und suchte er nach Euch und konnte Euch nicht finden?

Falstaff.
Ihr sollt hören. Das gute Glück fügte es so, daß eine gewisse Frau Page hereinkommt und Fluths Ankunft meldet; und auf ihre Erfindung und bei der Verzweiflung der Frau Fluth steckten sie mich in einen Waschkorb.

Fluth.
In einen Waschkorb!

Falstaff.
Ja, in einen Waschkorb; bepackten mich mit schmutzigen Hemden und Schürzen, Socken, schmutzigen Strümpfen und schmierigen Tischtüchern; wahrhaftig, Herr Bach, es war die abscheulichste Komposition von niederträchtigem Gestank, die je ein Geruchsorgan entrüstet.

Fluth.
Und wie lange lagt Ihr darin? –

Falstaff.
Oh, Ihr sollt hören, Herr Bach, was ich ausgestanden habe, um diese Frau zu Eurem Besten zum Bösen zu verleiten. Nachdem ich so in den Korb eingepfercht war, wurden ein paar von Fluths Kerlen, seine Knechte, von ihrer Frau herbeigerufen, um mich als schmutzige Wäsche auf die Datchetwiese zu tragen; sie nahmen mich auf die Schultern, begegneten dem eifersüchtigen Kerl, ihrem Herrn, in der Tür, der sie ein paarmal fragte, was sie im Korbe hätten? – Ich zitterte vor Furcht, der verrückte Kerl möchte nachsuchen; aber das Fatum, das einmal beschlossen hat, er solle ein Hahnrei werden, hielt seine Hand zurück. Nun gut, weiter ging er als Spion, und fort ging ich als schmutzige Wäsche. Aber habt acht auf das, was jetzt folgt, Herr Bach: ich erlitt die Qual dreier verschiedener Todesarten; erstlich eine unerträgliche Furcht, von dem eifersüchtigen, verfaulten Leithammel entdeckt zu werden; zweitens, im Zirkel gekrümmt zu liegen wie eine gute Klinge im Umkreise eines Viertelscheffels, Heft an Spitze, Sohle an Kopf; und endlich, verkorkt zu sein wie ein starker Aquavit, mit stinkendem Leinzeug, das in seinem eignen Fette gor; denkt Euch nur, ein Mann von meinen Nieren, denkt nur – der sowenig Hitze verträgt als Butter: ein Mann, der in ewigem Auftauen und Evaporieren lebt; es war ein Wunder, dem Ersticken zu entgehn. Und im Siedepunkt dieses Bades, als ich schon über die Hälfte in Fett geschmort war wie ein holländisches Gericht, in die Themse geworfen zu werden, und glühend heiß in der Flut abzukühlen wie ein Hufeisen – denkt Euch nur, zischend heiß – denkt nur, Herr Bach.

Fluth.
In allem Ernst, Sir, es tut mir leid, daß Ihr um meinetwillen das alles ausgestanden. Meine Sache steht danach verzweifelt? Ihr macht Euch wohl nicht zum zweiten Male an sie? –

Falstaff.
Herr Bach, ich will mich in den Ätna werfen lassen, wie ich in die Themse geworfen bin, eh ich sie so aufgebe. Ihr Mann ist diesen Morgen auf die Vogelbeize gegangen, ich habe die Botschaft zu einem zweiten Stelldichein von ihr; zwischen acht und neun ist die Stunde, Herr Bach.

Fluth.
Es ist schon acht vorbei, Sir.

Falstaff.
Wirklich? Nun so geh ich auf meinen Posten. Kommt zu mir, sobald’s Euch eben gelegen ist, und Ihr werdet von meinen Siegen hören, und die Krone von allem soll sein, daß sie Euer wird. Lebt wohl. Ihr sollt sie besitzen, Herr Bach; Herr Bach, Ihr sollt dem Fluth Hörner aufsetzen. (Geht ab.)

Fluth.
Hm! – ha! Ist das eine Erscheinung? Ist’s ein Traum? Schlaf ich? Freund Fluth, wach auf, wach auf, Freund Fluth; es ist ein Loch in deinem besten Rock, Freund Fluth. Das kommt vom Heiraten! Das kommt davon, Linnen und Waschkörbe zu haben! Nun, die Welt soll erfahren, wie’s mit mir steht; ich will den lockern Finken jetzt schon fassen; er ist in meinem Hause, er kann mir nicht entgehn, es ist nicht möglich, daß er’s könnte; er kann doch nicht in eine Pfennigbüchse kriechen oder in eine Pfefferdose; aber damit der Teufel, der ihn schützt, ihm nicht durchhilft, will ich auch die unmöglichen Plätze durchsuchen. Ich kann zwar nicht dem entgehn, was ich einmal bin; aber daß ich bin, was ich nicht sein möchte, soll mich nicht zahm machen. Wenn ich Hörner habe, die einen toll machen können, so will ich dem Sprichwort Ehre machen und horntoll sein. (Ab.)

Vierter Aufzug

Erste Szene

Zimmer der Frau Page

Frau Page, Frau Hurtig und Wilhelm treten auf

Frau Page.
Ist er schon in Fluths Hause, was meinst du?

Frau Hurtig.
Ganz gewiß ist er jetzt dort, oder er kommt gleich hin; aber wahrhaftig, er ist ganz separat toll, daß man ihn ins Wasser geschmissen hat. Frau Fluth läßt Euch bitten, gleich zu ihr zu kommen.

Frau Page.
Gleich will ich bei ihr sein, ich will nur meinen kleinen Mann hier in die Schule bringen. – Sieh, da kommt sein Schulmeister; ‘s ist ein Spieltag, wie ich sehe. –
Sir Hugh Evans kommt.
Nun, Sir Hugh? – kein Schultag heut? –

Evans.
Nein; Herr Schmächtig hat Kintern zum Spiel Permissionen kekepen.

Frau Hurtig.
Ach, das rechtschaffne Herz!

Frau Page.
Sir Hugh, mein Mann sagt, mein Sohn lernt nicht das Geringste aus seinem Buch; tut ihm doch ein paar Fragen aus seinem Donat.

Evans.
Komm her, Wilhelme; halt Kopf krate, komm her!

