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Leben und Tod Königs Richard des zweyten.

William Shakespeare

Ein Trauerspiel.

Übersetzt von Christoph Martin Wieland

Personen.

König Richard der Zweyte.
Herzog von York.
Johann von Gaunt, Herzog von Lancaster.
Bolingbroke, Sohn des Johann von Gaunt, und nachmals König
Heinrich der Vierte.
Aumerle, Sohn des Herzogs von York.
Mowbray, Herzog von Norfolk.
Graf von Salisbury.
Lord Berkley.
Buschy, Bagot und Green, Diener des Königs Richard.
Graf von Northumberland, Lord Percy, dessen Sohn, Roß und
Willougby, Bolingbroks Freunde.
Bischoff von Carlisle und Sir Stephan Scroop, Freunde des Königs
Richard.
Fizwater, Surry, Abbt von Westminster und Sir Pierce von Exton,
Herren vom Parlament.
Die Königin, König Richards Gemalin.
Die Herzogin von Glocester.
Die Herzogin von York.
Hofdamen der Königin.
Herolde, zween Gärtner, ein Kammerdiener, ein Hüter, ein Bote, und
andre stumme Personen.

Der Schauplaz ist in verschiednen Theilen von England.

Erster Aufzug.

Erste Scene.
(Der Hof.)
(König Richard, Johann von Gaunt, Lords und Gefolge treten auf.)

König Richard.
Johann von Gaunt, Herzog von Lancaster, ehrenvoller Greis; hast du,
deinem Eid und deiner Pflicht gemäß, Heinrichen von Herford, deinen
kühnen Sohn anhergebracht, um jene Anklage zu behaupten, die er
unlängst gegen Thomas Mowbray, Herzog von Norfolk angebracht, und
die wir damals anzuhören keine Musse hatten?

Gaunt.
Ich habe ihn hieher gebracht, Gnädigster Herr.

König Richard.
So sage mir dann ferner: Hast du nicht von ihm erforscht, ob es nur
ein alter eingewurzelter Groll gegen seine Person ist, was ihn zu
dieser Klage angetrieben; oder die pflichtmäßige Treue eines guten
Unterthanen, um einen geheimen Verräther in Mowbray zu entlarven?

Gaunt.
So viel als ich von ihm über diese Sache herausbringen konnte, so
ist es kein Privat-Groll, sondern die vermeynte Entdekung einer
über Eurer Hoheit schwebenden Gefahr.

König Richard.
So ruffe man sie dann vor unsre Gegenwart; wirs selbst wollen,
Stirne gegen Stirne, den Kläger und den Beklagten reden hören: Sie
sind beyde von sehr feuriger Gemüths-Art, beyde voll Grimms; in
ihrer Wuth beyde taub wie die See, und rasch wie Feuer.

Zweyte Scene.
(Bolingbroke und Mowbray zu den Vorigen.)

Bolingbroke.
Möge eine lange Reyhe von Jahren, voll glüklicher Tage, meinem
gnädigsten und geliebtesten Oberherrn bestimmt seyn!

Mowbray.
Und jeder Tag die Glükseligkeit des vorigen vermehren, bis der
Himmel, der Erde soviel Glük mißgönnend, das Vorrecht der
Unsterblichkeit zu eurer Crone hinzuthut.

König Richard.
Wir danken euch beyden; obgleich die Sache selbst, weßwegen ihr vor
uns erschienen seyd, ein Beweis ist, daß uns einer von beyden
schmeichelt. Vetter von Hereford, sage, was für Vorwürfe gegen den
Herzog von Norfolk, Thomas Mowbray, hast du anzubringen?

Bolingbroke.
So wisset dann vor allen Dingen, Gnädigster König, und der Herr sey
meiner Reden Zeuge! daß ich aus Antrieb der pflichtmäßigen Liebe
eines getreuen Unterthanen, aus zärtlicher Sorge für die Erhaltung
meines Fürsten, frey von Groll, Rachgier oder andrer unächter
Absicht, als Ankläger hieher in seine königliche Gegenwart gekommen
bin. Nun, Thomas Mowbray, wend’ ich mich zu dir, und horche wol
auf meinen Gruß; denn was ich reden werde, wird entweder dieser Arm
auf Erden erproben, oder meine unsterbliche Seele im Himmel
verantworten. So sag’ ich dann: Du bist ein Verräther und Rebell,
zu gut, ein solcher zu seyn, und zu schlimm, beym Leben zu bleiben;
denn je schöner und crystallner der Himmel ist, desto häßlicher
sehen die Wolken aus, die ihn befleken. Noch einmal, das Gewicht
meiner Anklage zu verdoppeln, stopf ich dir mit dem schändlichen
Namen eines Verräthers den Rachen, und wünsche, daß mir von meinem
Gnädigsten Oberherrn erlaubt werde, an eben diesem Plaz und in
diesem Augenblik, was meine Zunge gesprochen hat, durch mein recht-
gezognes Schwerdt zu beweisen.

Mowbray.
Laßt nicht hier die Kälte meiner Worte meinen Eifer verdächtig
machen; diese unsre Sache kan nicht mit den Waffen eines
Weiberkriegs, dem bittern Geschrey zwoer scharfen Zungen, unter uns
entschieden werden. Das Blut ist heiß, das für diß erkalten muß.
Jedoch kan ich mich keiner so zahmen Geduld rühmen, mich stossen zu
lassen, und gar nichts dazu zu sagen; und würde mich nicht die
Ehrfurcht vor Eu. Hoheit zurük halten, meiner freyen Rede Zügel
und Sporren zu geben, sie sollte schnell genug seyn, diese
Beschuldigungen von Verrätherey zweyfach in seinen Rachen zurük zu
stossen. Sezet aber das hohe Vorrecht seines königlichen Geblüts
bey Seite, und laßt ihn nicht den Vetter meines Königs seyn, so
biet ich ihm troz, und verschmähe ihn, nenne ihn eine
verläumderische Memme, und einen nichtswürdigen Schurken, und bin
bereit, ihm zu beweisen daß er’s ist, an welchem Ort er will mit
ihm zusammen zu kommen, und wenn ich gleich mit naktem Fuß auf die
befrornen Gipfel der Alpen rennen müßte, oder in welche andre
unbewohnbare Gegend es seyn mag, wohin nie kein Engländer es wagte
seinen Fuß zu sezen. Indeß laßt diß meine Treue rechtfertigen: Bey
allen meinen Hoffnungen, er hat die lügenhafteste Unwahrheit gesagt.

Bolingbroke.
Blasser, zitternder Verräther, hier zieh ich meinen Handschuh, lege
die Vorrechte meines königlichen Geblüts bey Seite, und begebe mich
des Vortheils, der Blutsverwandte eines Königs zu seyn, (worauf du
aus Zagheit, nicht aus Ehrfurcht dich beruffen hast.) Wenn das
bebende Bewußtseyn deiner Schuld dir noch so viel Stärke übrig
gelassen hat, dieses Pfand meines Ehrenworts anzunehmen, so büke
dich. Bey diesem, und bey allen andern Gesezen der Ritterschaft
mach’ ich mich anheischig, das was ich gesprochen habe, Arm gegen
Arm, dir zu beweisen.

Mowbray.
Ich heb’ ihn auf, und bey diesem Schwerdt schwör’ ich, dessen
sanfter Schlag die Ritterschaft auf meine Schulter legte; daß ich
dir mit Speer und Schwerdt, nach ritterlichem Brauch und Sitte
antworten will, und wenn ich mein Pferd besteige, möge ich nicht
gesund wieder absteigen, wofern ich ein Verräther bin, oder für
eine ungerechte Sache kämpfe!

König Richard.
Was ist es dann, was unser Vetter den Mowbray bezüchtiget? Es muß
etwas Grosses seyn, was uns vermögen kan, dem blossen Gedanken
einer bösen Gesinnung von seiner Seite Plaz zu geben.

Bolingbroke.
Höret was ich sage, mein Leben soll beweisen, daß es Wahrheit ist;
dieser Mowbray, sage ich, hat achttausend Nobels* aufgenommen,
unter dem Vorwand Eu. Hoheit Kriegs-Völker damit zu unterhalten,
solche aber wie ein Verräther und schelmischer Bube zurük behalten,
und für sich selbst zu lüderlichem Gebrauch angewandt. Überdas
sag’ ich, und will es durch einen Zweykampf beweisen, entweder hier,
oder anderswo, sey es bis auf dem äussersten Stük Landes, das
jemals ein Engländisches Aug’ übersehen hat, daß alle Verräthereyen,
die seit achtzehn Jahren in diesem Königreich angezettelt worden,
von diesem treulosen Mowbray ihren ersten Ursprung genommen haben.
Ferner sag’ ich, und will es auf seinen ehrlosen Kopf beweisen, daß
er Ursächer der Ermordung des Herzogs von Glocester war; daß er es
war, der seine leichtgläubige Feinde aufstiftete, und daß er
folglich es war, der wie ein feiger schelmischer Meuchelmörder sein
unschuldiges Blut vergoß, welches izt, gleich Abels Blut, aus den
stummen Gewölben der Erde zu mir um gerechte und strenge Rache
schreyt. Und, bey dem glorreichen Werth dieses Bluts, das in
meinen eignen Adern fließt, dieser Arm soll es vollziehen, oder
dieses Leben soll aufgeopfert werden.

{ed.-* Eine alte Münze, die an Werth etwas über sechs Englische
Schillings betragen haben soll.}

König Richard.
Was sagst du hiezu, Thomas von Norfolk?

Mowbray.
O möchte mein Gebietender Herr sein Angesicht wenden, und seinem
Ohr einen Augenblik taub zu seyn befehlen, bis ich diesem
Schandflek seines Bluts gesagt habe, wie sehr Gott und Menschen
einen so schändlichen Lügner hassen.

König Richard.
Mowbray, unsre Augen und Ohren sind ohne Partheylichkeit; wär’ er
unser Bruder, ja wär’ er der Erbe unsers Reichs, wie er nur unsers
Vaters Bruders-Sohn ist, dennoch sollte, ich schwör’ es bey der
Majestät meines Scepters, eine so nahe Verwandtschaft mit unserm
geheiligten Blut ihm nicht das geringste Vorrecht geben, noch die
unbiegsam Festigkeit unsrer aufrichtigen Seele partheyisch machen.
Er ist unser Unterthan, Mowbray, wie du; rede frey und ungescheut,
ich erlaub’ es dir.

Mowbray.
So sag ich dann, Bolingbroke, in deinen verläumdrischen Hals hinein,
du lügst! Drey Theile von der Summe, die ich für Calais erhielt,
bezahlte ich an Sr. Hoheit Kriegs-Völker; das übrige behielt ich
mit Einwilligung, für eine Schuld zurük, die ich an meinen König zu
fordern hatte, den Rest der beträchtlichen Auslagen die ich machte,
da ich lezthin nach Frankreich reißte, die Königin abzuholen. Nun,
schluke diese Lüge hinab–Was Glocesters Tod betrift, so war ich’s
nicht, der ihn erschlug. Wofern jemand berechtigt seyn sollte, mit
einer solchen Beschuldigung wieder mich aufzutreten, so wär’ es der
ehrenvolle Vater meines Feindes, ihr mein edler Lord von Lancaster;
euch stellt’ ich einst hinterlistig nach dem Leben, ein Verbrechen,
das noch immer meine reuvolle Seele foltert; aber ich beichtete es,
eh ich leztmals das Sacrament empfieng, und ich bat euch so
aufrichtig um Verzeihung, daß ich sie erhalten zu haben hoffe. Diß
ist mein Vergehen; alles übrige, dessen er mich anklagt, ist der
Geifer eines grollsüchtigen, lügenhaften und höchst ausgearteten
Verräthers; und zum Zeichen daß ich Muth habe, dieses mit meinem
Leben zu beweisen, werf ich gleichfalls mein Pfand vor dieses
übermüthigen Verräthers Füsse hin; in dem besten Blut, das in
seinem Herzen wallt, will ich beweisen, daß ich ein rechtschaffner
Edelmann bin; und damit ich nicht lange verziehen müsse, bitte ich
Eu. Hoheit herzlichst, den Tag zu unserm Zweykampf anzusezen.

König Richard.
Ergrimmte Edle, laßt euch von euerm Fürsten zähmen; laßt uns diese
Galle ohne blutvergiessen ausführen; Eure Wuth würde zu tiefe
Einschnitte machen, und unsre Ärzte sagen, es sey izt nicht Zeit
zum Bluten. Vergeßt, vergebt, vergleicht euch, und werdet
zufrieden; mein lieber Oheim, helft mir diesen Zwist in seiner
Geburt erstiken; wir wollen den Norfolk besänftigen, ihr euern Sohn.

Gaunt.
Es kan meinen Jahren nicht übel anstehen, wenn ich ein
Friedensstifter bin. Sohn, wirf des Herzogs von Norfolk Pfand
wieder hin.

König Richard.
Und ihr, Norfolk, werfet seines hin.

Gaunt.
Wie, Harry, du zögerst? Muß ich zweymal Gehorsam verlangen?

Mowbray.
Mich selbst, mein Gnädigster Souverain, werf’ ich zu deinen Füssen;
mein Leben kanst du fordern, aber nicht meine Ehre. Jenes ist
meine Lehens-Pflicht dir schuldig; aber an meinen unbeflekten Namen
hast du (troz dem Tode, der auf meinem Grabe lebt **) kein Recht,
und nimmermehr werd’ ich zugeben, daß er zur Schande mißbraucht
werde. Ich bin hier angegriffen und beschimpft worden, bis in die
Seele mit der Verläumdung vergiftetem Speer durchstochen, und diese
tödtliche Wunde kan kein andrer Balsam heilen, als das Blut aus dem
Herzen, welches diesen Gift ausgeathmet hat.

{ed.-** Die Reime, womit dieses Stük hie und da verbrämt ist, sind
nach Pope’s Anmerkung, meist ausserordentlich schlecht, so schlecht,
daß dieser scharfsinnige Criticus vermuthet, sie seyen von einer
fremden Hand. Dieser jämmerliche Einfall, der in ( ) eingeschlossen
ist, und alle andre von dieser Art durch dieses ganze Stük, sind
dergleichen Reime, an die der Übersezer sich dann auch nicht
gebunden halten wird.}

König Richard.
Wuth muß Widerstand finden; gieb mir sein Pfand: Löwen machen
Leoparden zahm.

Mowbray.
Ja, aber sie löschen ihre Fleken nicht aus; nehmt nur meine
Beschimpfung von mir, so will ich mein Pfand abtreten. Mein
theurer, theurer Gebieter, der ächteste Schaz eines Mannes ist
unbeflekte Ehre; ist diese verlohren, so sind Menschen nur
übergüldeter Leim oder gemahlter Koth. Meine Ehre ist mein Leben,
sie sind in eins verwachsen; nehmt mir meine Ehre, so habt ihr mein
Leben genommen. So laßt mich dann meine Ehre bewähren, mein
theurer Oberherr; in ihr leb’ ich, und für sie will ich sterben.

König Richard.
Vetter, werft euer Pfand hin, macht ihr den Anfang.

Bolingbroke.
Der Himmel bewahre meine Seele vor einer so schändlichen
Niederträchtigkeit. Wie, ich sollte mich vor meines Vaters Augen
überwunden geben, oder mit einem blassen Bettler-Gesicht mich
selbst vor diesem ausgeschämten Bastard anklagen? Eh meine Zunge
einen solchen Laut von sich geben soll, eh sollen meine Zähne das
sclavische Werkzeug der wiederruffenden Feigheit durchschneiden und
sie blutend in Mowbrays schändliches Antliz speyen.

(Gaunt geht ab.)