Frau Page.
Lustig, Junge; halt den Kopf grade; antworte deinem Lehrer; fürchte dich nicht.

Evans.
Wilhelme! Wieviel kann man numeri im nomen hape? –

Wilhelm.
Zwei.

Frau Hurtig.
Dummheit! Zwei Kannen im Ohm? Achtzig wenigstens.

Evans.
Still ta Euer Keplapper. – Was heißt Tugend, Wilhelme?

Wilhelm.
Virtus.

Frau Hurtig.
Wirtshaus? da pflegt’s doch nicht immer sehr tugendhaft herzugehn.

Evans.
Ihr seit kanze Einfältigkeiten, ich pitt Euch, still. Was ischt lapis, Wilhelme?

Wilhelm.
Ein Stein.

Evans.
Und was ischt also ein Stein, Wilhelme?

Wilhelm.
Ein Kiesel.

Evans.
Nein, ‘s ischt lapis; erinnere tas in teinem Hirnkasten, Wilhelme, ich pitte dich.

Wilhelm.
Lapis.

Evans.
Tas ischt kut, Wilhelme. Was ischt tas, Wilhelme, wovon man articulos porkt? –

Wilhelm.
Articuli werden geborgt vom Pronomen, und folgendermaßen dekliniert: singulariter, nominativo: hic, haec, hoc.

Evans.
Nominativus : hic, haec, hoc; pitt tich, kiep acht! Kenitivo: hujus; nun, wie ischt nun casus accusativus?

Wilhelm.
Accusativo : hinc.

Evans.
Ich pitt tich, hap teine Pewußthaftigkeiten pei einanter, Kint; accusativo : hinc, hanc, hoc.

Frau Hurtig.
Hing, häng, hang? I, das ist ja eine Sprache für Spitzbuben und Galgen.

Evans.
Ihr seit wahrhaftike Plautertaschen, Frau. – Was ischt casus focatifus, Wilhelme?

Wilhelm.
Oh! vocativus, oh.

Evans.
Pesinne tich, Wilhelme, fotatifus caret.

Frau Hurtig.
Natürlich, wenn er nicht am Galgen hängt, karrt so’n vocativus.

Evans.
Frau, hepe tich wek! –

Frau Page.
Still! –

Evans.
Was ist tann Teklination des kenitivus im plurali, Wilhelme?

Wilhelm.
Des zweiten Falls?

Evans.
Ja, tes zweiten Falls, oter tes kenitif.

Wilhelm.
Genitiv : horum, harum, horum.

Frau Hurtig.
Schlimm genug mit der Geschichte vom ersten Fall; muß der Junge auch noch von einem zweiten hören? Und was heißt das, wenn Ihr sprecht, so’n Fall geh nit tief? – Und erzählt ihm da von Huren und von ihren Haaren und Ohren?

Evans.
Schäm tir toch, Frau! –

Frau Hurtig.
Ihr tut übel, daß Ihr dem Kinde solche Sachen beibringt; lehrt ihn da zu hocken und zu hecken, als wenn er das nicht zeitig genug von selbst tun würde; und nach Huren zu schrein, schämt Euch!

Evans.
Weib, pischt tu nicht mondsuchten? Hast tu wirklich kein Mitwissen von der Tekkelnation und ihren Fellen? Tu pischt so aperwitziges Keschöpf unter alle Chrischtenmensche, als man nur wünsche kann.

Frau Page.
Schweigt doch still, Frau Hurtig.

Evans.
Sake mir nun noch etwas, Wilhelme, von ter Piekunk der praenominum.

Wilhelm.
Ach Gott, die habe ich vergessen.

Evans.
Es ischt ki, kae, kot; wann tu vergessen hascht teine kis, teine kaes und teine kotts, so sollst du kottsjämmerliche Rute pekomme. Jetzt keh nur hin und spiele, keh.

Frau Page.
Er hat doch mehr gelernt, als ich gedacht habe.

Evans.
‘s ischt kuter, anschlakhaftiker Kopf. Kott pefohlen, Frau Page.

Frau Page.
Lebt wohl, lieber Sir Hugh. – Junge, geh nach Hause. Kommt, wir warten zu lange.

(Sie gehn ab.)

Zweite Szene

Zimmer in Fluths Hause

Falstaff und Frau Fluth treten auf

Falstaff.
Frau Fluth, Euer Kummer hat mein Leid aufgezehrt. Ich sehe, Ihr seid voll frommer Rücksicht in Eurer Liebe, und ich verspreche Euch Erwidrung bis auf die Breite eines Haars; nicht allein, Frau Fluth, in der gemeinen Pflicht der Liebe, sondern in allen ihren Ornamenten, Ausstaffierungen und Zeremonien. Aber seid Ihr jetzt vor Euerm Mann recht sicher?

Frau Fluth.
Er ist auf der Vogelbeize, lieber Sir John.

Frau Page (draußen).
Heda! ho! Gevatterin Fluth! He, holla! –

Frau Fluth.
Tretet in die Kammer, Sir John.

(Falstaff ab.)
Frau Page kommt.

Frau Page.
Nun, wie steht’s, mein Kind, wer ist außer Euch im Hause?

Frau Fluth.
Ei, niemand als meine Leute.

Frau Page.
Wirklich?

Frau Fluth.
Nein, im vollen Ernst! – (Leise.) Sprich lauter!

Frau Page.
Nun, das freut mich ja, daß Ihr niemand hier habt.

Frau Fluth.
Wieso?

Frau Page.
Ei, Frau Fluth, Euer Mann hat wieder seine alten Schrollen; er macht da solchen Lärm mit meinem Mann, schimpft so auf alle Ehemänner, flucht so auf alle Evastöchter, von welcher Farbe sie auch sein mögen, und gibt sich solche Püffe vor die Stirn und schreit dabei: «Wachst heraus! Wachst heraus!» – daß alle Tollheit, die ich noch je erlebt habe, nur Sanftmut, Zahmheit und Geduld gegen diese seine jetzige Raserei ist. Ich bin froh, daß Ihr den fetten Ritter nicht hier habt.

Frau Fluth.
Wie, spricht er von ihm?

Frau Page.
Von niemand als von ihm; und schwört, er sei das letztemal, als er ihn gesucht, in einem Korbe herausgeschafft, versichert meinem Mann, jetzt sei er hier, und hat ihn und seine übrige Gesellschaft von ihrer Jagd abgerufen, um einen zweiten Versuch seiner Eifersucht anzustellen. Aber ich bin froh, daß der Ritter nicht hier ist, nun soll er seine Torheit inne werden.

Frau Fluth.
Wie nah ist er, Frau Page? –

Frau Page.
Ganz dicht, am Ende der Straße; er muß gleich da sein.

Frau Fluth.
Ich bin verloren! der Ritter ist hier.

Frau Page.
Nun, so wirst du aufs äußerste beschimpft, und er ist ein Kind des Todes. Was das für eine Frau ist! Fort mit ihm! Fort mit ihm! Lieber Schimpf als Mord! –

Frau Fluth.
Wo soll er hin? Wie soll ich ihn fortschaffen? Soll ich ihn wieder in den Korb stecken?

Falstaff kommt herein.

Falstaff.
Nein, ich will nicht wieder in den Korb. Kann ich nicht hinaus, eh er kommt? –

Frau Page.
Ach, drei von Herrn Fluths Brüdern halten mit Pistolen Wache an der Haustür, daß keiner entwischen möge; sonst könntet Ihr wegschleichen, eh er käme. – Aber was macht Ihr denn hier? –

Falstaff.
Was soll ich anfangen? Ich will in den Schornstein hinaufkriechen.

Frau Fluth.
Da schießen sie immer ihre Vogelflinten ab; kriecht ins Ofenloch.

Falstaff.
Wo ist es?

Frau Fluth.
Er wird auch da suchen, glaubt mir! Da ist weder Schrank, Koffer, Kiste, Lade, Brunnen noch Keller, von denen er nicht ein Verzeichnis zur Erinnerung hat und sie nach der Liste durchgehn wird. Hier im Hause könnt Ihr Euch nicht verstecken.

Falstaff.
So will ich hinaus.

Frau Fluth.
Wenn Ihr in Eurer eignen Gestalt hinausgeht, so seid Ihr des Todes, Sir John, Ihr müßt verkleidet hinausgehn. Wie könnten wir ihn wohl verkleiden? –

Frau Page.
Ach, liebe Zeit, das weiß ich nicht. Kein Weiberrock wird weit genug für ihn sein, sonst könnte er einen Hut aufsetzen, ein Backentuch umtun, einen Schleier überhängen und so entkommen.

Falstaff.
Liebste Engel, denkt euch etwas aus; lieber alles versucht als ein Unglück.

Frau Fluth.
Die Muhme meiner Magd, die dicke Frau aus Brentford, hat einen Rock oben.

Frau Page.
Auf mein Wort, der wird ihm passen. Sie ist so dick als er; und da ist auch ihr Schlapphut und Backentuch. Rennt hinauf, Sir John.

Frau Fluth.
Eilt, eilt, liebster Sir John! Frau Page und ich wollen nach Leintüchern für Euern Kopf suchen.

Frau Page.
Geschwind, geschwind, wir wollen gleich kommen und Euch ankleiden. Zieht derweil den Rock an.

(Falstaff geht hinauf.)

Frau Fluth.
Ich hoffe, mein Mann begegnet ihm in diesem Aufzuge; er kann das alte Weib von Brentford nicht ausstehn; er schwört, sie sei eine Hexe, hat ihr das Haus verboten und gedroht, sie durchzuklopfen.

Frau Page.
Der Himmel führe ihn zu deines Mannes Prügel, und der Teufel führe hernach den Prügel! –

Frau Fluth.
Kommt denn mein Mann wirklich?

Frau Page.
Ja, in allem Ernst; und spricht noch dazu vom Korbe, wie er’s nun auch erfahren haben mag.

Frau Fluth.
Das müssen wir herausbringen, denn ich will meine Leute bestellen, daß sie den Korb wieder hinaustragen und ihm an der Tür begegnen wie das letztemal.

Frau Page.
Recht, aber er wird den Augenblick da sein; komm mit, wir wollen ihn ankleiden wie die Hexe von Brentford.

Frau Fluth.
Ich will erst meinen Leuten Bescheid sagen, was sie mit dem Korbe anfangen sollen. Geh hinauf, ich will ihm gleich die Leinentücher bringen. (Sie geht ab.)

Frau Page.
An den Galgen mit dem unverschämten Knecht! Wir können ihm nicht übel genug mitspielen.

Durch unser Beispiel leucht es allen ein,
Ein Weib kann lustig und doch ehrbar sein.
Spaß ist nicht Ernst; wohl sprach ein weiser Mund:
Das stillste Wasser hat den tiefsten Grund. (Geht ab.)

Frau Fluth und die Knechte kommen mit dem Waschkorb.

Frau Fluth.
Geht, Leute, nehmt den Korb wieder auf die Schultern, der Herr ist dicht am Hause; wenn er euch heißt ihn niedersetzen, so tut’s. Geschwind, macht fort. (Ab.)

Erster Knecht.
Komm, nimm ihn auf.

Zweiter Knecht.
Der Himmel gebe, daß nicht wieder ein Ritter drin stecke!

Erster Knecht.
Das hoff ich nicht; ich wollte lieber ebensoviel Blei tragen.

Es kommen Fluth, Schaal, Page, Evans und Cajus.

Fluth.
Gut; wenn’s aber wahr ist, Herr Page, wie wollt Ihr’s dann rechtfertigen, daß Ihr mich als Narren behandelt? – Setzt den Korb nieder, Schurken! Ruf mir einer meine Frau, – Prinz im Korbe! – O ihr kupplerischen Schurken – es ist eine Rotte, eine Bande, ein Komplott, eine Verschwörung wider mich; nun soll der Teufel beschämt werden! Heda, Frau, sag ich! komm, komm heraus; sieh nur, was für artige Wäsche du auf die Bleiche schickst! –

Page.
Nun, das geht zu weit, Herr Fluth! Ihr dürft nicht länger frei umhergehn, man muß Euch in Ketten legen.