König Richard.
Wir sind nicht gebohren zu bitten, sondern zu befehlen; und da wir
dieses nicht können, um euch auszusöhnen, so haltet euch, so gewiß
als euer Leben dafür antworten soll, bereit, auf Sct. Lamberts Tag
zu Coventry zu erscheinen. Dort sollen eure Lanzen und Schwerdter
den schwellenden Zwist eures tiefgewurzelten Hasses entscheiden:
Lord Marschall, ertheilt euern Herolden und Officieren Befehl,
alles zu dieser feyerlichen Handlung zuzurüsten.

(Sie gehen alle ab.)

Dritte Scene.
(Der Schauplaz verwandelt sich in des Herzog von Lancaster Palast.)
(Gaunt und Herzogin von Glocester treten auf.)

Gaunt.
Ach, Schwester! Denkt ihr, daß eure Ausruffungen mich stärker als
der Bruder-Name treiben können, gegen die Mörder von Gloster’s
Leben zu entbrennen? Aber da die Bestraffung dieser Übelthat in
den nemlichen Händen ligt, welche die Übelthat begangen haben, so
laßt uns unsre Sache dem Himmel anheim stellen, der, wenn er die
Stunde dazu auf Erden gereift sieht, heisse Rache auf der
Verbrecher Haupt regnen wird.

Herzogin.
Ist das alles, wozu der Name deines ermordeten Bruders dich treiben
kan! Hat die Liebe nicht mehr Wärme in deinem alten Blut? Edwards
sieben Söhne, wovon du selbst einer bist, waren wie sieben Phiolen
mit seinem geheiligten Blut angefüllt, oder wie sieben schöne
Zweige, aus einem Stamm entsprossen; einige von diesen sieben
Phiolen sind durch den Lauf der Natur ausgetroknet, einige von
diesen Ästen durch das Schiksal abgeschnitten; aber Thomas, mein
theurer Gemal, mein Gloster, (eine Phiole voll von Edwards
geheiligtem Blut, ein blühender Zweig aus seinem königlichen Stamm)
ist gewaltthätig zerbrochen, und all sein kostbarer Saft
verschüttet, ist umgehauen und alles sein Sommerlaub verwelkt,
durch die Hand des Neids zerbrochen, durch des Meuchelmords blutige
Axt umgefällt–Und du kanst gelassen bleiben? O, Gaunt, sein Blut
war auch deines; eben dieses Ehebett, eben dieser Mutterleib,
dieser Stoff, diese nemliche Form, so dich bildeten, machten ihn
zum Menschen; in ihm, ob du gleich lebst und athmest, bist auch du
erschlagen, ja du willigst gewisser Maassen in deines Vaters Tod
ein, indem du deinen unglükseligen Bruder, ihn, der ein Theil von
deines Vaters Leben war, so gleichgültig sterben siehst. Nenn’ es
nicht Geduld, Gaunt, es ist Muthlosigkeit; indem du so gelassen
duldest, daß dein Bruder erschlagen worden, zeigst du den nakten
Pfad zu deinem eignen Leben, und lehrst den unerbittlichen Mord
dich auch zu mezeln. Das, was wir an gemeinen Menschen Geduld
nennen, ist blasse, kalte Feigheit in einer edeln Brust. Was soll
ich noch mehr sagen? Du kanst dein eignes Leben nicht besser
sicher stellen, als wenn du Glosters Tod rächest.

Gaunt.
Diese Sache ist Gottes Sache; denn Gottes Substitut, sein gesalbter
Statthalter, hat seinen Tod verursacht; geschah es unrechtmäßig, so
überlaßt Gott die Rache; ich werde niemals einen feindseligen Arm
gegen seinen Diener aufheben.

Herzogin.
Gegen wen, ach! gegen wen mag ich dann, ich Unglükselige, über
mein Unrecht mich beklagen?

Gaunt.
Gegen den Himmel, den Beschüzer der Wittwe.

Herzogin.
Nun dann, so will ich; lebe wohl, alter Gaunt, lebe wohl. Du gehst
nach Coventry, ein Zuschauer des Kampfs zwischen unserm Bruder
Herford und dem lasterhaften Mowbray zu seyn. O, Himmel, lege
meines Gemals erlidtnes Unrecht auf Herfords Speer, damit er des
mördrischen Mowbrays Brust durchbohre; oder wenn unglüklicher Weise
sein Speer ihn verfehlt, o! so laß Mowbrays Verbrechen so schwer
in seinem Busen werden, daß es seinem schäumenden Rosse den Naken
breche, und der Reuter, so lang er ist, in die Schranken falle, ein
dem Tod verfluchtes Opfer, wiewol unwürdig von Herfords edler Hand
zu sterben. Lebe wohl, alter Gaunt; die Unglükliche, die einst
deines Bruders Weib war, hat nun keinen andern Gespielen als einen
Jammer, der nur mit ihrem Leben enden kan.

Gaunt.
Schwester, lebet wohl; ich muß nach Coventry.

Herzogin.
Nur noch ein Wort; der Schmerz wird nie fertig; empfiehl mich
meinem Bruder Edmund von York; sieh’, das ist alles–Nein, geh’
noch nicht–Ob diß gleich alles ist, so geh’ nicht so schnell, es
wird mir noch mehr beyfallen. Sag’ ihm–O was? Sag’ ihm, er solle
mich, so bald als möglich, zu Plaschie besuchen. Aber, ach, was
wird der gute alte York dort sehen, als leere Gemächer und öde
Wände, unbevölkerte Nebenzimmer und unbetretne Steine? Was für
einen andern Willkomm wird er hören, als meine Klagen? Sag’ ihm
also–Nein, laß ihn nicht hinkommen. Was kan sein Mitleiden mir
helfen. Auf allen Seiten trostlos, will ich geh’n und sterben; diß
lezte Lebewohl nimmt mein weinendes Auge von dir!

(Sie gehen ab.)

Vierte Scene.
(Die Schranken zu Coventry.)
(Der Lord Marschall, und der Herzog von Aumerle treten auf.)

Marschall.
Milord Aumerle, ist Harry Herford bewaffnet?

Aumerle.
Ja, vom Fuß bis zum Kopf, und wartet ungeduldig hereingelassen zu
werden.

Marschall.
Auch der Herzog von Norfolk wartet voll ungeduldigen Feuers auf die
Trompete des Appellanten.

Aumerle.
Die Kämpfer sind also gerüstet, und erwarten nur die Ankunft seiner
Majestät.

(Die Trompeten erschallen; und der König erscheint mit seinen Edeln;
nachdem sie sich gesezt haben, tritt der Herzog von Norfolk, als
Appellat, in voller Rüstung auf.)

König Richard.
Marschall, erforsche von jenem Ritter die Ursache, warum er hier in
Waffen erscheint; frag’ ihn nach seinem Namen, und lege ihm den
gesezmäßigen Eid zu schwören auf.

Marschall.
In Gottes und des Königs Namen, sage wer bist, und warum erscheinst
du hier in dieser ritterlichen Rüstung? Gegen wen kommst du, und
was ist deine Sache? Antworte bey deiner ritterlichen Ehre, und
auf deinen Eid, und so beschüze dich der Himmel und deine
Tapferkeit!

Mowbray.
Mein Nam’ ist Thomas Mowbray, Herzog von Norfolk, und ich erscheine
hier bey meinem Wort, das einem Ritter unverlezlich heilig seyn
soll, beydes meine Treue und ritterliche Ehre zu Gott, meinem König
und meinen Nachkommen, wider den Herzog von Hereford, meinen
Ankläger, zu behaupten, und mit Gottes Gnade und der Stärke meines
Arms ihm durch meine Vertheidigung zu beweisen, daß er ein
Verräther gegen Gott, meinen König und mich ist; und so wie ich für
eine gerechte Sache fechte, so schüze mich der Himmel! (Die
Trompeten erschallen; Bolingbroke, als ein Appellant, tritt in
vollen Rüstung auf.)

König Richard.
Marschall, frage jenen bewaffneten Ritter wer er ist, warum er hier
in diesem kriegrischen Aufzug erscheint? Und laß ihn, unsern
Gesezen gemäß, förmlich auf die Gerechtigkeit seiner Sache schwören.

Marschall.
Wie ist dein Nahme, und warum kommst du vor König Richards
Gegenwart, in seine königliche Schranken? Gegen wen kommst du und
was hast du für eine Sache? Rede, wie ein rechtschaffner Ritter,
und so beschüze dich der Himmel!

Bolingbroke.
Ich bin Heinrich von Hereford, Lancaster und Derby, und stehe hier
in dieser Waffenrüstung, durch Gottes Gnade und meine Tapferkeit
gegen Thomas Mowbray Herzog von Norfolk zu beweisen, daß er ein
schändlicher und verderblicher Verräther an Gott im Himmel, dem
König Richard und an mir ist, und so wie ich für Recht und Wahrheit
kämpfe, beschüze mich der Himmel!

Marschall.
Bey Strafe des Todes erfreche sich niemand, diese Schranken zu
berühren, als der Marschall, und diejenigen Officiers, welche zu
Anordnung des Kampfs bestellt sind.

Bolingbroke.
Lord Marschall, laßt mich meines Königs Hand küssen und meine Knie
vor seiner Majestät beugen; Mowbray und ich sind wie zween Männer,
die eine lange und gefährliche Pilgrimschaft geloben; es sey uns
also vergönnt einen feyrlichen Abschied von unsern Freunden zu
nehmen.

Marschall.
Der Kläger bittet sich die Gnade aus, Euer Majestät seine
Schuldigkeit zu bezeugen, und seinen Abschied zu nehmen.

König Richard.
Wir wollen herabsteigen, und ihn in unsre Arme schliessen. Vetter
von Hereford, so wie deine Sache gerecht ist, so sey dein Glük in
diesem königlichen Kampfe! Fahre wohl, mein Blut; und wenn dein
Verhängniß ist, es an diesem Tag zu vergiessen, so werden wir
trauren, aber keine Rache an dem Thäter nehmen.

Bolingbroke.
O laßt kein edles Aug’ eine Thräne für mich entweihen, wenn ich
durch Mowbrays Lanze falle! Aber so muthig wie ein Falke auf einen
Vogel schießt, geh’ ich mit Mowbray zu fechten. Mein theurer Herr,
ich nehme meinen Abschied von euch, und von euch, mein edler Vetter,
Lord Aumerle–nicht niedergeschlagen, ob ich gleich eine tödtliche
Arbeit vor mir habe, sondern munter, jugendlich, und frölich
athmend–O du, der irdische Schöpfer meines Wesens,

(zu Gaunt.)

dessen ehmaliger Jugend-Geist in mir wiedergebohren, mich mit
zwiefacher Stärke emporhebt, den Sieg zu erreichen, der über meinem
Haupte schwebt; stähle meine Rüstung durch dein Gebet, und schärfe
durch deinen Segen die Spize meiner Lanze, daß sie Mowbrays
gewichstes Wamms durchdringen und dem Namen Johann von Gaunt durch
das edle Betragen seines Sohns einen neuen Glanz gebe!

Gaunt.
Der Himmel begünstige dich in deiner gerechten Sache! Sey behend
im Streit wie der Bliz, und laß deine Streiche, zweymal verdoppelt,
wie betäubende Donnerschläge auf den Helm deines verderblichen
Gegners herab stürzen. Feure dein jugendliches Blut an, sey tapfer,
und lebe!

Bolingbroke.
So helfen mir meine Unschuld, Gott, und St. George!

Mowbray.
Was für ein Loos auch der Himmel oder das Glük für mich ziehen mag,
so leb’ oder sterb’ ich hier, getreu an König Richards Thron, ein
pflichtmäßiger, redlicher und rechtschaffner Edelmann! Nie hat ein
Gefangner mit einem frohern Herzen seine Ketten abgeworfen, und
seine goldne unabhängige Befreyung umfaßt, als womit meine tanzende
Seele an diesem Kampf mit meinem Feind, wie an einem Freuden-Fest
sich erlustiget. Großmächtigster Oberherr, und ihr meine edlen
Freunde, empfangt aus meinem Munde den Wunsch glüklicher Jahre! So
freudig und guten Muths wie zu einem Ritterspiel, geh’ ich zu
diesem Kampf; Redlichkeit hat ein ruhiges Herz.

König Richard.
Fahre wohl, Milord; ich sehe Tugend und Muth ruhig in deinen Augen
ligen. Ordnet den Kampf an, Marschall, und beginnt!

Marschall.
Heinrich von Hereford, Lancaster und Derby, empfange diese Lanze,
und der Himmel schüze dein Recht!

Bolingbroke.
Fest in Hoffnung wie ein Thurm, ruf ich Amen!

Marschall.
Geh, bringe diese Lanze Thomas, Herzogen von Norfolk.

1. Herold.
Heinrich von Hereford, Lancaster und Derbey, steht hier für Gott,
seinen Lehnsherrn und ihn selbst, bey Straffe falsch und meineidig
erfunden zu werden, zu beweisen, daß Thomas Mowbray, Herzog von
Norfolk ein Verräther an seinem Gott, seinem König und ihm sey,
muthig steht er hier und fordert ihm zum Kampf auf!

2. Herold.
Hier steht Thomas Mowbray, Herzog von Norfolk, bey Straffe falsch
und meineidig erfunden zu werden, beydes sich selbst zu
vertheidigen, und zu beweisen, daß Heinrich von Hereford, Lancaster
und Derbey ein Verräther an Gott, seinem Lehnsherrn, und ihm sey;
und er wartet muthvoll und mit Verlangen auf das Zeichen zum Anfang.

(Man blaßt zum Angriff.)

Marschall.
Blaset Trompeten, und ihr Kämpfer, rüket aus–Doch halt! Der König
hat seinen Stab hingeworffen.

König Richard.
Laßt sie ihre Helme und Lanzen bey Seite legen, und beyde zu ihren
Stühlen zurük kehren; entfernt euch mit uns, und laßt die Trompeten
schallen, bevor wir diesen Herzogen unsern Willen kund thun.

(Trompeten.)

König Richard (Zu den Kämpfern:)
Kommt näher herbey, und höret, was wir mit unserm Rath gethan haben.
Damit die Erde unsers Königreichs nicht mit diesem kostbaren
Blute besudelt werde, dessen Mutter sie ist, und weil unsre Augen
den gräßlichen Anblik bürgerlicher Wunden hassen, die von
nachbarlichen Schwerdtern gegraben werden, und weil wir denken, daß
nichts anders als der Adlerbeschwingte Stolz ehrsüchtiger und
himmelan-strebender Gedanken euch mit eifersüchtigem Haß erfüllt
und aufgereizt hat, den Frieden, der gleich einem
sanftschlummernden neugebohrnen Kind, in der Wiege unsers
mütterlichen Landes zu schlafen angefangen, wieder aufzuweken. Aus
diesen Ursachen verbannen wir euch, Vetter von Hereford, bey
Straffe des Todes aus unsern Gebieten; bis zehen Sommer unsre
Felder bereichert haben, sollt ihr unsre blühenden Herrschaften
nicht wieder grüssen, sondern die fremden Pfade der Verbannung
betreten.

Bolingbroke.
Euer Wille geschehe! Mein Trost muß seyn, daß die nemliche Sonne,
die euch hier erwärmt, mich bescheinen wird, und daß eben diese
goldnen Stralen, die sie euch hier leiht, meine Verbannung
vergülden werden.

König Richard.
Norfolk, auf dich wartet ein strengeres Urtheil, wiewol ich es
nicht ohne Widerwillen anspreche. Die schnellgeflügelten Stunden
werden deiner Verbannung kein Ziel bestimmen; das hoffnunglose Wort,
nicht wiederzukehren, athme ich gegen dich bey Straffe des Todes.

Mowbray.
Ein hartes Urtheil, mein gebietender Oberherr, und aus Eurer Hoheit
Mund gar zu unerwartet! Ich habe eine bessere Belohnung von Eurer
Hand verdient, als so verstümmelt an die freye Luft hingeworfen zu
werden. Die Sprache, die ich nun vierzig Jahre gelernt habe, mein
angebohrnes Englisch, muß ich nun vergessen, und meine Zunge wird
mir künftig nicht mehr nüzen, als eine unbesaitete Harfe, oder als
ein feines Instrument in der Hand dessen, der es nicht zu spielen
weiß. Ihr habt meine Zunge in meinen Mund eingekerkert, und stumme,
gefühllose, unfruchtbare Unwissenheit ist der Kerkermeister, der
mich bewachen soll. Ich bin zu alt, mich an den Busen einer neuen
Säugamme zu schmiegen, oder wieder ein Lehrknabe zu werden. Was
ist also Euer Urtheil, als die Verdammung zu einem sprachlosen Tod,
der meiner Zunge das Leben nimmt?

König Richard.
Vergebens bemühst du dich unser Mitleiden zu erweken; Nachdem unser
Urtheil ausgesprochen ist, kommen Klagen zu spät.

Mowbray.
So entweich ich dann aus dem Tag meines Vaterlands, um mein Leben
in den traurigen Schatten einer hoffnunglosen Nacht zu enden.

König Richard.
Kommt wieder zurük und nehmt einen Eid mit euch. Legt eure
verbannten Hände auf eure königlichen Schwerdter, und schweert bey
eurer Pflicht zum Himmel, (den Antheil, den wir daran haben,
verbannen wir mit euch selbst*) daß ihr den Eid halten wollet, den
wir euch auferlegen. Nimmer sollt ihr während eurer Verbannung
euch mit einander aussöhnen, keiner soll des andern Angesicht sehen,
keiner auf welche Art es sey, einige Gemeinschaft mit dem andern
unterhalten, vielweniger durch verabredete Entwürfe irgend etwas
böses gegen uns, unsern Staat, unsre Unterthanen, und unser Land
anzuspinnen oder auszuführen suchen; schwört diß, so wahr euch der
Himmel helfe!

{ed.-* Es ist eine Frage, worüber unter den Lehrern des Völker-Rechts
viel gestritten worden, ob ein Verwiesener dem Staat, der ihn
verbannt hat, dem ungeachtet mit der Pflicht der Treue zugethan sey.
Cicero und der Lord Canzler Clarendon bejahen sie; Hobbes und
Puffendorf behaupten das Gegentheil. Unser Autor scheint in dieser
Zeile der leztern Meynung zu seyn. Warburton.}

Bolingbroke.
Ich schwöre.

Mowbray.
Und ich; alles diß zu halten.

Bolingbroke.
Norfolk, hätte der König es uns zugelassen, so wanderte izt die
Seele von einem unter uns beyden in der Luft, verbannt aus unserm
Leibe, wie izt unser Leib aus diesem Lande verbannt ist. Bekenne
deine Verräthereyen, eh du aus diesem Reiche fliehst; schleppe
nicht auf eine so weite Reise die hemmende Bürde einer schuldigen
Seele mit dir.

Mowbray.
Nein, Bolingbroke; wann ich jemals ein Verräther war, so werde mein
Nam’ aus dem Buch des Lebens ausgelöscht, und ich vom Himmel wie
von hinnen verbannt! Aber was du bist, das ist dem Himmel, dir und
mir bekannt, und nur allzu bald, besorg’ ich, wird es der König mit
Reue erfahren. Lebet wohl, mein gebietender Herr; da ich England
den Rüken kehren muß, ist jeder Weg mir gleich.

(Er geht ab.)

Fünfte Scene.

König Richard (Zu Gaunt.)
Oheim, ich sehe den Gram deines Herzens in den Spiegeln deiner
Augen; dein kummervolles Aussehen hat von der Zahl seiner
verbannten Jahre viere abgerissen; wenn sechs Winter verflossen
sind, Bolingbrok, so kehre, mir willkommen, von deiner Verbannung
heim.

Bolingbroke.
Welch eine lange Zeit ligt in einem einzigen kleinen Wort! Vier
langsame Winter und vier muntre Frühlinge verliehren sich in einem
Wort, so mächtig ist der Athem der Könige.

Gaunt.
Ich danke meinem gebietenden Herrn, daß er, in Ansehung meiner,
meines Sohnes Verbannung um vier Jahre abkürzt; aber was wird diese
Mildigkeit mir helfen, da eh die sechs, die er verliehren muß,
verflossen sind, meine vom Alter aufgezehrte Lampe verloschen seyn
kan?

König Richard.
Wie, Oheim, du hast noch viele Jahre zu leben.

Gaunt.
Aber keine Minute, König, die du geben kanst; du kanst meine Tage
durch Gram abkürzen, du kanst Nächte von meinem Leben abreissen,
aber du kanst mir keinen Morgen leihen; du, du kanst der Zeit
helfen mich früher alt zu machen, aber keine einzige Falte von
meiner Stirne nehmen; du kanst durch ein Wort meinen Tod gebieten,
aber wenn ich todt bin, ist dein Königreich zu wenig, mir nur einen
Athemzug zu kauffen.

König Richard.
Dein Sohn ist auf Einrathen unsers Staats-Rathes verbannt, und du
selbst hast deine Stimme dazu gegeben; warum rümpfest du izt die
Stirne über unsre Gerechtigkeit?

Gaunt.
Dinge, die im Münde süß sind, werden in der Verdauung sauer; ihr
dranget in mich, daß ich als ein Richter reden sollte; aber ich
wollte lieber ihr hättet mir befohlen als ein Vater zu reden. O!
wär’ es ein Fremder gewesen, und nicht mein Sohn, ich würde ein
gelinderes Urtheil ausgesprochen haben. Weh mir! ich besorgte,
man möchte mir eine übertriebne Nachsicht gegen die meinigen Schuld
geben, und den Vorwurf der Partheylichkeit zu vermeiden, hab’ ich
durch meine Stimme mir selbst das Leben abgesprochen.

König Richard.
Vetter, lebe wohl; und ihr, Oheim, nehmt euern Abschied von ihm;
wir verbannen ihn auf sechs Jahre, und er soll gehen.

(Geht ab.)

Sechste Scene.

Aumerle.
Vetter, leb wohl! Was wir uns gegenwärtig nicht sagen können, das
laßt aus dem Ort eures Aufenthalts, eure Briefe sagen.

Marschall.
Milord, ich beurlaube mich nicht von euch; denn ich will an eurer
Seite reiten, so weit mich das Land tragen wird.

Gaunt.
Warum bist du so sparsam mit deinen Worten, daß du die verbindliche
Reden deiner Freunde nicht beantwortest?

Bolingbroke.
Ich habe ihrer zu wenige, zum Abschied nehmen, da meine Zunge
verschwendrisch seyn sollte, den überströmenden Schmerz meines
Herzens auszuathmen.

Gaunt.
Du hast keinen andern Schmerz als deine Abwesenheit; was sind sechs
Winter? sie sind schnell vorüber.

Bolingbroke.
Für die Glüklichen; der Kummer macht aus einer Stunde zehen.

Gaunt.
Nenn es eine Reise, die du für dein Vergnügen machst.

Bolingbroke.
Mein seufzendes Herz würde mich lügen heissen, wenn ich eine
Lustreise nennen wollte, was ihm eine gezwungne Pilgrimschaft ist.

Gaunt.
Alle Örter die des Himmels Auge besucht, sind für den weisen Mann
sichre Porte, und Himmel voll Wonne. Lehre die Nothwendigkeit so
denken, es ist keine Tugend über die Nothwendigkeit. Denke nicht,
der König habe dich verbannt, sondern du den König. Ein Ungemach
drükt uns nur heftig, wenn wir es unmännlich tragen. Geh, sage,
ich habe dich weggeschikt, Ruhm zu erwerben; nicht, der König habe
dich verbannt. Oder bilde dir ein, es hange fressende Pestilenz in
unsrer Luft, und du fliehest unter einen reinen Himmel. Sieh,
alles was deiner Seele theuer ist, davon bilde dir ein, es lig’ in
dem Weg den du gehst, nicht in dem, so du verlässest; bilde dir ein,
die Vögel seyen Musicanten; das Gras worauf du trittst, der
Fußboden eines grossen Saals; die Blumen, schöne Damen; und deine
Schritte, ein frölicher Tanz. Der Kummer beißt nur schwach, sobald
man einen Scherz daraus macht.

Bolingbroke.
O, wer kan Feuer in seiner Hand tragen, und an den befrornen
Caucasus denken? Wer kan den nagenden Hunger durch die blosse
Erinnrung an ein Gastmahl stillen; oder, wenn er nakend im December-
Schnee gienge, sich durch die Vorstellung eines phantastischen
Sommers erwärmen? O nein, die Vorstellungen des Guten schärfen nur
das schmerzhafte Gefühl des Bösen, und der Zahn des giftigen
Kummers–

Gaunt.
Komm, komm, mein Sohn, ich will dich ein Stük Weges begleiten;
hätt’ ich deine Jugend und deine Sache, ich wollte keinen Augenblik
zögern.

Bolingbroke.
So gehabe dich dann wohl, Engländischer Boden! Gehabe dich wohl,
mein mütterliches Land, meine Säugerin, die noch diese kurzen
Augenblike mich trägt. Wohin ich auch wandre, kan ich doch,
obgleich verbannt, mich rühmen, daß ich ein echter Engländer bin.

(Sie gehen ab.)

Siebende Scene.
(Der Hof.)
(König Richard, Bagott, Green, u.s.w. treten zu einer, und
Lord Aumerle zu der andern Thür herein.)

König Richard (zu Bagott.)
In der That, wir bemerkten es auch–Vetter Aumerle, wie weit habt
ihr den hohen Hereford begleitet?

Aumerle.
Ich begleitete den hohen Hereford, wenn ihr ihn so nennen wollt,
nicht weiter als bis an die nächste Landstrasse, und dort verließ
ich ihn.

König Richard.
Und saget, sind viele Thränen beym Abschied vergossen worden?

Aumerle.
Meiner Treue, von mir keine, ausser daß der Nord-Ostwind, der uns
sehr scharf ins Gesicht blies, mir ein wenig Wasser aus den Augen
preßte, und dadurch von ungefehr unsern kalten Abschied mit einer
Thräne zierte.

König Richard.
Was sagte euer Vetter, wie ihr Abschied nahmt?

Aumerle.
Leb wohl!–und weil sich mein Herz nicht überwinden konnte, meine
Zunge dieses Wort so entheiligen zu lassen, so stellte ich mich,
als ob ich so betrübt sey, daß ich vor Schmerz nicht reden könne.
Auf meine Ehre, wenn das Wort Lebwohl die Stunden hätte verlängern
und Jahre zu seiner Verbannungs-Zeit hinzu thun können, er sollte
eine ganze Last Lebewohl bekommen haben; aber weil das nicht war,
so kriegte er keines von mir.

König Richard.
Er ist unser Anverwandter, Vetter, aber es ist zweifelhaft, ob er,
wenn ihn die Zeit aus seiner Verbannung einst zurük beruft, als
unser Freund wieder kommen wird. Wir selbst, und Bagot hier, und
Buschy, und Green, haben beobachtet, wie er dem gemeinen Volke den
Hof machte; wie er mit demüthiger und vertraulicher Höflichkeit
sich in ihren Herzen unterzutauchen schien; was für Reverenze er
auf der Strasse vor Sclaven hinwarf; wie er das Mitleiden der
ärmsten Handwerksleute durch die Zauberey seines Lächelns und die
scheinbare Geduld, womit er sich seinem Unglük unterzog, zu
erschleichen suchte. Als ob er verlangte, daß sie ihre Liebe und
ihre Wünsche mit ihm verbannen sollten. Er zog seinen Hut vor
einem Austern-Mensch ab, und ein paar Karrenzieher, die ihm
zurieffen: Gott geleit ihn! empfiengen den Tribut seiner biegsamen
Knie mit–grossen Dank, meine Landsleute, meine lieben Freunde;
gleich als wäre England sein künftiges Erbtheil, und er die nächste
Hoffnung unsrer Unterthanen.

Green.
Gut, er ist nun fort, und diese Gedanken mögen mit ihm gehen; eine
wichtigere Sorge ist izt, Gnädigster Herr, wie den Aufrührern in
Irland zu begegnen sey, eh ein längerer Aufschub ihnen mehr Mittel
zu ihrem Vortheil und Eurer Majestät Schaden darbietet.

König Richard.
Wir wollen diesem Krieg in Person beywohnen; und weil unsre Kisten
durch den Aufwand eines zu grossen Hofes, und durch unsparsame
Freygebigkeit in etwas leicht worden sind, so sehen wir uns
genöthiget, unsre Cron-Einkünfte zu verpachten; die Summen die uns
dadurch eingehen, werden für die gegenwärtigen Angelegenheiten
zureichen; und wenn sie auch ausgehen, so wollen wir unsern
Substituten in England Vollmachten geben, alle reichen Leute, die
ihnen bekannt werden, nach Proportion um beträchtliche Summen Gelds
zu taxieren, und uns selbige nachzuschiken; denn wir wollen uns
ungesäumt nach Irland erheben. (Buschy zu den Vorigen.)

König Richard.
Buschy, was giebt’s?

Buschy.
Der alte Johann von Gaunt ist krank, Gnädigster Herr, hat einen
plötzlichen Anstoß bekommen, und sendet einen Boten in gröster Eil
hieher, Euer Majestät zu bitten, ihn mit einem Besuch zu begnadigen.

König Richard.
Wo ligt er?

Buschy.
Zu Ely-House.

König Richard.
Nun gieb doch, gütiger Himmel, seinen Ärzten in den Sinn, ihm
ungesäumt in sein Grab zu helfen; das Futter von seinen Kisten
schikt sich vortreflich, unsern Soldaten für diesen Irländischen
Krieg Röke daraus zu machen. Kommt, meine Herren, wir wollen ihn
besuchen; Gott gebe, daß wir eilen und zu späte kommen!

(Sie gehen ab.)

Zweyter Aufzug.

Erste Scene.
(Ely-House.)
(Gaunt, der krank herein getragen wird; mit dem Herzog von York.)

Gaunt.
Will der König kommen, daß ich meinen lezten Athem in heilsamem
Rath für seine noch verbesserliche Jugend aushauchen kan?

York.
Plaget euch selbst nicht, und verschwendet nicht so die wenige
Kräfte, die ihr noch übrig habt; sein Ohr ist vor allem guten Rath
verschlossen.

Gaunt.
Aber man sagt doch, daß die Zungen sterbender Menschen, gleich der
zauberischen Harmonie zur Aufmerksamkeit nöthigen; sparsame Worte
werden selten vergebens aufgewandt, denn diejenigen sagen die
Wahrheit, die ihre Worte mit Schmerzen athmen müssen. Einer, der
bald aufhören wird zu reden, wird eher gehört, als diejenigen,
denen Jugend und Wohlaufseyn erlauben, sich in Worte zu ergiessen.
Man giebt mehr auf der Menschen Ende acht, als auf ihr Leben; wie
die Sonne nie mit mehr Vergnügen beschaut wird, als wenn sie
untergeht, und an einer Musik nichts aufmerksamer macht als der
Schluß. Ob Richard gleich die Räthe nicht hören wollte, die ich
ihm in meinem Leben gab, so mag vielleicht der ernste Ton des Todes
sein taubes Ohr durchdringen.