Evans.
Ei, das ischt wahre Montsuchten, das ischt so toll als toller Hund!

Schaal.
In der Tat, Herr Fluth, das ist nicht recht, in der Tat nicht.

Frau Fluth kommt.

Fluth.
Das sag ich auch. Kommt einmal her, Frau Fluth – Frau Fluth, die sittsame Frau, das tugendhafte Weib, das ehrbare Gemüt, das den eifersüchtigen Narren zum Manne hat! Ich habe keinen Grund zum Argwohn, nicht wahr? –

Frau Fluth.
Der Himmel sei mein Zeuge, daß du keinen hast, wenn du mir eine Untreue zutraust.

Fluth.
Recht so, eiserne Stirn, führe das nur so durch. Heraus mit dir, Bursch! –

(Er reißt die Wäsche aus dem Korb.)

Page.
Das geht zu weit!

Frau Fluth.
Schämst du dich nicht? Laß doch das Zeug in Ruh! –

Fluth.
Gleich werd ich dich finden.

Evans.
Das sein Unvernunften! Wollt Ihr Eurer Frauen Kleider aufnehmen? Kommt doch weg! –

Fluth.
Schüttet den Korb aus, sag ich! –

Frau Fluth.
Aber lieber Mann – – –

Fluth.
Herr Page, so wahr ich ein Mann bin, ward gestern einer in diesem Korbe aus meinem Hause geschafft; warum könnt er nicht wieder darin stecken? In meinem Hause ist er gewiß, meine Kundschaft ist sicher, mein Argwohn ist gegründet; werft mir alle Wäsche heraus.

Frau Fluth.
Wenn du jemand drin findest, so sollst du ihn tot machen wie einen Floh.

Page.
Hier ist niemand.

Schaal.
Bei meiner Kavaliersparole, das ist nicht recht, Herr Fluth, das bringt Euch keine Ehre.

Evans.
Herr Fluth, Ihr müßt peten und nicht tenen Phantastereien Eures Herzens folken; tas sein Eifersuchten.

Fluth.
Nun gut, hier ist er nicht, den ich suche.

Page.
Nein, und sonst nirgend als in Euerm Gehirn.

Fluth.
Helft mir nur diesmal mein Haus durchsuchen; wenn ich nicht finde, was ich suche, verlange ich keinen Firnis für meine Schwäche; ihr sollt mich auf ewige Zeiten zu euerm Tischgespött machen; die Leute sollen von mir sagen: so eifersüchtig als Fluth, der den Galan seiner Frau in einer hohlen Walnuß suchte. Tut mir noch einmal den Gefallen; noch einmal geht mit mir auf das Suchen aus.

Frau Fluth.
Heda, Frau Page! kommt doch mit der alten Frau herunter, mein Mann will ins Zimmer hinauf.

Fluth.
Alte Frau? Was ist das für eine alte Frau? –

Frau Fluth.
Nun, die Muhme meiner Magd aus Brentford.

Fluth.
Die Hexe, die Vettel, die alte spitzbübische Vettel; habe ich ihr nicht mein Haus verboten? Sie hat ein Gewerbe hier auszurichten, nicht wahr? Wir sind einfältige Männer, wir merken nicht, was alles unter dem Vorwand des Wahrsagens mit unterläuft. Sie gibt sich mit Zaubereien, Besprechungen, Zeichendeuten und andern solchen Schelmereien ab; das alles geht über unsern Horizont, wir wissen von nichts. Komm herunter, du Hexe, du Zigeunerin; komm herunter, sag ich.

Frau Fluth.
Oh, mein lieber, süßer Mann! – liebe Herren, laßt doch die alte Frau nicht schlagen! –

Falstaff kommt in Frauenkleidern, geführt von Frau Page.

Frau Page.
Kommt, Mutter Klatsch, kommt, gebt mir die Hand.

Fluth.
Ich will sie klatschen! Aus meinem Hause, du Hexe! – (Schlägt ihn.) Du Zigeunerin, du Vettel, du Meerkatze, du garstiges Tier! fort mit dir! Ich will dich wahrsagen und besprechen lehren! – (Schlägt ihn.)

(Falstaff ab.)

Frau Page.
Schämt Ihr Euch nicht? Ich glaube, Ihr habt die arme Frau totgeschlagen! –

Frau Fluth.
Wahrhaftig, das wird er noch tun, das wird dir recht viel Ehre bringen.

Fluth.
An den Galgen mit der Hexe! –

Evans.
Pei meiner Treu, ich klaupe, tas Weib ischt wahrhaftige Hexe; ich haps nicht kern, wann Weipspilt kroßen Part hat, ich sah kroßen Part unter ihrem Packentuch.

Fluth.
Wollt ihr mitkommen, meine Herren? Ich bitt euch, kommt mit; seht nur einmal zu, wie meine Eifersucht ablaufen wird. Wenn ich diesmal ohne Fährte anschlage, so traut mir nie wieder, wenn ich den Mund auftue.

Page.
Laßt uns seiner Grille noch ein wenig nachgeben; kommt, ihr Herren. (Sie gehn ab.)

Frau Page.
Wahrhaftig, er hat ihn ganz erbärmlich geprügelt.

Frau Fluth.
Nein, beim Himmel, das hat er nicht; er schlug ihn ganz erbarmungslos, wie mir schien.

Frau Page.
Der Prügel soll geweiht und in der Kirche aufgehängt werden; er hat ein verdienstliches Werk getan.

Frau Fluth.
Was meint Ihr, können wir wohl als ehrliche Frauen und mit gutem Gewissen ihn noch weiter mit unsrer Rache verfolgen? –

Frau Page.
Der Teufel der Lüsternheit ist gewiß ganz aus ihm herausgebannt; wenn er dem Satan nicht durchaus verfallen ist, mit Handgeld und Reukauf, so denk ich, versucht er’s nicht wieder, uns zum Bösen zu verführen.

Frau Fluth.
Sollen wir’s unsern Männern sagen, wie wir ihm mitgespielt haben?

Frau Page.
Ja, auf alle Weise; wär’s auch nur, um deinem Mann die Fratzen aus dem Kopf zu schaffen. Wenn sie es übers Herz bringen können, den armen untugendlichen dicken Rotter noch ferner zu plagen, so wollen wir ihnen wieder die Hand dazu bieten.

Frau Fluth.
Ich wette, sie werden ihn noch öffentlich beschimpft haben wollen, und mir scheint auch, der Spaß wäre nicht vollständig, wenn er nicht öffentlich beschimpft würde.

Frau Page.
Komm nur gleich in die Schmiede damit, ehe das Eisen kalt wird. (Sie gehn ab.)

Dritte Szene

Gasthof zum Hosenbande

Wirt und Bardolph treten auf

Bardolph.
Herr, die Deutschen verlangen drei von Euren Pferden; der Herzog selbst kommt morgen an den Hof, und sie wollen ihm entgegenreiten.

Wirt.
Was für ein Herzog sollte das sein, der so insgeheim ankommt? Ich habe nichts von ihm bei Hofe gehört. Ich muß selbst mit den Leuten reden; sie sprechen doch Englisch?

Bardolph.
Herr, ich will sie Euch rufen.

Wirt.
Sie sollen meine Pferde haben, aber sie müssen mir dafür blechen; ich will sie schröpfen. Sie haben mein Haus eine ganze Woche lang innegehabt; ich habe alle meine andern Gäste abgewiesen; nun sollen sie daran, ich will sie schröpfen.

(Sie gehn ab.)

Vierte Szene

Fluths Haus

Es kommen Page, Fluth, Frau Page, Frau Fluth und Evans

Evans.
‘s ischt so kroße Tugendwertigkeit von Frau, als ich jemalen ankekucket hape.

Page.
Und schickte er Euch die beiden Briefe zur selben Zeit?

Frau Page.
In der nämlichen Viertelstunde.

Fluth.
Vergib mir, Frau; hinfort tu, was du willst.
Die Sonne werd ich eh der Kälte zeihn,
Als dich des Leichtsinns. Deine Ehre wurzelt
Bei dem, der eben noch ein Ketzer war,
So fest als Glaube.

Page.
Gut, sehr gut; nicht mehr.
Treib nicht die Unterwerfung jetzt so weit
Als die Beleidgung. –
Doch, führen wir’s zu Ende; laß die Fraun
Noch einmal, uns zum allgemeinen Scherz,
Den alten fetten Burschen herbestellen,
Daß wir ihn fangen und ihn derb verspotten.

Fluth.
Kein beßres Mittel gibt’s als ihren Plan.

Page.
Was! ihn bestellen solln sie in den Park
Um Mitternacht? Ei, geht, er kommt uns nie.

Evans.
Ihr sagt, er sei in die Kewässer keworfen und erpärmlich mit Schläken pehantelt als alte Frau; mir petünkt, er müsse sein voller Angsthaftigkeit und Schrecknis, taß er nicht werte kommen; mir scheint, sein Fleisch ischt kezüchtigt und wird aplassen von aller pösen Luscht.

Page.
Das denk ich auch.

Frau Fluth.
Sinnt ihr nur, was ihr tun wollt, wenn er kommt,
Wir beid ersinnen schon, ihn herzuschaffen.

Frau Page.
Man hat ein Märlein, daß der Jäger Herne
(Vor alters Förster hier im Windsorwald)
Im ganzen Winter jede Mitternacht
Um eine Eiche geht mit großen Hörnern.
Dann schädigt er den Baum, behext das Vieh,
Verwandelt trächtger Kühe Milch in Blut
Und rasselt mit der Kette wild und greulich.
Ihr alle hörtet von dem Spuk und wißt,
Daß unsre schwachen, abergläubschen Alten
Die Mär vom Jäger Herne so überkamen
Und unsrer Zeit als Wahrheit überliefert.

Page.
Jawohl; noch gibt es manchen, der sich scheut,
In dunkler Nacht sich Hernes Baum zu nahn.
Doch wozu soll’s?

Frau Fluth.
Nun seht, dies ist der Plan:
Daß Falstaff an der Eich uns treffen soll,
Verkappt wie Herne, mit großem Hirschgeweih.

Page.
Wohlan, wir zweifeln nicht, er stellt sich ein,
Und in der Tracht; doch wenn er angelangt,
Was soll mit ihm geschehn? Was habt ihr vor?

Frau Page.
Auch das ist abgeredet; hört nur weiter:
Mein kleiner Sohn und meine Tochter Annchen
Und drei, vier andre Kinder kleiden wir
Als Zwerge, Feen und Elfen, grün und weiß,
Wachskerzen auf dem Kopf als Feuerkronen,
Und Klappern in der Hand; dann solln sie plötzlich,
Wenn Falstaff, sie und ich uns just gefunden,
Aus einer Sägegrub hervor sich stürzen
Mit gellendem Gesang. Sobald sie nahn,
So fliehn wir beide mit Entsetzen fort;
Dann schließen sie im Kreise rings ihn ein
Und zwicken, Feen gleich, den saubern Ritter
Und fragen, wie er’s wagt, auf heilgen Pfaden
Der Elfen nächtge Spiele zu entweihn
In niedrer Hülle?

Frau Fluth.
Bis er’s eingesteht,
Laßt die vermeinten Feen ihn tüchtig kneipen
Und mit den Kerzen brennen.

Frau Page.
Ist’s zu Ende,
Dann zeigen wir uns all, enthörnen ihn
Und spotten ihn nach Haus.

Fluth.
Man muß die Kinder
Sorgfältig üben, sonst gelingt es nie.

Evans.
Ich werte ten Kintern ihr Petraken einlehren und will mir auch wie ein Hansaff kepärten und ten Ritter mit Karzern prennen.

Fluth.
Vortrefflich! Ich will gehn und Masken kaufen.

Frau Page.
Mein Annchen spielt der Feien Königin;
Wir kleiden schmuck sie in ein weiß Gewand.

Page.
Den Atlas kauf ich ihr; (beiseite) und mittlerweil
Entführt Herr Schmächtig Annchen sich und läßt
Sich traun zu Eton. Schickt sogleich zu Falstaff! –

Fluth.
Nein, ich geh selbst als Bach noch einmal zu ihm:
Er teilt mir alles mit; gewiß, er kommt.