York.
Sein Ohr wird noch von andern Zaubertönen verstopft, als von dem
schmeichelnden Lobe seiner Regierung; überdas giebt es
ausschweiffende Gesellschafter, deren vergiftete Reden das
ungewahrsame Ohr der Jugend immer offen finden; Erzählungen von
Moden in dem stolzen Italien, dessen Sitten unsre blöde,
affenmäßige Nation, beständig auf eine plumpe Art nachahmet. Wo
treibt die Welt irgend eine Eitelkeit hervor, (wenn sie nur neu ist,
sie mag so nichtswürdig seyn als sie will,) die nicht
augenbliklich in seine Ohren gesumset wird? Wo der Wille, vom Wiz
unterstüzt, sich wider die Vernunft empört, da kommt guter Rath
allezeit zu spät; versuch’ es nicht, denjenigen leiten zu wollen,
der sein eigner Wegweiser seyn will; du würdest deinen Athem
verliehren, und das ist gerade was dir mangelt.

Gaunt.
Mich däucht, ich bin ein neubegeisterter Prophet, und sterbend
weissage ich so von ihm. Seine rasche, ausgelassene, unbezähmte
Jugendhize, kan nicht von langer Dauer seyn; ein heftiges Feuer
brennt sich bald selbst aus. Sanfte Regen dauren lange, plözliche
Stürme gehen bald vorüber; der wird bald müde, der anfangs die
Sporren zu stark gebraucht; und wer allzugierig ißt, hat am
bäldesten genug. Leichtsinnige Eitelkeit, nachdem sie wie ein
unersättlicher Vielfraß alle ihre Mittel verzehrt hat, wird bald
gezwungen, sich selbst aufzuzehren. Dieser glorreiche Königs-Thron,
diese bezepterte Insel, dieses majestätische Land, dieser Siz des
Kriegs-Gottes, dieses andre Eden, dieses feste Castell, das die
Natur für sich selbst aufgeworfen hat, um sich vor fremder
Anstekung und feindseligem Anfall zu sichern, dieser edle Stamm von
Menschen, dieser in die Silber-See eingefaßte Edelstein, dieser
kleine Inbegriff der Welt, dem der umgebende Ocean für eine Mauer,
oder für einen beschüzenden Graben gegen den Neid nicht so
glükseliger Länder dient; diese Mutter und Sängerin königlicher
Helden, welche ihr Vaterland furchtbar, ihre Geburt erlaucht, und
ihre Thaten ruhmwürdig machen, wegen ihres christlichen Eifers und
ihrer ritterlichen Tapferkeit so weit berühmt, als das Grab des
Welt-Erlösers, in dem verstokten Judenlande von uns entfernt ist;
dieses edle, würdige, theure Land, von dem glänzenden Ruhm seiner
Söhne über alle andre emporgehoben, ist nun ausgemiethet, (ich
sterbe, da ich es ausspreche) wie ein Pachthof oder Baurengut
ausgepachtet! England, von der triumphierenden See umwunden, deren
felsichtes Ufer den neidischen Siz des wäßrichten Neptuns
zurükschlägt, ist auf eine schändliche Art in Fesseln von Pergament
geworfen, und die Besiegerin andrer Völker hat eine schaamvolle
Eroberung von sich selbst gemacht.* O! möchte diese Schmach mit
meinem Leben sich enden, wie glüklich wäre mein Tod!

{ed.-* Was für eine Rede in dem Mund eines alten sterbenden Prinzen,
der sich über Engbrüstigkeit und kurzen Athem beklagt! Indessen
war dieses schülerhafte rhetorische Gewäsche, diese auf einander
gehäuften, übel zusammenpassenden Metaphern, und diese abmattenden
Tautologien, die allgemeine Mode in unsere Autors Zeit.}

Zweyte Scene.
(König Richard, die Königin, Aumerle, Buschy, Green, Bagot, Roß
und Willoughby zu den Vorigen.)

York.
Der König ist gekommen; gehet sanft mit seiner Jugend zu Werke;
junge feurige Füllen, wenn sie aufgebracht werden, rasen nur desto
mehr.

Königin.
Wie steht es um unsern edeln Oheim Lancaster?

König Richard.
Wie steht’s Mann? Was macht der alte Gaunt?

Gaunt.
O dieser Name schikt sich für meinen Zustand!* Ja wohl der alte
Gaunt, und nichts als Haut und Knochen (Gaunt) vor Alter! Der
Kummer in mir, hat eine verdrießliche Fasten gehalten, und wer wird
nicht mager, der sich des Fleisches enthalten muß? Lange hab’ ich
für das schlafende England gewacht, und Wachen zehrt ab und macht
mager. Das Vergnügen wovon einige Väter sich nähren, der Anblik
meiner Kinder ist mir gänzlich untersagt; und die Fasten, die du
mir hierinn auferlegt hast, hat mich ganz mager gemacht, mager für
das Grab, mager wie ein Grab, dessen holer Leib nichts als Knochen
enthält.

{ed.-* Alle diese Wortspiele, die in dem Mund eines Tertianers
kindisch wären, und in dem Mund eines Sterbenden unerträglich sind,
gründen sich auf die Bedeutung des Namens Gaunt, der im Englischen
so viel heißt als mager, abgezehrt, der nur noch Haut und Knochen
hat.}

König Richard.
Können kranke Leute so spizfündig mit Worten spielen?

Gaunt.
Nein, aber Elend hat keine andre Kurzweile, als über sich selbst zu
spotten. [Weil du meinen Namen in mir zu tödten suchst, so spotte
ich meines Namens, Grosser König, um dir zu schmeicheln.**

{ed.-** Die Zeilen, die hier und in der Folge in [ ] eingeschlossen
sind, sind im Original in Reimen.}

König Richard.
Sollen sterbende Leute den lebenden schmeicheln?

Gaunt.
Nein, nein, die lebenden Leute schmeicheln den Sterbenden.

König Richard.
Du, ein Sterbender, sagst ja, du schmeichelst mir.

Gaunt.
O nein, du stirbst, ob ich gleich kränker bin.

König Richard.
Ich bin gesund, ich athme, und sehe daß du übel bist.

Gaunt.
O! der, der mich erschuf, weiß es, daß ich Dich übel sehe.] Mir
ist für mich selbst übel, aber gar zu übel, indem ich dich ansehe.
Dein Todbette ist nichts geringers als dein Land, worinn du an
deinem Ruhm krank ligst; und du, allzunachläßiger Patient,
übergiebst deine gesalbte Person den nemlichen Ärzten zu heilen,
die dich krank gemacht haben. Tausend Schmeichler sizen um den
Cirkel deiner Crone herum, und ob dieser Cirkel gleich nicht
grösser ist als dein Haupt, so verliehrst du doch mit ihm dein
ganzes Land, welches er umspannt. O hätte dein Großvater mit dem
Aug’ eines Propheten vorhersehen können, daß seines Sohns Sohn
seine Söhne zu Grund richten würde, er würde dir’s unmöglich
gemacht haben, dich selbst so zu entehren, indem er dich vor deiner
Einsezung entsezt hätte, dich, der izt eingesezt ist, um sich
selbst zu entsezen. Wie? Vetter! wärest du Herr der ganzen Welt,
so wär’ es dir doch schimpflich dein Land zu verpachten; aber da
deine ganze Welt in diesem einzigen Lande besteht, ist es nicht
mehr als Schande, es so zu entehren? Landsaß von England bist du,
nicht König. Deine gesezmäßige Oberherrlichkeit ist eine Leibeigne
des Gesezes, und du–

König Richard.
Und du, ein mondsüchtiger aberwiziger Narr, der auf das Privilegium
eines Fiebers hin, sich erfrecht, mit deinen kalten Erinnerungen
unsre Wange blaß zu machen, und das königliche Blut mit Ungestüm
von seinem natürlichen Siz zu treiben. Nun, bey der Majestät
meines angestammten Throns, wärst du nicht ein Bruder von dem Sohne
des grossen Eduard, die Zunge, die so frey in deinem Kopf herum
rennt, sollte deinen Kopf von deinen unehrwürdigen Schultern
herunter rennen.

Gaunt.
O schone meiner nicht, meines Bruder Edward’s Sohn, weil ich seines
Vater Edwards Sohn war. Das Blut das ich von ihm habe, hast du
längst wie ein Pelican, ausgezapft, und in trunknem Muth
verschmaußt. Mein Bruder Glocester, eine aufrichtige, wohlgesinnte
Seele, (glüklich möge sie unter des Himmels seligen Geistern seyn!)
hat schon zum Beyspiel dienen müssen, wie wenig du Bedenken trägst,
Edwards Blut zu vergiessen. Vereinige dich immerhin mit meiner
Krankheit, und brich durch deine Hartherzigkeit eine vorhin schon
welke Blume ab! Leb’ in deiner Schande, aber deine Schande sterbe
nicht mit dir! Und mögen diese meine lezten Worte künftig deine
Peiniger seyn! Tragt mich in mein Bette, und dann in mein Grab.
Die mögen leben, die Liebe und Ehre haben!

(Er wird hinweg getragen.)

König Richard.
Und laßt die sterben, die Alter und Launen haben; du hast beydes,
und beydes gehört in ein Grab.

York.
Ich bitte euer Majestät, seine Reden der verdrießlichmachenden
Krankheit und dem hohen Alter zu gut zu halten; er liebt euch, bey
meinem Leben, so sehr als Heinrich von Hereford, wenn er hier wäre.

König Richard.
Recht, ihr sagt die Wahrheit, wie Herefords Liebe, so ist seine,
und wie die ihrige so ist meine; und alles mag seyn wie es ist.

Dritte Scene.
(Northumberland zu den Vorigen.)

Northumberland.
Gnädigster Herr, der alte Gaunt empfiehlt sich Eurer Majestät.

König Richard.
Was sagt der alte Gaunt?

Northumberland.
Nichts mehr; er hat alles gesagt, was er zu sagen hatte; seine
Zunge ist nun ein Instrument ohne Saiten; Sprache, Leben und alles
hat den alten Lancaster verlassen.

York.
Möge York der nächste seyn, den dieses Schiksal trift. So arm der
Tod ist, so endet er doch alles sterbliche Weh.

König Richard.
Die reiffeste Frucht fällt zuerst; seine Zeit ist abgelauffen, und
die unsrige lauft noch; so viel hievon!–Nun müssen wir unsre
Aufmerksamkeit auf die Irländischen Unruhen richten; wir müssen
diese rohen zottelköpfichten Kernen* unterdrüken, eh die anstekende
Empörung weiter um sich frißt; und da diese grossen Geschäfte einen
ziemlichen Aufwand erfordern, so bemächtigen wir uns hiemit, zu
unsrer Unterstüzung alles baaren Gelds, Gold- und Silbergeschirrs,
aller Einkünfte, und aller beweglichen und unbeweglichen Güter, die
der alte Gaunt verlassen hat.

{ed.-* Nahme einer Art von leichtbewaffnetem Irländischem Fußvolk.}

York.
Wie lange werd’ ich noch Geduld behalten? O wie lange wird noch
eine, vielleicht zu schüchterne Empfindung meiner Pflicht, mich
jede Ungerechtigkeit geduldig leiden machen? Nicht Glosters Tod,
noch Herefords Verbannung, nicht Gaunts erlidtne Kränkungen, noch
Englands einheimische Wunden, noch meine eigne Verachtung, haben
mich jemals meine geduldige Stirne gegen meinen König rümpfen
gemacht. Ich bin der lezte von des grossen Edwards Söhnen, von
denen der Prinz von Wales, dein Vater der erste war. Im Krieg war
kein Löwe kühner, im Frieden kein Lamm sanftmüthiger, als dieser
edle junge Prinz. Du hast seine Gesichtsbildung, so sah er aus;
aber wenn er die Stirne runzelte, so war es gegen die Franzosen,
nicht gegen seine Freunde: Seine edle Hand gewann erst das was sie
ausgab, und verthat nicht, was sein siegreicher Vater gewonnen
hatte. Seine Hand wurde oft mit dem Blut der Feinde seines Hauses,
niemals mit dem Blut der Seinigen besudelt. O Richard! York muß
noch mehr sagen, oder er hat schon zu viel gesagt.

König Richard.
Wie, mein Oheim, was wollt ihr dann sagen?

York.
O mein Gnädigster Herr, vergebet mir, wenn es euch gefällt; wo
nicht, so laß ich mir auch gefallen, daß ihr mir nicht vergebt.
Ihr sucht euch der Ländereyen, Güter und Rechte des verbannten
Hereford zu bemächtigen? Wenn Gaunt todt ist, lebt nicht Hereford?
War Gaunt nicht redlich, und ist Heinrich nicht getreu? Verdiente
jener nicht, einen Erben zu haben? Ist nicht sein Erbe ein
verdienstvoller Sohn? Kanst du Herefords Rechte, kanst du seine
Titel, Urkunden und wohlhergebrachte Gerechtsame aufheben, und
gewiß seyn, ob du morgen noch seyn wirst, was du bist? Denn woher
bist du ein König, als durch das Recht der Erbfolge? Wenn ihr
gewaltthätiger Weise die Erbschaft Herefords an euch reissen, die
Vollmacht seines General-Procurators, in seinem Namen davon Besiz
zu nehmen, vernichten, und ihm die angebotne Huldigung versagen
wollt; so häuft ihr tausend Gefahren über euer Haupt, verliehrt
tausend wohlgesinnte Herzen, und reizet selbst meine sanftmüthige
Geduld zu Gedanken, welche Pflicht und Ehre nicht denken können.

König Richard.
Denkt was ihr wollt; wir nehmen alle seine Güter, Mobilien,
Baarschaften und Ländereyen, zu unsern Händen.

York.
Wenigstens will ich kein Augenzeuge davon seyn; lebet wohl, mein
gebietender Herr; was hieraus entstehen wird, kan niemand sagen.
Aber aus schlimmen Handlungen läßt sich ohne Mühe weissagen, daß
ihre Folgen nicht gut seyn können.

(Er geht ab.)

König Richard.
Geh, Buschy, ungesäumt zu dem Grafen von Wiltschire, und ersuch ihn
zu uns nach Ely-House zu kommen, und der Vollziehung dieses
Geschäftes vorzustehen. Morgen wollen wir nach Irland, es ist Zeit.
Indessen ernennen wir, während unsrer Abwesenheit, unsern Oheim
York zum Lord-Statthalter von England, denn er ist rechtschaffen,
und war uns jederzeit zugethan. Kommet, meine Königin; morgen
müssen wir uns scheiden; beruhigt euch, wir werden nicht lange
abwesend seyn.

(König Richard, Königin und Gefolge gehen ab.)

Vierte Scene.
(Northumberland, Willoughby und Roß bleiben.)

Northumberland.
Nun, Milords, der Herzog von Lancaster ist todt.

Ross.
Und lebt wieder in seinem Sohn, der nun Herzog von Lancaster ist.

Willoughby.
Dem Namen, nicht den Einkünften nach.

Northumberland.
Beyden nach, wenn Gerechtigkeit ihr Recht erhält.

Ross.
Mein Herz ist voll; aber es muß von Schweigen brechen, eh ihm eine
freymüthige Zunge leichter machen kan.

Northumberland.
Bezieht sich das, was ihr reden möchtet, auf den Herzog von
Hereford, so sagt es kühnlich heraus, Mann; mein Ohr horcht mit
Freuden allem Guten entgegen, was von ihm gesagt wird.

Ross.
Alles Gute, was ich für ihn thun kan, ist, Mitleiden mit ihm zu
haben, daß er seines Erbguts so beraubt worden ist.

Northumberland.
Nun, beym Himmel, Schande ist es, daß solche Kränkungen, solche
Ungerechtigkeiten gegen ihn, einen königlichen Prinzen, und manche
andre von edlem Blut, in diesem dem Umsturz nähernden Lande
niederträchtig ertragen werden sollen! Der König ist nicht er
selbst, unköniglich läßt er von Schmeichlern sich leiten; und was
sie aus Raubsucht oder aus Haß gegen irgend einen aus uns anzetteln
möchten, das wird der König nach der Schärfe gegen uns, unser Leben,
unsre Kinder und Erben ausführen.

Ross.
Die Gemeinen hat er durch übermäßige Auflagen ausgesogen, und
dadurch ihre Herzen verlohren; die Edeln hat er wegen abgestorbner
Händel gebüßt, und ihre Herzen verlohren.

Willoughby.
Nichts destoweniger werden unter allerley Namen täglich neue
Erpressungen ausgesonnen; aber, was um Gottes willen! soll endlich
daraus werden?

Northumberland.
Kriege haben alle diese Summen nicht verzehrt; denn er hatte nie
keinen Krieg, sondern gab vielmehr durch einen schimpflichen
Verglich hin, was seine Vorältern durch Siege gewonnen hatten; er
hat mehr Aufwand im Frieden gemacht, als sie in allen ihren Kriegen.

Ross.
Der Graf von Wiltschire hat das Königreich im Pacht.

Willoughby.
Der König ist Bankrutt worden.

Ross.
Und ungeachtet aller seiner schweren Auflagen, muß er den
vertriebnen Herzog berauben, um Geld für diese Irländischen Unruhen
zu haben.

Northumberland.
Seinen edeln Blutsverwandten!–Höchst ausgearteter König! Aber,
Milords, wir hören dieses fürchterliche Gewitter singen, und suchen
doch keinen Schirm gegen den Sturm; wir sehen den Wind unsern
Segeln zusezen, und doch ziehen wir sie nicht ein, sondern gehen
unbesorgt unter.

Ross.
Wir sehen den Schiffbruch vorher, und es ist noch keine Anstalt
gegen die Gefahr gemacht, weil wir so geduldig die Ursachen unsers
Schiffbruchs leiden.

Northumberland.
Nicht so; selbst durch die hohlen Augen des Todes, sehe ich Leben
hervorschauen; aber ich darf es nicht sagen, wie nah’ uns unsre
Hülfe ist.

Willoughby.
Wir haben unsre Gedanken nicht vor dir verborgen; laß uns auch die
deinigen theilen.

Ross.
Rede zuversichtlich, Northumberland; wir drey sind nur du selbst,
und wenn du mit uns sprichst, sind deine Worte nur wie Gedanken;
also rede kühnlich!

Northumberland.
So höret dann, meine Freunde, was für geheime Nachrichten ich von
(Port le blanc), einem Hafen in Bretagne, habe. Heinrich von
Hereford, Rainald, Lord Cobham, der unlängst mit dem Herzog von
Exeter gebrochen hat; sein Bruder, der neue Erzbischoff von
Canterbury, Sir Thomas Erpingham, Sir John Ramston, Sir John
Norbrew–, Sir Robert Waterton, und Franz Coines; alle diese,
von dem Herzog von Bretagne mit allen Nothwendigkeiten versehen,
sind würklich im Begriff, mit acht langen Schiffen und dreytausend
streitbaren Männern, eine Landung an unsern Nordischen Küsten zu
wagen; vielleicht haben sie schon gelandet, und warten nur bis der
König nach Irland abgegangen ist. Wann wir nun entschlossen sind,
unser sclavisches Joch abzuschütteln, die gebrochnen Schwingen
unsers sinkenden Vaterlandes wieder neu zu befiedern, die entehrte
Crone von einem schimpflichen Versaz wieder einzulösen; den Staub
abzuwischen, der unsers Scepters reines Gold verbirgt, und der
Majestät ihre eigne Gestalt wieder zu geben: So folget mir
schleunig nach Ravenspurg. Zaudert ihr aber, oder fürchtet ihr
euch, so zu thun, so bleibet zurük, und seyd verschwiegen; so will
ich allein gehen.

Ross.
Zu Pferd, zu Pferd! Laßt die zaudern die sich fürchten.

Willoughby.
Wenn anders mein Pferd aushält, so will ich der erste dort seyn.

(Sie gehen ab.)

Fünfte Scene.
(Der Hof.)
(Die Königin, Buschy und Bagot treten auf.)

Buschy.
Gnädigste Frau, Eure Majestät ist viel zu niedergeschlagen. Ihr
versprachst dem König beym Abschied, alle sich selbsthärmende
Gedanken zu entfernen, und eine frohe Gemüthsfassung zu unterhalten.

Königin.
Dem Könige zu gefallen, that ich’s; mir selbst zu gefallen kan
ich’s nicht thun; und doch weiß ich keine Ursache, warum ich einen
solchen Gast, wie der Kummer ist, willkommen heissen sollte, als
diese, weil ich einem so werthen Gast, wie mein Richard ist, leb’
wohl sagen mußte; und doch ist mir, als ob irgend ein noch
ungebohrner Kummer, im Schooß des Schiksals reiffend, mir
bevorstehe; meine innerste Seele zittert über etwas, ohne zu wissen
was es ist; ausgenommen, daß es nicht die Trennung von dem König
meinem Gemal ist.

Buschy.
Ein jeder würklicher Schmerz hat zwanzig Schatten die ihm gleich
sehen, und es doch nicht sind; durch den Crystall blendender
Thränen, sieht das Auge der Traurigkeit einen einzigen Gegenstand
in viele gespalten. Gleich gewissen perspectivischen Figuren, die,
wenn man sie geradezu anschaut, nichts als verworrene Striche
zeigen, aber aus einem gewissen schiefen Sehpunct eine regelmäßige
Gestalt darstellen, zeigen sich euch, indem ihr euers Gemals
Abwesenheit seitwärts anseht, Gestalten von Kummer, welche, wenn
sie angesehen werden, wie sie sind, nichts als blosse Schatten von
dem was nicht ist, sind. Trauret also über nichts mehr als die
Abreise euers Gemals; mehr ist nicht sichtbar, oder ist es doch nur
aus dem falschen Gesichtspunct der Traurigkeit, die oft über
eingebildete Übel, wie über wahre, weint.

Königin.
Es mag so seyn; und doch sagt meine innerste Seele mir etwas anders;
dem sey wie ihm wolle, ich kann mich nicht erwehren traurig zu
seyn, auf eine so bange Art traurig, daß wenn die Überlegung mir
gleich sagt, es sey nichts, dieses ängstigende Nichts mich doch
nichts desto minder schmachten und welken macht.

Buschy.
Es ist blosse Einbildung, meine gnädigste Königin.

Königin.
Nichts weniger als Einbildung; Einbildung entspringt allemal aus
irgend einem vorhergegangenen Schmerz; so ist der meinige nicht.
Denn Nichts hat das Etwas gebohren das mich ängstiget; aber was es
ist, das ist noch unbekannt.*

{ed.-* Im Original ist dieses viel spizfündiger gesagt:

(For nothing hath begot my something-grief,
Or something hath, the nothing that I grieve.
But what it is, that is not yet Known, what
I cannot name, ’tis nameless Woe, I wot.)}

Sechste Scene.
(Green zu den Vorigen.)

Green.
Der Himmel erhalte Euer Majestät!–Ich erfreue mich, euch zu sehen,
meine Herren–Ich hoffe, der König hat sich noch nicht nach Irland
eingeschift.

Königin.
Warum hoffst du das; es ist mehr Ursache zu hoffen, daß er’s gethan
habe; denn seine Absichten erfordern Behendigkeit, und seine
Behendigkeit giebt gute Hoffnung; warum sagst du also, du hoffest
er sey noch nicht zu Schiffe?

Green.
Damit Er, auf welchem alle unsre Hoffnung beruht, seine Macht zurük
behalten hätte, um die Hoffnung eines Feindes zur Verzweiflung zu
bringen, der trozig seinen Fuß in dieses Land gesezt hat. Der
verbannte Bolingbroke hat sich selbst zurük beruffen, und ist mit
emporgestrekten Waffen glüklich zu Ravenspurg angelangt.

Königin.
Das verhüte der Himmel!

Green.
O Gnädigste Frau, es ist nur allzuwahr; und was noch schlimmer ist,
der Lord Northumberland, der junge Percy, sein Sohn, die Lords von
Roß, Beaumond und Willoughby mit allen ihren mächtigen Freunden
sind zu ihm übergegangen.

Buschy.
Wie? Habt ihr denn den Northumberland und alle von dieser
rebellischen Rotte nicht für Verräther erklärt?

Green.
Das haben wir, und darauf hat der Graf von Worcester seinen Stab
zerbrochen, seine Oberhofmeister-Stelle niedergelegt, und sich mit
allen königlichen Haus-Bedienten zum Bolingbroke geflüchtet.

Königin.
O Green, du bist die Wehmutter meines Kummers. Nun hat meine Seele
ihr Ungeheuer zur Welt gebracht. Bolingbroke ist die unglükliche
Geburt meines ahnenden Weh’s, und ich eine keuchende neu-entbundne
Mutter, sinke aus einer Angst, einem Schmerz, in den andern.

Buschy.
Lasset den Muth noch nicht sinken, Gnädigste Frau.

Königin.
Und warum soll ich nicht? Ich will verzweifeln, ich will mit der
betrügerischen Hoffnung in Feindschaft stehen; sie ist eine
Schmeichlerin, die den Tod nur zurük hält, um durch ihre
täuschenden Eingebungen das Gefühl seiner Streiche zu übertäuben.

Siebende Scene.
(York zu den Vorigen.)

Green.
Hier kommt der Herzog von York.

Königin.
Mit Zeichen des Kriegs um seinen bejahrten Naken. O, seine Blike
sind von sorgenvollen Geschäften verdüstert! Guter Oheim, um des
Himmels willen, eine tröstliche Zeitung!

York.
So müßte ich meine Gedanken belügen; der Trost ist im Himmel, und
wir sind auf einer Welt, wo nichts als Kreuz, Sorge und Kummer lebt.
Euer Gemal ist gegangen, um in der Ferne zu retten, was ihm andre
indeß daheim entreissen. Ich ward hier zurük gelassen, um dieses
Land zu unterstüzen; ich, der vom Alter gedrükt, kaum mich selbst
tragen kan. Nun kommen die kranken Tage, die seine
Ausschweiffungen nach sich gezogen haben; nun wird er seine Freunde,
die ihm schmeichelten, kennen lernen. (Ein Bedienter kommt herein.)

Bedienter.
Milord, euer Sohn war schon abgereist, wie ich ankam.

York.
Schon abgereist; Nun, so geh alles, welchen Weg es will. Die Edeln
sind übergegangen, die Gemeinen kalt, und wanken schon wie ich
besorge, auf Herefords Seite–Geh du nach Plaschie, zu meiner
Schwester von Glocester; bitte sie, daß sie mir unverzüglich
tausend Pfund schike; halt, hier ist mein Ring.

Bedienter.
Milord, ich habe vergessen zu sagen, daß an dem nemlichen Tag da
ich hinkam, und anfragte–Aber ich werde euch betrüben, wenn ich es
sage.

York.
Was ist es dann?

Bedienter.
Eine Stunde eh ich kam, starb die Herzogin.

York.
Gerechter Himmel! Was für eine Fluth von Plagen stürzt sich auf
einmal über dieses unglükselige Land! Ich weiß nicht, was ich thun
soll; wollte Gott! der König hätte (ohne daß eine Untreue von mir
ihn dazu aufgefordert hätte) meinen Kopf mit meines Bruders
Gloster’s seinem abschlagen lassen. Wie, sind schon Jacht-Schiffe
nach Irland abgegangen? Wo sollen wir Geld zu diesem Krieg
hernehmen? Kommt, Schwester; (Base, wollt’ ich sagen,) ich bitte
euch um Vergebung.–

(Zum Bedienten.)

Geh’ du heim, Bursche, bestelle einige Wagen, und belade sie mit
den Waffen, die du finden wirst–Meine Herren, wollt ihr gehen, und
die Truppen mustern? Ich versichre euch, daß ich nicht weiß, wie
ich die Sachen, in der Unordnung, worinn sie mir in die Hände
gegeben worden, ordnen soll.–Beyde sind meine Bruders-Söhne; der
eine ist mein Souverain, beydes mein Eid und meine Pflicht befiehlt
mir, ihn zu schüzen; der andre, gleichfalls mein Neffe, hat Unrecht
vom König erlidten; Gewissen und Natur befehlen mir seinem Recht
beyzustehen. Nun, etwas muß gethan seyn: Kommt, Base, ich will für
eure Sicherheit sorgen. Geht, mustert eure Leute, und erwartet
mich zu Berkley-Castle; ich will auch nach Plaschie–Aber die Zeit
wird es nicht zulassen. Alles ist uneben, alles in der äussersten
Unordnung.

(York und die Königin gehen ab.)

Achte Scene.

Buschy.
Der Wind ist günstig, neue Zeitungen nach Irland zu schiken, aber
bringt keine zurük. Wir werden nimmermehr eine hinlängliche Macht,
um dem Feind Widerstand zu thun, aufbringen können.

Green.
Ausserdem sind wir dem Haß derer, die den König hassen, desto näher,
je näher wir der Liebe des Königs sind.

Bagot.
Und das sind die unbeständigen Gemeinen; ihre Liebe ligt in ihrem
Beutel; wer ihren Beutel ausleert, füllt ihre Herzen mit tödtlichem
Haß.

Buschy.
Wenn dieses ist, so ist der König mit allen Stimmen verurtheilt.

Bagot.
Und so ist uns unser Urtheil auch gesprochen.

Green.
Gut; ich will zu meiner Sicherheit nach Bristol, der Graf von
Wiltschire ist schon da.

Buschy.
Ich will mit euch; denn von den erbitterten Gemeinen haben wir
nicht viel bessere Dienste zu gewarten, als daß sie uns in Stüken
zerreissen werden. Wollt ihr mit uns, Bagot?

Bagot.
Nein; ich will zu Sr. Majestät nach Irland. Lebet wohl; wenn mir
mein Herz die Wahrheit sagt, so werden wir Drey nimmer wieder
zusammen kommen.

Buschy.
Das kommt darauf an, ob York den Bolingbroke zurükschlagen wird.

Green.
Der arme York! Das Geschäfte, das er übernommen hat, ist nicht
leichter, als wenn er den Sand zählen, und das Meer austrinken
wollte. Wenn einer an seiner Seite ficht, so werden tausend
fliehen.

Buschy.
Lebet wohl für ein und allemal.

Green.
Wir können einander wol wieder sehen.

Bagot.
Ich besorge, nimmer.

(Sie gehen ab.)

Neunte Scene.
(Verwandelt sich in eine wilde Gegend, in Glocester-Schire.)
(Bolingbroke und Northumberland treten auf.)

Bolingbroke.
Wie weit ist es noch, Milord, von hier nach Berkley?

Northumberland.
Ich bin hier fremde in Glocester-Schire; diese hohen wilden Hügel,
und diese rauhen unebnen Wege, machen unsern Marsch langsam und
sehr beschwerlich; und doch hat eure angenehmste Gesellschaft mich
beydes vergessen gemacht. Ich bedaure nur Roß und Willoughby, die
auf ihrem Weg von Ravenspurg nach Cotschold das Glük ermangeln
müssen, so ich izt geniesse; doch die Hoffnung erleichtert ihnen
den ihrigen, und die Hoffnung des Genusses genießt beynahe schon so
viel, als der Genuß selbst.

Bolingbroke.
Eure Freundschaft treibt den Werth meiner Gesellschaft viel zu hoch,
aber wer kommt hier? (Percy zu den Vorigen.)

Northumberland.
Es ist mein Sohn, der junge Heinrich Percy, von meinem Bruder
Worcester abgeschikt: Woher, Harry, was macht dein Oheim?