Frau Page.
Seid unbesorgt; schafft allen Zubehör
Und Putz für unsre Fein.

Evans.
Wir wollen kleich tran kehn; tas sein allerliepste Erkötzlichkeiten und sehr prafe Schelmstückchen.

(Page, Fluth und Evans ab.)

Frau Page.
Geht, Frau Fluth,
Laßt ihn die Hurtig fragen, ob er kommt.
(Frau Fluth ab.)
Ich will zum Doktor; er empfing mein Wort,
Und keiner wird mir Annchens Mann als er.
Schmächtig hat Güter zwar, doch ist’s ein Tropf;
Den wünscht vor allen sich mein Mann zumeist.
Cajus ist reich, und seine Freunde gelten
Bei Hofe viel; drum unser Eidam sei er,
Und kämen auch noch tausend beßre Freier. (Geht ab.)

Fünfte Szene

Gasthof zum Hosenbande

Der Wirt und Simpel treten auf

Wirt.
Was willst du, Bauer? Was gibt’s, Dickkopf? Sprich, peroriere, trag vor; kurz, rasch, frisch, flink! –

Simpel.
Ach herrje, Herr, ich soll etwas an Sir John Falstaff von Herrn Schmächtig bestellen.

Wirt.
Hier ist sein Zimmer, sein Haus, seine Burg, sein großes Bett und sein Feldbett; rundherum die Historie vom verlorenen Sohn gemalt, frisch und nagelneu; geh, klopf und ruf, er wird dir Antwort geben in anthropophagianischer Manier. Klopf, sag ich dir.

Simpel.
‘s ist eine alte Frau, eine dicke Frau zu ihm auf die Stube gegangen; ich will so frei sein und warten, Herr, bis sie herunterkommt; eigentlich habe ich der etwas zu sagen.

Wirt.
Ha! eine dicke Frau? der Ritter könnte bestohlen werden; ich will rufen. Rodomont! Sir John Eisenherz! Sprich aus deiner Brust, der kriegstapfern! – Bist du da? Dein Wirt ist’s, dein Ephesier, der dir ruft.

Falstaff oben.

Falstaff.
Was gibt’s, mein Gastwirt? –

Wirt.
Hier ist ein tatarischer Bohemier, der auf die Herniederkunft deiner dicken Frau harrt. Entlaß sie, Rodomont, entlaß sie; meine Zimmer sind Wohnsitze der Ehre; pfui! Heimlichkeiten? pfui!

Falstaff kommt.

Falstaff.
Allerdings, mein Gastwirt, war eben eine dicke Frau bei mir, allein jetzt ist sie fort.

Simpel.
Sagen Euer Gnaden mir doch, war’s nicht die kluge Frau aus Brentford? –

Falstaff.
Freilich war sie’s, Muschelschale; was wolltst du mit ihr?

Simpel.
Mein Herr, Sir, der Junker Schmächtig hat nach ihr geschickt, Sir, weil er sie über die Gasse gehn sah, um zu erfahren, ob ein gewisser Nym, Sir, der ihn um eine Kette betrogen hat, die Kette hat oder nicht.

Falstaff.
Ich habe mit ihr davon gesprochen.

Simpel.
Nun, und was sagt sie, Sir? –

Falstaff.
Nun, sie sagt, daß ebenderselbe Mensch, der Herrn Schmächtig um seine Kette betrog, ihn auch darum prellte.

Simpel.
Ich wollte, ich hätte die Frau selber sprechen können; ich hätte noch über allerlei Dinge mit ihr zu reden von ihm.

Falstaff.
Nun, worüber denn? Laß hören.

Wirt.
Ja, mach geschwind.

Simpel.
Es darf aber nicht okkult bleiben.

Falstaff.
Mach es okkult, oder du stirbst! –

Simpel.
Nun, Herr, es war bloß wegen Jungfer Anne Page; ob’s wohl meines Herrn Glück wäre, sie zu bekommen oder nicht?

Falstaff.
‘s ist, ‘s ist sein Glück.

Simpel.
Was, Sir?

Falstaff.
Sie zu bekommen oder nicht. Geh nur, sag, das hätte die Frau mir anvertraut.

Simpel.
Darf ich so frei sein und das sagen, Sir?

Falstaff.
Ja, Kerl, so dreist du immer willst.

Simpel.
Ich dank Euer Gnaden, ich werde meinem Herrn eine rechte Freude machen mit diesen Zeitungen. (Geht ab.)

Wirt.
Du bist ein Gelahrter, Sir John; du bist ein Gelahrter. Ist denn eine kluge Frau bei dir gewesen? –

Falstaff.
Ja, das ist sie, mein Gastwirt; eine, die mir mehr Weisheit beigebracht hat, als ich jemals in meinem Leben gelernt; und noch dazu habe ich nichts dafür bezahlt, sondern ich ward obendrein für mein Lernen bezahlt.

Bardolph kommt.

Bardolph.
Ach, herrje! Ach, Herr! Spitzbüberei, pure Spitzbüberei! –

Wirt.
Wo sind meine Pferde? Laß mich Gutes von ihnen hören, briccone! –

Bardolph.
Davongelaufen sind sie mit den Spitzbuben; denn als wir eben jenseits Eton waren, so schmissen sie mich rücklings hinter dem einen herunter in eine Dreckpfütze; und nun die Sporen gegeben und fort wie drei deutsche Teufel, drei Doktor Faustusse.

Wirt.
Sie wollen ja nur dem Herzog entgegen, Schurke; sprich nicht gleich von Davonlaufen: die Deutschen sind ehrliche Leute.

Evans kommt.

Evans.
Wo ischt mein Herr Kastwirt?

Wirt.
Was gibt’s, Sir Hugh?

Evans.
Hapt Opacht auf Eure Kundschaftungen; ‘s ischt kuter Freund von mir zur Stadt kommen, der sakt, es seien trei teutsche Tiebsprüter ankelankt, tie hätten in Reatinks, Maitenheat und Coleprook mit tem Kelt und ten Käulen ihrer Wirte Prüderschaft kemacht. Ich erzähle Euch tas aus kutem Herzen, seht Ihr, Ihr hapt Verstand und seit voller Streiche und Kimpelschaften, und es wäre nicht kepürlich, wann man Euch prellte; Kott pehüt Euch! – (Geht ab.)