Percy.
Ich hoffte, Milord, bey euch Nachricht von ihm zu holen.

Northumberland.
Wie, ist er nicht bey der Königin?

Percy.
Nein, Milord, er hat den Hof verlassen, seinen Stab zerbrochen, und
die Königliche Hofstatt zerstreut.

Northumberland.
Wie? Aus was Ursache? Er war nicht so gesinnt, da ich ihn das
leztemal sprach.

Percy.
Weil Euer Gnaden als ein Verräther ausgeruffen worden ist. Er ist
nach Ravenspurg abgegangen, um dem Herzog von Hereford seine
Dienste anzubieten; und mich hat er nach Berkley geschikt, um die
Stärke der Kriegs-Völker zu erkundigen, die der Herzog von York
daselbst zusammengebracht hat, mit dem Befehl von da gerade nach
Ravenspurg zu eilen.

Northumberland.
Hast du den Herzog von Hereford vergessen?

Percy.
Nein, Milord, man kan nicht vergessen, wessen man sich nie erinnert
hat; meines Wissens hab’ ich ihn in meinem Leben nie gesehen.

Northumberland.
So lern’ ihn dann izt kennen; diß ist der Herzog.

Percy.
Gnädigster Herr, ich erbiete euch meine Dienste, so wie sie sind,
schwach, roh und jugendlich; zunehmende Jahre werden sie reiffer,
und euers Beyfalls würdiger machen.

Bolingbroke.
Ich danke dir, edler Percy; sey versichert, daß ich mich in nichts
anderm so glüklich schäze, als in einem Herzen, das seiner guten
Freunde nicht vergessen kan; und so, wie mein Glük mit deiner Liebe
reiffen wird, soll es jederzeit die Belohnung deiner treuen Liebe
seyn. Mein Herz macht diesen Vertrag, und hier siegelt ihn meine
Hand.

Northumberland.
Wie weit ist es von hier nach Berkley? und was für Bewegungen
macht der gute alte York mit seinen Truppen dort?

Percy.
Das Schloß steht dort hinter jenem Gebüsche, und ist, wie ich hörte,
mit dreyhundert Mann besezt; die Lords, York, Berkley und Seymour
sind darinn, sonst niemand von Namen und Ansehn. (Roß und
Willoughby zu den Vorigen.)

Northumberland.
Hier kommen die Lords von Roß und Willoughby, blutig vom Spornen,
und feuerroth von Eile.

Bolingbroke.
Willkommen, Milords; ich weiß, eure Liebe verfolgt einen verbannten
Verräther; alle meine Schäze bestehen noch in leerem Dank, der,
wenn er reicher geworden ist, die Vergeltung eurer Liebe und eurer
Dienste seyn soll.

Ross.
Eure Gegenwart macht uns reich genug, Milord;

Willoughby.
Und ersezt uns die Arbeit überflüßig, wodurch wir sie erhalten
haben.

Bolingbroke.
Immer mehr Dank!–(die Wiedervergeltung der Armen,) bis mein noch
unmündiges Glük zu Jahren kommt, müssen Worte für mein
erkenntliches Herz Bürge seyn. Aber wer kommt hier? (Berkley zu
den Vorigen.)

Northumberland.
Es ist Milord von Berkley, däucht mich.

Berkley.
Milord von Hereford, mein Auftrag geht an euch.

Bolingbroke.
Milord, meine Antwort ist zu Lancaster; ich bin gekommen, diesen
Namen in England zu suchen, und ich muß diesen Titel in eurer Zunge
finden, eh ich auf etwas antworten kan, das ihr sagt.

Berkley.
Meine Absicht, Milord, ist gar nicht, einen Titel von euern Würden
wegzunehmen; ich komme zu euch, Milord, (Lord wovon ihr nur wollt)
von demjenigen der izt der Erste in diesem Land ist, von dem Herzog
von York, um zu erfahren, was euch antreibt, den Vortheil der
Abwesenheit des Königs zu nehmen, und unsern angebohrnen Frieden
durch einheimische Waffen zu schreken?

Zehnte Scene.
(York zu den Vorigen.)

Bolingbroke.
Ich werde nicht nöthig haben, meine Antwort durch euch zu versenden;
hier kommt Se. Gnaden selbst. Mein edler Oheim!

(Er kniet vor ihm nieder.)

York.
Zeige mir, statt diesen betrüglich demüthigen Knien ein aufrichtig
unterwürfiges Herz.

Bolingbroke.
Mein gnädigster Oheim!

York.
Stille, stille; ich will nichts von deinen Titeln; ich bin keines
Verräthers Oheim, und das Wort Gnade wird in einem verbrecherischen
Mund entweiht. Warum haben deine geächteten, verbannten Füsse sich
erfrecht, den Staub von Englands Boden zu betreten? Und, was noch
ärger ist, wie haben sie sich erfrecht, so viele Meilen über ihren
friedsamen Busen einher zu ziehen, und ihre erblassenden Einwohner
mit dem Gepränge einer kriegrischen Schlacht-Ordnung zu schreken?
Kommst du, weil der gesalbte König abwesend ist? Wie, unbesonnener
Jüngling, der König ist noch da, seine Gewalt ligt in einem
treuvollen Busen. Wär’ ich nur noch Herr von jener jugendlichen
Stärke wie damals, da der brave Gaunt, dein Vater, und ich, den
schwarzen Prinzen, diesen jungen Kriegsgott, mitten aus den Linien
von zehntausend Franzosen erledigten; o! wie schnell sollte dieser
izt entnervte Arm, deinen Übermuth züchtigen!

Bolingbroke.
Mein gnädigster Oheim, laßt mich nur erst wissen, von was für einer
Art mein Verbrechen ist.

York.
Von der schlimmsten Art, Aufruhr und fluchwürdiger Hochverrath. Du
bist ein Landsverwiesener, und kommst hier, bevor deine Zeit
verflossen ist, in herausfordernden Waffen deinem Oberherrn Troz zu
bieten.

Bolingbroke.
Wie ich verwiesen wurde, war ich Hereford; nun, da ich komme, komme
ich für Lancaster. Ich bitte Euer Gnaden, betrachtet das Unrecht,
das mir zugefügt worden, mit einem unpartheyischen Auge. Ihr seyd
mein Vater, denn mich däucht, in euch sehe ich den bejahrten Gaunt
wieder lebend. O! denn, mein Vater! Könnt ihr gestatten, daß ich
verurtheilt seyn soll, ein herumschweifenden Flüchtling zu seyn,
und aller meiner Rechte und Regalien beraubt, gleichgültig
zuzusehen, wie sie unter lumpichte Taugenichts ausgetheilt werden,
die gestern noch Bettler waren? Wozu war ich gebohren? Wenn der
König mein Vetter, König von England ist, so muß es unstreitig seyn,
daß ich Herzog von Lancaster bin. Ihr habt einen Sohn, den
Aumerle, mein edler Vetter; wäret ihr zuerst gestorben, und er wäre
so niedergetreten worden, er würde in seinem Oheim Gaunt einen
Vater, einen eifrigen Verfechter seines Rechts, gefunden haben.
Man versagt mir die Besiznehmung von meinen angeerbten Titeln und
Gütern, wozu mir doch meine Patenten die Befügniß geben. Meines
Vaters Güter werden zerstreut und verkauft, und wie alles übrige
unnüzer Weise durchgebracht. Was wollt ihr, daß ich in solchen
Umständen thun soll? Ich bin ein Unterthan, und reclamire das
Gesez; man versagt mir Anwalde, ich bin also genöthigt, in eigner
Person die Ansprüche an mein angestammtes Erbgut gelten zu machen.

Northumberland.
Der edle Herzog ist zu sehr gekränkt worden.

Ross.
Es ligt nur bey euer Gnaden, ihm Recht wiederfahren zu lassen.

Willoughby.
Schlechte Leute sind durch seine Erbgüter groß gemacht worden.

York.
Milords von England, laßt mich euch sagen, daß ich gegen die
Kränkungen meines Neffen nicht unempfindlich gewesen bin, und mich
so sehr ich konnte bemühet habe, ihm sein Recht zu verschaffen.
Aber auf eine solche Art zu kommen, in trozigen Waffen zu kommen,
und sein Recht durch unerlaubte Gewalt zu suchen, das geht nicht an;
und ihr, die ihr ihm hierinn beysteht, begünstiget die Empörung,
und seyd alle Rebellen.

Northumberland.
Der Herzog hat geschworen, daß er nur gekommen sey, sein Recht zu
suchen; und ihm zu diesem zu verhelfen, haben wir alle durch einen
theuren Eid uns anheischig gemacht; und mög’ auf ewig den die
Freude meiden, der seinen Eid bricht!

York.
Gut, gut, ich sehe den Ausgang dieser Waffen; ich muß es bekennen,
es ist nicht in meiner Macht, ihn zu verhindern; aber könnte ich’s,
bey dem der mich erschaffen hat! ihr solltet mir alle gebunden und
in den Staub gebükt, euer verwürktes Leben von der königlichen
Gnade erflehen! Nun, da ich ohne Kräfte bin, so wisset, daß ich
soviel als neutral bleiben werde. Und hiemit gehabt euch wohl; es
wäre dann, daß es euch beliebte, in dieses Schloß zu kommen, und
die Nacht da auszuruhen.

Bolingbroke.
Ein Anerbieten, mein Oheim, das wir annehmen wollen; aber wir
müssen Euer Gnaden erbitten, mit uns nach Bristol-Castle zu gehen,
worinn, wie man sagt, Buschy, Bagot, und ihre Mitschuldigen sich
halten, diese Raupen des gemeinen Wesens, die ich auszureuten
geschworen habe.

York.
Es mag seyn, ich will gehen–Doch nein, laßt mich ruhig bleiben;
ich will nicht von denen seyn, die die Geseze meines Vaterlands
brechen. Weder Feinde noch Freunde, seyd ihr mir willkommen; und
Dinge, denen nicht mehr zu helfen ist, sollen mich auch nicht mehr
bekümmern.

(Sie gehen ab.)

Eilfte Scene.
(In Wales.)
(Salisbury und ein Officier treten auf.)

Officier.
Milord von Salisbury, wir haben zehen Tage gewartet, und die gröste
Mühe gehabt, unsre Landleute bey einander zu behalten; da wir aber
noch immer keine Nachrichten von dem König erhalten, so wollen wir
wieder auseinander gehen. Lebet wohl!

Salisbury.
Gedulde dich nur noch einen einzigen Tag, du rechtschaffner
Welschmann; der König sezt all sein Vertrauen in dich.

Officier.
Man glaubt, der König sey todt; wir warten nicht länger. Die
Lorbeer-Bäume in unserm Lande sind alle verdorben, Wunderzeichen
schreken die Fix-Sterne vom Himmel; der bleiche Mond schaut blutig
auf die Erde herab, und hagre Propheten lispeln furchtbare
Veränderung. Reiche Leute sehen traurig aus, und Bettler und
Spizbuben tanzen und springen; die eine, aus Furcht zu verliehren
was sie gewonnen haben, die andre, in Hoffnung durch Krieg und
Zerrüttung zu gewinnen. Alles dieses sind Zeichen, die den Tod der
Könige ankündigen–Lebet wohl; unsre Landleute sind alle wieder
auseinander gegangen, und lassen sich nicht benehmen, daß König
Richard todt sey.

(Er geht ab.)

Salisbury.
Ach! Richard! ach! mit thränenbeladnen Augen seh’ ich deinen
Glanz, gleich einem fallenden Stern, vom Firmament zur Erde sinken.
Die Sonne sizt weinend im niedrigen West, und propheceyt Stürme,
Unruhen und Unglük. Deine Freunde sind zu deinen Feinden
übergegangen, und alle Umstände vereinigen sich zu deinem Verderben.

(Er geht ab.)

Dritter Aufzug.

Erste Scene.
(Bolingbroks Lager zu Bristoll.)
(Bolingbroke, York, Northumberland, Roß, Percy, Willoughby, mit
Buschy, und Green, als Gefangnen treten auf.)

Bolingbroke.
Bringt diese Männer näher herbey–Buschy, und Green, ich will eure
Seelen da es nun an dem ist, daß sie von ihren Leibern scheiden
müssen, nicht mit so harten Vorwürfen ängstigen, als euer
verderbliches Leben verdient hat, denn das wäre Unbarmherzigkeit;
aber um euer Blut von meinen Händen zu waschen, will ich hier, vor
dieser Versammlung, einige Ursachen eures Todes entfalten. Ihr
habt einen Fürsten, den seine Geburt und sein angebohrner Edelmuth
zu einem grossen und glüklichen Könige bestimmte, mißgeleitet,
verderbt und unglüklich gemacht. Ihr habt ihn durch die
Ausschweiffungen, wozu ihr ihn reiztet, in gewissem Sinn von seiner
Königin geschieden, die geheiligten Rechte eines königlichen
Ehbettes geschmälert, und die schönen Wangen einer liebenswürdigen
Fürstin durch die Thränen beflekt, die eure Beleidigungen aus ihren
Augen erpreßten. Ich selbst, durch das Glük meiner Geburt, ein
Prinz vom königlichen Geblüte, und von dem König, meinem
Blutsverwandten, werth gehalten, bis ihr durch giftige Eingebungen
mich ihm verdächtig gemacht; ich selbst habe meinen Naken unter
euern Verfolgungen beugen müssen, und, das bittre Brodt der
Verbannung essend, meinen Engländischen Athem in ausländische
Wolken verseufzt; indeß, daß ihr meine Herrschaften aufgezehrt,
meine Waldungen und Lusthayne ausgehauen, mein Wappen von meinen
Thoren abgerissen, und mir kein andres Zeichen übrig gelassen habt,
wodurch ich der Welt zeigen kan, daß ich ein Edelmann bin, als die
Meynung der Leute und das Blut in meinen Adern: Dieses und viel
mehr, viel mehr als zweymal so viel, verurtheilt euch zum Tode.
Sehet, daß ihr Urtheil an ihnen vollzogen werde.

Buschy.
Willkommner ist mir der Streich des Todes, als Bolingbroke England
ist–Milords, gehabt euch wohl.

Green.
Mein Trost ist, daß der Himmel unsre Seelen aufnehmen, und die
Ungerechtigkeit mit den Qualen der Hölle straffen wird.

Bolingbroke.
Milord von Northumberland, sehet, daß sie abgethan werden–Mein
Oheim, ihr sagtet, die Königin befinde sich in ihrem Hause; um des
Himmels willen, sorget davor, daß ihr geziemend begegnet werde;
sagt ihr, daß ich sie meiner Ehrfurcht und Ergebenheit versichre;
traget ja Sorge dafür, daß ihr mein Gruß überbracht werde.

York.
Ich habe einen von meinen Edelleuten mit Briefen abgeschikt, worinn
eure freundschaftliche Gesinnungen ausführlich erklärt sind.

Bolingbroke.
Ich danke euch, mein gütiger Oheim, kommt, Milords, kommt, zum
Gefecht mit Glendower und seinen Anhängern; noch eine Weile Arbeit,
und dann Feyer-Abend.

(Sie gehen ab.)

Zweyte Scene.
(Verwandelt sich in eine Küste von Wales.)
(Trummeln und Trompeten.
König Richard, Aumerle, der Bischoff von Carlisle, und Soldaten
treten auf.)

König Richard.
Barkloughly-Castle nennt ihr jenes dort?

Aumerle.
Ja, Gnädigster Herr; wie findet Eure Majestät die Landluft, nach
den Beschwerlichkeiten der See?

König Richard.
Sie muß mir wol angenehm seyn–Freuden-Thränen erfüllen meine Augen,
da ich noch einmal wieder den Boden meines Königreichs betrete.
Theure Erde, ich umarme dich, obgleich Aufrührer dich mit den Hufen
ihrer Pferde verwunden. Wie eine lang von ihrem Kinde getrennte
Mutter, beym Wiedersehn lächelnd in zärtliche Thränen zerfließt, so
grüß’ ich dich, zugleich weinend und lächelnd, meine Erde, und
drüke dich an meine Königliche Brust. O, nähre nicht deines Königs
Feind, holde Erde, und labe nicht mit deinen Erquikungen seinen
raubgierigen Muth: Sende die Schlangen, die deinen Gift in sich
saugen, und schwellende Kröten in ihren Weg, ihre verräthrischen
Füsse zu verwunden, die mit gewaltthätigen Tritten dich stampfen;
und wenn sie eine Blume von deinem Busen pflüken wollen, so
bewaffne sie, ich bitte dich, mit einer laurenden Natter, deren
zweygespizte Zunge den Tod in die Adern der Feinde deines Herrn
sprize. Spottet nicht, Milords, daß ich leblose Dinge beschwöre;
diese Erde wird ein Gefühl haben, und diese Steine werden zu
bewaffneten Kriegern werden, eh ihr gebohrner König unter den
Waffen schändlicher Empörer fallen soll.

Bischoff.
Fürchtet euch nicht, Gnädigster Herr; diese Gewalt, die euch zum
Könige schuf, hat Macht genug, euch troz aller Welt als König zu
erhalten. Aber wir müssen die Mittel ergreiffen, die uns der
Himmel anbietet.

Aumerle.
Seine Meynung ist, daß wir zu schläfrig sind, Gnädigster Herr, und
dem Bolingbroke Zeit lassen, durch unsre Sicherheit immer stärker
zu werden.

König Richard.
Untröstlicher Vetter, weißst du nicht, daß wenn das forschende Auge
des Himmels hinter unsrer Halbkugel verborgen ist und der Unterwelt
leuchtet, daß dann Diebe und Mörder ungesehn herumschleichen und
Räubereyen und blutige Gewalt verüben; aber sobald die
wiederkehrende Sonne die stolzen Gipfel der östlichen Hügel glühen
macht, und ihr Licht durch jede verbrecherische Gruft blizt, daß
dann Mord und Verrath und jede schändliche Sünde, aus der
Finsterniß schwarzem Mantel hervorgezogen, bloß und nakend da stehn,
und über sich selbst erzittern? So, wenn dieser Räuber, dieser
verräthrische Bolingbroke, der während dieser ganzen Nacht, da wir
unsern Lauf bey den Antipoden vollbrachten, ungestört
herumschwärmte, uns unsern Thron im Osten besteigen sehen wird,
werden seine Verräthereyen, in seinem schaamglühenden Angesicht
enthüllt, den Tag nicht ertragen können, der sie vor ihrer eignen
grauenvollen Gestalt erzittern machen wird. Alle Wasser der
ungestümen See sind nicht fähig, das geheiligte Öl von einem
gesalbten Könige wegzuwaschen; und der Athem sterblicher Menschen
kan denjenigen nicht entsezen, den der Herr zu seinem Statthalter
ernannt hat. Für einen jeden Mann, den Bolingbroke aufgetrieben
hat, sein Schwerdt gegen unsre Crone zu ziehen, hat der Himmel für
seinen Richard einen glorreichen Engel in himmlischem Sold, und wo
Engel fechten, da müssen schwache Menschen fallen.–

Dritte Scene.
(Salisbury zu den Vorigen.)

König Richard.
–Willkommen, Milord, wie weit ist eure Macht entfernt?

Salisbury.
Weder näher noch ferner als dieser schwache Arm, mein Gnädigster
Herr. Ich habe trostlose Zeitungen zu bringen. Ein einziger Tag
zu spät, hat alle deine glüklichen Tage auf Erden umwölkt. O ruffe
den gestrigen Tag zurük, befiehl der Zeit zurük zu kehren, und du
wirst zwölftausend streitbare Männer haben. Dieser Tag, dieser
einzige unglükselige Tag zu spät, vernichtet deine Freuden, deine
Freunde, dein Glük und deinen Stand. Alle Welschen, haben, auf die
Zeitung von deinem Tode, sich zerstreut, oder sind zu Bolingbroke
übergegangen.

Aumerle.
Fasset Muth, Gnädigster Herr, warum seht ihr so blaß aus?

König Richard.
Nur noch vor einem Augenblik triumphierte das Blut von
zwanzigtausend Mann in meinem Gesicht, und nun sind sie
verschwunden; und bis wieder so viel Blut dahin zurük kommt, hab’
ich nicht Ursach bleich und todtenhaft auszusehen? Die Zeit hat
meinen Stolz zuschanden gemacht, und wer seine Seele retten will,
flieht von meiner Seite.

Aumerle.
Beruhiget euch, Gnädigster Herr, erinnert euch, wer ihr seyd.

König Richard.
Ich hatte mich selbst vergessen: Bin ich nicht ein König? Erwache,
du schüchterne Majestät, du schläfst! Ist nicht des Königs Name
soviel als vierzigtausend Namen? Rüste, rüste dich, mein Name; ein
elender Unterthan dräuet deiner glänzenden Majestät. Seht nicht so
auf den Boden, ihr Günstlinge eines Königs! Sind wir nicht hoch?
Laßt es uns wenigstens in Gedanken seyn. Ich weiß, mein Oheim York
hat ein ansehnliches Heer zu unserm Dienst aufgebracht. Aber wer
kommt hier?

Vierte Scene.
(Scroop zu den Vorigen.)

Scroop.
Ein besseres Glük falle meinem Könige zu, als meine kummerbeladne
Zunge ihm ankündigen muß.

König Richard.
Mein Ohr ist offen, und mein Herz gerüstet; das schlimmste was du
sagen kanst, ist nur zeitlicher Verlust. Sagst du, mein Königreich
sey verlohren? Nun dann, es war meine Sorge; was für ein Verlust
ist es, seiner Sorgen entlediget zu werden? Strebt Bolingbroke so
groß zu werden als wir? Grösser kan er nicht werden; und wenn er
doch immer ein Unterthan des Himmels bleibt, so bin ich das auch,
und so bleibt er meines gleichen. Empören sich unsre Unterthanen?
Das können wir nicht ändern; sie brechen ihre Treue gegen Gott eben
sowol als gegen uns. Ruffe immerhin Weh, Jammer, Verwüstung, Fall,
Untergang; das schlimmste ist der Tod, und der Tod hat seinen
unvermeidlichen Tag.

Scroop.
Es erfreut mich, daß Eure Majestät so gerüstet ist, unglükliche
Nachrichten zu ertragen. Wie ein ungestümer stürmischer Tag, der
die Silberströme so hoch über ihre Ufer schwellen macht, als ob die
ganze Welt in Thränen zerflossen wäre: So hoch über alle Schranken
schwellt Bolingbroks Wuth, und bedekt euer geschrektes Land mit
hartem schimmerndem Stahl, und mehr als stählernen Herzen. Weisse
Bärte haben ihre nakten dünnbehaarten Schädel gegen deine Majestät
bewaffnet; Knaben mit Weiber-Stimmen bemühen sich grob zu reden,
und schmiegen ihre weiblichen Gelenke in unbiegsam Waffen gegen
deine Crone; ja selbst Kunkel-Weiber schwingen rostige Hellebarden.
Alte und Junge stehen gegen deinen Thron auf, und alles geht
schlimmer, als ich es auszusprechen vermag.

König Richard.
O nur zu gut, zu gut erzählst du eine so böse Geschichte. Wo ist
der Graf von Wiltschire? Was ist aus Buschy worden? Wo ist Green?
Daß sie den Feind so ruhig sich über unsre Grenzen haben
ausbreiten lassen? Wenn wir die Oberhand erhalten, so sollen ihre
Köpfe davor bezahlen. Ich zweifle nicht, sie haben ihren Frieden
mit Bolingbroke gemacht.

Scroop.
Sie haben Frieden mit ihm gemacht, in der That, Gnädigster Herr.

König Richard.
O Bösewichter, Vipern, verdammte Verräther! Hunde, die sich leicht
gewinnen lassen, einem jeden liebzukosen! Schlangen, die ich in
meinem Busen erwärmte, und die nun mein Herz durchstechen! Drey
Judasse, jeder dreymal ärger als Judas! Haben sie Frieden gemacht?
Die flammende Hölle bekriege ihre beflekten Seelen für diese
Schandthat!

Scroop.
Die süsseste Liebe wird, wie ich sehe, wenn sie ihre Natur ändert,
zu bitterstem und tödtlichstem Haß. Entlasset ihre Seelen wieder
euers Fluchs; sie haben ihren Frieden mit Köpfen gemacht, nicht mit
Händen; diejenigen, denen ihr fluchet, haben des Todes
gewaltthätige Hand gefühlt, und ligen tief in geweihtem Grund.

Aumerle.
Ist Buschy, Green, und der Graf von Wiltschire todt?

Scroop.
Ja, alle drey verlohren zu Bristol ihre Köpfe.

Aumerle.
Wo ist denn der Herzog, mein Vater, mit seinen Völkern?

König Richard.
O! Frage nicht wo er ist; und niemand rede mehr von Trost! Von
Gräbern laßt uns reden, von Würmern und Grabschriften; laßt uns den
Staub zu unserm Papier machen, und mit regnenden Augen unsern
Jammer auf den Busen der Erde schreiben. Laßt uns von Testamenten
reden, und unsre Ausrichter erwählen–doch nein–Was können wir
vermachen, als unsre abgelegte Leiber der Erde? Unsre Länder,
unser Leben, alles ist Bolingbroks, und wir können nichts unser
nennen als den Tod, und dieses Bißchen Erde, das unsre Gebeine
deken wird. Ums Himmels willen! laßt uns hier auf den Boden
niedersizen, und einander melancholische Geschichten vom Tod der
Könige erzählen; wie einige entsezt, andre im Krieg erschlagen
worden; andre von den Geistern derjenigen verfolgt, so sie aus dem
Wege geräumt hatten; andre von ihren Weibern vergiftet, andre im
Schlaf umgebracht, alle ermordet!–denn in der holen Crone, die
eines Königs sterbliche Schläfe umfaßt, hält der Tod seinen Hof; da
sizt das groteske Ungeheuer und spottet mit grinsendem Lächeln
seines Pomps, erlaubt ihm einen Athem-Zug, eine kleine Scene lang
zu herrschen, gefürchtet zu werden, und mit Bliken zu tödten,
lispelt ihm eitle schwülstige Gedanken ein, als ob das Fleisch,
worinn sein Leben eingeschlossen ist, unzerstörbares Metall sey;
und wann er ihn so bethört hat, kommt er zulezt, durchbort mit
einer kleinen Steknadel seine Schläfe, und gute Nacht König!–
Bedekt eure Häupter, und verspottet nicht Fleisch und Blut mit
feyrlicher Ehrerbietung; werfet Ehrfurcht, Titel, Ceremoniel, und
alle diese Zeichen der Unterwürfigkeit weg; ihr habt mich diese
ganze Zeit her mißkannt. Ich lebe von Athem wie ihr, ich habe
Bedürfnisse wie ihr, fühle Schmerzen, habe Freunde vonnöthen, wie
ihr; so abhängig, wie ich also bin, wie könnt ihr mir sagen: ich
sey ein König?

Bischoff.
Gnädigster Herr, weise Männer bejammern niemals ihre gegenwärtigen
Übel, sondern kommen gegenwärtig den Übeln zuvor, die sie künftig
bejammern müßten. Den Feind fürchten, giebt, da die Furcht die
Stärke schwächt, dem Feind einen Zuwachs von Stärke in unsrer
Schwäche, und so haben wir an unsrer eignen Thorheit einen Feind
mehr. Fürchtet euch, so seyd ihr geschlagen; kan es euch schlimmer
gehen, wenn ihr euch wehret? Fechtet ihr und kommt um, so sterbt
ihr doch edler, als wenn ihr aus Zagheit umkommt.

Aumerle.
Mein Vater hat Truppen; schiket nach ihm, und lernet aus einem
Gliedmaß einen Leib machen.

König Richard.
Du beschiltst mich mit Recht. Stolzer Bolingbroke, ich komme, um
durch Streiche deinen oder meinen lezten Tag zu entscheiden.
Dieser fiebrische Schauer von Furcht ist vorüber; es ist eine
leichte Arbeit zu gewinnen was unser eigen ist. Sage, Scroop, wo
ligt unser Oheim mit seiner Macht? Antworte etwas besseres, als
deine düstern Blike versprechen.

Scroop.
Wol mögt ihr aus meinen düstern und kummerbeladnen Augen urtheilen,
daß meine Zunge noch eine bösere Zeitung zu erzählen hat, wie man
aus der Beschaffenheit des Himmels auf das heitre oder ungestüme
Ende eines Tages zu schliessen pflegt. Ich mache den Peiniger,
indem ich das ärgste was ich sagen muß, in die Länge ziehe. Euer
Oheim York hat sich mit Bolingbroke vereiniget, alle eure
Nordischen Schlösser sind übergeben, und aller euer südlicher Adel
ist in Waffen auf seiner Parthey.

König Richard.
Du hast genug gesagt. Wehe dir, Vetter, daß du mich von diesem
guten Weg, worauf ich war, in Verzweiflung geführt hast. Was sagt
ihr izt? Was für Hoffnung haben wir nun? Beym Himmel! ich hasse
den auf ewig, der mir zumuthen will, noch etwas zu hoffen. Geht
nach Flint-Castle, dort will ich mich ungestört dem Gefühl meines
Jammers überlassen. Entlasset die Mannschaft die ich noch habe,
laßt sie zu demjenigen gehen, der Hoffnung hat zu steigen. Ich
habe keine mehr. Wende mir niemand etwas gegen diß ein; aller Rath
ist umsonst.

Aumerle.
Nur ein Wort, Gnädigster Herr–

König Richard.
Schmeicheleyen in solchen Umständen worinn ich bin, machen meine
Wunden nur tiefer. Entlaßt meine Leute; laßt sie gehen, laßt sie
aus Richards Nacht in Bolingbroks aufgehenden Tag.

(Sie gehen ab.)

Fünfte Scene.
(Bolingbroks Lager bey Flint.)
(Ein Aufzug mit Trummeln und Fahnen, Bolingbroke, York,
Northumberland und Gefolge treten auf.)

Bolingbroke.
Diese Nachricht belehrt uns also, daß die Welschen zerstreut sind,
und daß Salisbury dem Könige entgegengegangen ist, der mit einer
kleinen Anzahl von Freunden kürzlich an dieser Küste angeländet ist.

Northumberland.
Die Zeitung ist schön und gut, Milord; Richard hat sein Haupt nicht
weit von hier verborgen.

York.
Es würde dem Lord Northumberland nicht übel anstehen, zu sagen,
König Richard. O! des unglüklichen Tags, da ein geheiligter König
sein Haupt verbergen muß!

Northumberland.
Euer Gnaden nimmt mir’s anders auf als es gemeynt war; ich ließ
seinen Titel nur aus, um kürzer zu seyn.

York.
Es war eine Zeit, wo ich es euch nicht gerathen haben wollte, so
kurz mit ihm zu seyn, wenn es euch nicht gleichgültig gewesen, daß
er es so sehr mit euch sey, um euch eure ganze Kopfslänge kürzer zu
machen.

Bolingbroke.
Nehmet seinen Ausdruk nicht übler auf als recht ist, mein Oheim.

York.
Und nehmet ihr nicht mehr als recht ist, mein guter Neffe; oder ihr
vergeßt zulezt, daß der Himmel über euerm Haupt ist.

Bolingbroke.
Ich weiß es, mein Oheim, und widerseze mich seinem Willen nicht.
Wer kommt hier? (Percy zu den Vorigen.) Willkommen, Harry! Wie?
Will sich dieses Schloß noch nicht ergeben?