Doktor Cajus kommt.

Cajus.
Wo is mon hôte de la jarretière?

Wirt.
Hier, Herr Doktor, in Konsternation und Dilemma zweifelhaft.

Cajus.
Ik weißen nik, was tas sein; aber man kommt, mik su sagen, daß Ihr maken eine groß préparation vor ein ‘ersog von Allemagne: auf mein Hehr, da is kein ‘ersog, was man weiß bei ‘of, der kommen: – ik sagen das haus guten ‘erzen! Adieu. (Ab.)

Wirt.
Schrei Mord und Zeter, Schurke, lauf! helft mir, Ritter, ich bin verloren! – lauf, eil dich, schrei, mach Lärmen, Schurke! Ich bin verloren! – (Ab.)

Falstaff.
Ich wollte, die ganze Welt würde geprellt, denn ich bin geprellt und geprügelt dazu. Sollte diese Metamorphose dem Hof zu Ohren kommen, und wie meine Verwandlungen gewaschen und gewalkt worden sind, sie schmelzen mich aus meinem Fett heraus, Tropfen bei Tropfen, und schmierten Fischerstiefel mit mir: ich wette, sie geißelten mich mit ihrem stachlichten Witz, bis ich eingeschrumpft wäre wie eine Backbirne. Mein Stern ist von mir gewichen, seit ich beim Primero falsch geschworen; wahrhaftig, hätt ich nur Atem genug, um ein Gebet zu sprechen, so wollt ich bereuen.
Frau Hurtig kommt.
Nun, woher kommst du? –

Frau Hurtig.
Mein Seel, von den beiden Bewußten.

Falstaff.
Hole der Teufel die eine und seine Großmutter die andre, so sind sie beide versorgt. Ich habe mehr um ihretwillen gelitten, ja mehr, als der nichtswürdige Unbestand menschlicher Kräfte zu ertragen vermag.

Frau Hurtig.
Und haben sie denn nichts gelitten? Ja, das versichre ich Euch, besonders die eine: – Frau Fluth, die arme Seele, ist braun und blau geschlagen, daß man keinen weißen Fleck an ihr sehen kann.

Falstaff.
Was schwatzest du mir von Braun und Blau? Mir selbst sind alle Farben des Regenbogens angeprügelt, und ich war drauf und dran, als die Hexe von Brentford eingesteckt zu werden; hätte ich mich nicht durch die bewunderungswürdige Gewandtheit meines Witzes gerettet, indem ich die Gebärden eines alten Weibes nachahmte, so hätte der Schurke von Konstabler mich in den Block gesetzt, in den Stadtblock, wie eine Hexe.

Frau Hurtig.
Sir John, laßt mich auf Euerm Zimmer mit Euch reden; Ihr sollt hören, wie die Sachen stehn, und das versichre ich Euch, Ihr sollt Eure Freude dran haben. Hier ist ein Brief, der schon was sagen wird. Ihr lieben Kinder, was das für eine Not ist, euch zusammenzubringen! Wahrhaftig, einer von euch muß dem Himmel nicht recht dienen, weil’s euch immer so schief geht.

Falstaff.
Komm hinauf in mein Zimmer. (Sie gehn ab.)

Sechste Szene

Ebendaselbst

Der Wirt und Herr Fenton treten auf

Wirt.
Laßt mich gehn, Herr Fenton; ich bin ganz mißmütig,
ich mag mich um nichts kümmern. –

Fenton.
So hör mich nur. Hilf mir in meinem Plan,
Und, auf mein Ehrenwort, ich zahle bar
Dir hundert Pfund in Gold, mehr als dein Schade.

Wirt.
Ich will Euch anhören, Herr Fenton, und will Euch wenigstens reinen Mund halten.

Fenton.
Von Zeit zu Zeit hab ich dir schon erzählt,
Wie sehr ich unser schönes Annchen liebe,
Und sie erwidert gleichfalls meine Neigung
(Soweit sie selber für sich wählen darf)
Nach Herzenswunsch. Sie schrieb ein Briefchen mir
Von solchem Inhalt, daß dich’s wundern wird.
Der Spaß verknüpft sich so mit meiner Sache,
Daß keins von beiden einzeln deutlich wird,
Erklär ich beides nicht. Der dicke Falstaff
Hat eine große Szene: lies umständlich
Den Plan des Scherzes hier. Nun, liebster Wirt,
Bei Hernes Eiche, grad um Mitternacht,
Tritt Annchen auf als Feenkönigin;
Weshalb, das findst du hier. In dieser Maske,
Derweil noch andrer Spaß im Schwange geht,
Befiehlt ihr Vater, soll sie insgeheim
Mit Schmächtig fort sich schleichen und in Eton
Sich trauen lassen; sie hat eingewilligt.
Nun, Freund,
Die Mutter, dieser Heirat ganz entgegen
Und eifrig für den Doktor, hat im Sinn,
Daß der sie gleichfalls heimlich weg soll stehlen
(Weil Spaß und Lust der andern Sinn zerstreut)
Und in der Dechanei sich trauen lassen,
Wo schon ein Priester harrt. Dem Plan der Mutter
Scheinbar gehorsam, hat sie auch dem Doktor
Ihr Wort gegeben. Nun verhält sich’s so:
Der Vater will, daß sie sich kleid in Weiß;
Und in der Tracht, wann Schmächtig seine Zeit
Sich ausersehn, soll sie die Hand ihm geben
Und mit ihm gehn. Die Mutter aber fordert,
Um besser sie dem Doktor zu bezeichnen
(Denn alles soll vermummt sein und maskiert),
Daß hübsch in Grün ein weites Kleid sie schmücke,
Mit wehnden Bändern, flatternd um das Haupt;
Und findt der Doktor die gelegene Zeit,
Soll er die Hand ihr kneipen: auf den Wink
Versprach das Mädchen, mit ihm fortzugehn.

Wirt.
Und wen betrügt sie? Vater oder Mutter?

Fenton.
Nun, beide, Freund, und geht davon mit mir.
Und jetzt das Hauptstück. Schaffe du den Pfarrer
Uns in die Kirche, zwischen zwölf und eins,
Der mit der Ehe heilgem Siegel uns
Die Herzen unauflöslich soll vereinen.

Wirt.
Gut, fördert Euern Plan: ich geh zum Pfarrer;
Bringt nur die Braut, am Priester soll’s nicht fehlen.

Fenton.
So werd ich dir auf ewig dankbar sein
Und außerdem noch reich dich erst beschenken.

(Sie gehn ab.)

Siebente Szene

Ebendaselbst

Falstaff und Frau Hurtig treten auf

Falstaff.
Bitt dich, kein Geplauder mehr: es bleibt dabei. Das ist das drittemal; ich hoffe, die ungrade Zahl bringt Glück. Fort, geh; man sagt, die ungrade Zahl sei eine heilige bei Geburt, bei Schicksalen und beim Sterben. Fort! –

Frau Hurtig.
Ich besorg Euch eine Kette; und ich will tun, was ich kann, Euch ein paar Hörner zu verschaffen.

Falstaff.
Fort, sag ich, die Zeit verläuft.
(Frau Hurtig geht ab.)
Halt den Kopf in die Höhe und mache dich niedlich! –
Fluth kommt.
Nun, Herr Bach? – Herr Bach, heut nacht muß die Sache zustande kommen, oder nie. Seid nur im Park um Mitternacht bei Hernes Eiche, und Ihr sollt Wunder sehn.

Fluth.
Gingt Ihr nicht gestern zu ihr, Sir, wie Ihr mir sagtet, es sei verabredet? –

Falstaff.
Ich ging zu ihr, Herr Bach, wie Ihr mich seht, als ein armer, alter Mann; aber ich kam von ihr, Herr Bach, wie eine arme, alte Frau. Dieser verdammte Schurke Fluth, ihr Mann, ist besessen vom listigsten tollen Teufel der Eifersucht, der je einen verrückten Kopf regiert hat. Hört nur! er hat mich jämmerlich durchgeprügelt in der Gestalt eines Weibes; denn in der Gestalt eines Mannes, Herr Bach, fürchte ich mich nicht vor dem Goliath mit seinem Weberbaum: weil ich wohl eingedenk bin, daß das menschliche Leben nur eine Weberspule ist. Ich habe Eile; geht mit mir, ich will Euch alles erzählen, Herr Bach. Seit ich Gänse gerupft, die Schule geschwänzt und Kreisel gepeitscht, wußt ich nicht, was Prügel seien, bis neulich. – Kommt mit, ich will Euch seltsame Dinge von dem Schurken, dem Fluth, erzählen, an dem ich heute nacht Rache nehmen und Euch seine Frau in die Hände liefern will. Kommt mit mir, wir haben seltsame Dinge vor, Herr Bach! Folgt mir! – (Sie gehn ab.)

Fünfter Aufzug

Erste Szene

Im Park von Windsor

Es treten auf Page, Schaal und Schmächtig

Page.
Kommt, kommt, wir wollen im Schloßgraben lauern, bis wir das Licht unsrer Feen sehn. Denkt an meine Tochter, Sohn Schmächtig.

Schmächtig.
Ei natürlich! ich habe mit ihr gesprochen, und wir haben ein Merkwort, woran wir einander erkennen. Ich gehe zu der in Weiß und sage: Schnipp! sie sagt: Schnapp! und dabei kennen wir einander.

Schaal.
Das ist recht gut; aber was braucht’s dein Schnipp und ihr Schnapp? Das Weiß macht sie schon kenntlich genug. – Es hat zehn geschlagen.

Page.
Die Nacht ist finster, Lichter und Elfen werden sich gut ausnehmen. Der Himmel gebe unserm Spaß Gedeihen; niemand meint es schlimm als der Teufel, und den kennen wir an seinen Hörnern. Laßt uns gehn; kommt mit.

(Sie gehn ab.)

Zweite Szene

Straße in Windsor

Es treten auf Frau Page, Frau Fluth und Doktor Cajus

Frau Page.
Herr Doktor, meine Tochter ist in Grün; wenn Ihr Eure Zeit erseht, faßt sie bei der Hand, fort mit ihr zur Dechanei, und macht’s in aller Schnelligkeit ab. Geht voraus in den Park; wir beide müssen zusammengehn.

Cajus.
Ik weiß, was ik ‘aben su tun: Adieu! (Ab.)

Frau Page.
Lebt wohl, Herr Doktor. Mein Mann wird sich nicht so über Falstaffs Bestrafung freuen, als er über des Doktors Heirat mit meiner Tochter wüten wird; aber das tut nichts. Besser ein wenig Schmälen als eine Menge Herzeleid.

Frau Fluth.
Wo ist denn Annchen und ihr Feentrupp? Und der wallisische Teufel Evans? –

Frau Page.
Sie lauern alle in einer Grube, dicht an Hernes Eiche, mit verdeckten Lichtern, die sie, nachdem Falstaff und wir zusammengekommen sind, plötzlich in der Dunkelheit werden leuchten lassen.

Frau Fluth.
Das muß ihn durchaus erschrecken.

Frau Page.
Erschreckt’s ihn nicht, so wird er gefoppt, und erschrickt er, so wird er um soviel mehr gefoppt.

Frau Fluth.
Wir wollen ihn recht ausbündig verraten!

Frau Page.
Rechtmäßig ist Verrat und dünkt uns ritterlich,
Und träf er solche Löffler noch so bitterlich.

Frau Fluth.
Die Stunde naht: Zur Eiche hin! zur Eiche! –

(Sie gehn ab.)

Dritte Szene

Im Park

Es kommen Sir Hugh Evans, Feen und Elfen

Evans.
Kommt jetzt anketrippelt, ihr Feen; verkeßt eure Rollen nicht: seid dreist, tas pitt ich euch. Folkt mir zur Krupe, und wann ich Stichwort kepe, so tut, wie euch anketeutet. Kommt, trip! trap! – (Sie gehn ab.)

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