Percy.
Das Schloß ist gegen euern Einzug königlich bemannt, Milord.

Bolingbroke.
Königlich? Wie, enthält es denn einen König?

Percy.
Ja, Milord, es enthält einen König; König Richard ligt innert dem
Bezirk von jenem Leim und Stein, und bey ihm Lord Aumerle, Lord
Salisbury, Sir Stephan Scroop, und noch ein Geistlicher von
heiligem und ehrfurchtwürdigem Ansehn, dessen Name ich nicht
erfahren konnte.

Northumberland.
Vermuthlich der Bischoff von Carlisle.

Bolingbroke (zu Northumberland.)
Mein edler Lord, geht vor die Mauren dieses alten Schlosses,
fordert durch die eherne Stimme der Trompete eine Unterredung, und
sprecht so: Heinrich von Bolingbroke küsse auf seinen Knien König
Richards Hand, und sende ihm die Versicherung seiner
Unterthänigkeit und aufrichtigen Treue gegen seine Königliche
Person; sagt ihm, ich sey in dem nemlichen Augenblik bereit, meine
Waffen und Völker zu seinen Füssen niederzulegen, in welchem er mir
die Widerruffung meiner Landes-Verweisung und die Wieder-Einsezung
in meine Güter freywillig garantiren wolle; wo nicht, so werde ich
mich des Vortheils meiner Macht bedienen, und den Sommer-Staub mit
Regen von Blut legen, die aus den Wunden erschlagner Engländer sich
ergiessen sollen. Wie entfernt aber von Bolingbroks Herzen der
Gedanke sey, daß ein solch blutiges Ungewitter den frischen grünen
Schooß von König Richards Land überschwemmen solle, davon könne ihn
meine Mäßigung und Entfernung von allem pflichtwidrigen Gebrauch
meiner Obermacht überzeugen. Geht, erklärt ihm dieses, indessen
daß wir ohne das Getöse drohender Trummeln über diese Ebne
fortziehen, damit unser Betragen, von den zerfallnen Zinnen dieses
Schlosses beobachtet, die Wahrheit unsrer Erklärung bekräftige.
Mich däucht, König Richard und ich sollten uns mit nicht mindern
Schreknissen begegnen, als die Elemente des Feuers und des Wassers,
wenn ihr donnernder Zusammenstoß die bewölkten Wangen des Himmels
mit Thränen badet. Ist er das Feuer, so will ich das nachgiebige
Wasser seyn; er mag rasen, indeß daß ich meine Wasser auf die Erde
regne; auf die Erde, nicht auf ihn. Nähert euch den Mauren–Milord,
und beobachtet die Fassung des Königs genau.

Sechste Scene.
(Aufforderung von aussen, Antwort von innen; Trompeten-Klang,
König Richard, Bischoff von Carlisle, Aumerle, Scroop und Salisbury
kommen auf die Mauren.)

York.
Seht, seht, der König tritt selbst hervor, gleich dem von Unmuth
erröthenden Phöbus, wenn er, aus der glühenden Pforte des Morgens
hervorgehend, neidische Wolken gewahr wird, die sich vereiniget
haben, seinen Glanz zu verhüllen, und die Pracht seines
schimmernden Zugs nach Westen zu verdunkeln. Und doch sieht er wie
ein König; seht, wie sein Auge, glänzend wie eines Adlers,
herrschende Majestät um sich her blizt. O beweinenswürdig, daß
eine so schöne Gestalt durch irgend einen Unfall entstellt werden
soll.

König Richard (zu Northumberland.)
Wir befremden uns, und stehen schon lange hier, auf die
ehrfurchtvolle Beugung deiner Knie zu warten, indem wir uns selbst
für deinen gesezmäßigen König hielten; und sind wir’s, wie dürfen
sich deine Gelenke vergessen, den schuldigen Tribut der
Unterthänigkeit unsrer Gegenwart zu bezahlen? Sind wir’s aber
nicht, so zeige uns die Hand Gottes, die uns unsrer
Statthalterschaft entlassen hat. Denn das wissen wir, daß keine
Hand von Blut und Knochen, ohne Entweihung, Diebstal und Verrath,
nach unserm geheiligten Scepter greiffen kan. Und ob ihr gleich
denkt daß alle von uns abgefallen, und wir allein und von Freunden
entblößt gelassen seyen, so sollt ihr doch wissen, der Allmächtige,
mein Herr, mustert um euertwillen Heere von Plagen in seinen Wolken,
die euch treffen werden, euch, die ihre Vasallen-Hände gegen mich
aufgehoben und der Majestät meiner Crone gedräuet haben, euch, und
eure noch ungebohrnen Kinder. Sagt dem Bolingbroke, (denn dort,
däucht mich, ist er,) daß ein jeder Schritt den er in meinem Lande
macht, Hochverrath ist–Er ist gekommen, das purpurne Testament des
blutigen Kriegs zu öffnen; aber eh die Crone, nach der er strebt,
ruhig auf sein Haupt herabsteigen wird, sollen zehentausend blutige
Cronen von Mutter-Söhnen die Blume von Englands Antliz entstellen,
die Farbe ihres jungfräulich-blassen Friedens in feurigen Grimm
verwandeln, und ihre fetten Weiden mit getreuem Englischem Blut
bethauen.

Northumberland.
Der König des Himmels verwehre, daß unser Herr, der König, so mit
bürgerlichen und unbürgerlichen Waffen angefallen werden solle!
Nein, dein edler Vetter, Heinrich von Bolingbroke, küßt voll
Ehrfurcht deine Hand, und schwört, bey dem ehrenvollen Grabmal, das
auf euers beydseitigen Ahnherrn königlichen Gebeinen ruht, bey der
geheiligten Quelle euers gemeinschaftlichen Bluts, und bey der
Helden-Hand seines verstorbnen Vaters, und bey seiner eignen Würde
und Ehre schwört er, daß seine Ankunft keinen andern Zwek hat, als
die Besiznehmung von seinen eignen Gerechtsamen und Gütern, deren
Zurükgab er auf seinen Knien erbittet. Wird bey euerm Königlichen
Wort ihm nur dieses zugestanden, so will er seine blinkenden Waffen
dem Rost überlassen, seine langmähnichten Rosse den Ställen, und
sein Herz dem getreuen Dienst Eurer Majestät. Diß schwört er, so
wahr er ein Prinz ist, und so wahr ich ein Edelmann bin, glaub’ ich
seinen Schwur.

König Richard.
Northumberland, sag’ ihm, so antwortet der König: Sein edler Vetter
ist sehr willkommen, und alle seine Forderungen, so viel ihrer seyn
mögen, sollen ohne Widerspruch zugestanden seyn. Sag’ ihm in
unserm Namen so viel verbindliches und freundschaftliches, als du
nur immer kanst.–

(zu Aumerle.)

Wir erniedrigen uns, Vetter, nicht wahr, da wir so armselig
aussehen, und so gute Worte geben? Sollen wir Northumberland zurük
ruffen, den Verräther herausfordern lassen, und so sterben?

Aumerle.
Nein, Gnädigster Herr, bis die Zeit uns Freunde leiht, und unsre
Freunde ihre Schwerdter, bleibt uns nichts übrig als mit Worten zu
fechten.

König Richard.
O Gott! o Gott! daß diese meine Zunge, die das Urtheil der
Verbannung über jenen stolzen Mann ausgesprochen, dahingebracht
seyn soll, es mit liebkosenden Worten zurükzunehmen! o daß ich so
groß wäre als mein Schmerz, oder kleiner als mein Name; O daß ich
vergessen könnte was ich gewesen bin, oder nicht fühlte was ich izt
bin! Schwillst du auf, stolzes Herz? Ich gebe dir alle Freiheit,
schlage wie du willt, da meine Feinde die Freyheit haben, dich und
mich zu schlagen.

Aumerle.
Northumberland kommt von Bolingbroke zurük.

König Richard.
Was muß der König noch mehr thun? Muß er sich unterwerfen? Der
König soll es thun. Muß er abgesezt werden? Der König soll sich’s
gefallen lassen. Muß er auch dem Namen eines Königs entsagen? In
Gottes Namen, es sey so. Ich will meine Juweelen für einen
Rosenkranz geben, meinen Palast für eine Einsiedeley, meine
schimmernden Kleider für einen Bettlers-Mantel, mein goldnes
Geschirr für einen hölzernen Teller; meinen Scepter für einen
Pilgrims-Stab, meine Unterthanen für ein Paar geschnizte Heilige,
und mein grosses Königreich für ein kleines Grab; ein kleines,
kleines Grab–ein dunkles Grab!–Oder ich will auf des Königs
Landstrasse begraben werden, auf einem ungangbaren Weg, wo meiner
Unterthanen Füsse stündlich auf ihres Königs Haupt trappen mögen;
denn auf mein Herz treten sie, da ich noch lebe; warum nicht auf
mein Haupt, wenn ich begraben bin?–Aumerle, du weinst? Mein
weichherziger Vetter! Wir wollen böses Wetter mit unsern
verachteten Thränen machen; unsre Seufzer und Thränen sollen das
Sommer-Korn legen, und eine Theurung in dieses rebellische Land
bringen. Oder wollen wir uns aus unserm Jammer eine Kurzweile
machen? Irgend ein artiges Spiel aus unsern fliessenden Thränen?
Als etwann, sie so lange an den nemlichen Ort tropfen zu lassen,
bis sie uns ein paar Gräber in die Erde eingefressen haben; und
wenn wir da ligen–Hier ligen zween Freunde, die sich ihr Grab mit
ihren Thränen gegraben haben. Würde uns das unser Elend nicht
versüssen? Wohl, wohl, ich sehe, ich rede phantastisch, und ihr
lachet über mich. Großmächtigster Prinz, Milord Northumberland,
was sagt der König Bolingbroke? Will seine Majestät dem Richard
erlauben zu leben, bis Richard stirbt? Ihr macht einen Scharr-Fuß,
und Bolingbroke sagt, ja.

Northumberland.
Gnädigster Herr, er wartet in dem Hofe, mit euch zu reden; gefällt
es euch herunter zu kommen?

König Richard.
Herunter, herunter komm ich, wie der schimmernde Phaeton, da er die
unbändigen Sonnen-Pferde nicht zu regieren wußte. In den Hof
herunter, ein König in den Hof herunter, auf den Ruf eines
Verräthers, um ihm seine Begnadigung zu geben. Herunter dann,
König, herunter!

Bolingbroke.
Was sagt seine Majestät?

Northumberland.
Kummer und Sorgen machen ihn wunderlich, und wie ein Mann der nicht
recht bey sich selbst ist, reden. Izt ist er da.

Bolingbroke (kniend.)
Tretet alle zurük, und bezeuget Sr. Majestät eure schuldige
Ehrfurcht. Mein Gnädigster Herr–

König Richard.
Mein edler Vetter, ihr demüthiget eure fürstlichen Knie zu tief,
indem ihr die niedrige Erde stolz macht sie zu berühren. Mir wäre
lieber, wenn mein Herz eure Liebe fühlte, als daß mein
unbefriedigtes Aug’ eure Höflichkeit sieht. Auf, Vetter, auf; euer
Herz ist zum wenigsten so hoch,

(er deutet mit der Hand auf seine Crone)

wenn eure Knie schon so niedrig sind.

Bolingbroke.
Mein Gnädigster Herr, ich komme nur für das, was mein eigen ist.

König Richard.
Euer Eigenthum ist euer, ich bin euer, alles ist euer.

Bolingbroke.
In so fern möge Eure Majestät mein seyn, mein Gnädigster Souverain,
als meine getreuen Dienste eure Liebe verdienen werden.

König Richard.
Ihr verdienet alles; wer verdient mehr zu haben, als wer den
sichersten und kürzesten Weg kennt, zu gewinnen? Oheim, gebt mir
eure Hand; nein, troknet eure Augen; Thränen sind nur hülflose
Zeichen der Liebe. Vetter, ich bin zu jung euer Vater zu seyn, ob
ihr gleich alt genug seyd, mein Erbe zu seyn. Ich will euch geben
was ihr haben wollt, und noch dazu mit Willen. Denn warum sollen
wir nicht wollen, was wir müssen? Ziehet fort nach London. Ist
das nicht eure Absicht, Vetter?

Bolingbroke.
Ja, Gnädigster Herr.

König Richard.
So darf ich nicht nein sagen.

(Trompeten. Sie gehen ab.)

Siebende Scene.
(Ein Garten im Hofe der Königin.)
(Die Königin tritt mit zwoen Damen auf.)

Königin.
Was für eine Kurzweil wollen wir uns in diesem Garten machen, um
unsre kummervolle Gedanken zu vertreiben?

Lady.
Gnädigste Frau, wir wollen mit Kugeln spielen.

Königin.
Das würde mich denken machen, daß die Welt voller Rauhigkeit und
Zaken ist, und daß mein Glük, wie eine Kugel, die ihre Kraft
verlohren hat, seitwärts rennt.

Lady.
Madam, so wollen wir tanzen.

Königin.
Meine Füsse können kein Maaß* im Vergnügen halten, wenn mein armes
Herz kein Maaß in seinem Kummer hält. Also nichts vom Tanzen,
Mädchen; irgend ein andres Spiel.

{ed.-* Wortspiel mit dem Wort (measure), welches Cadenz, und Maaß
heißt.}

Lady.
So wollen wir Mährchen erzählen, Gnädigste Frau.

Königin.
Traurige oder lustige?

Lady.
Von beyderley Gattung, Madam.

Königin.
Von keiner von beyden, Mädchen. Die Frölichen würden nur die
Erinnerung meiner Schmerzen desto lebhafter machen, weil sie mir
die Freude zeigten, die mir fehlt; und die Traurigen würden noch
mehr Bekümmerniß zu derjenigen hinzuthun, die ich schon habe.

Lady.
So wollen wir singen, Gnädigste Frau.

Königin.
Es ist gut, wenn du Ursache dazu hast; aber du würdest mir besser
gefallen, wenn du weinen würdest.

Lady.
Ich könnte wol weinen, Gnädigste Frau, wenn es euch besser machte.

Königin.
Und ich könnte weinen, wenn mir weinen besser machte, ohne daß ich
eine Thräne von dir entlehnen müßte. Aber warte, hier kommen die
Gärtner. Wir wollen uns in den Schatten dieser Bäume verbergen–
Sie werden vom Staat reden, wie alle Welt, wenn eine Veränderung im
Werk ist. (Ein Gärtner mit zween Garten-Jungen tritt auf;
die Königin und ihre Damen treten bey Seite.)

Gärtner.
Geh, binde du jene hängenden Apricosen auf, die, wie ungerathene
Kinder, ihren Vater durch ihr verschwendrisches Gewicht zu Boden
ziehen; unterstüze ein wenig die neigenden Zweige. Geh du, und
haue, gleich einem Nachrichter, die Köpfe der zu
hochaufschiessenden Stauden-Gewächse ab, die zu übermüthig in
unserm gemeinen Wesen aussehen. In unsrer Regierung muß alles eben
seyn. Unterdessen daß ihr so beschäftigst seyd, will ich gehen,
und das unnüze Unkraut ausjäten, das den gesunden Pflanzen die
Nahrung entzieht.

Junge.
Wie verlangt ihr von uns, daß wir in dem Bezirk eines Zauns, Geseze,
Form, und gehöriges Ebenmaaß beobachten, und wie in einem Model
einen wolgeordneten Staat zeigen? Indeß daß unser vom Meer
eingeschloßner Garten, das ganze Land voller Unkraut ist, seine
schönsten Blumen zerknikt, seine fruchtbaren Bäume alle ungepuzt,
seine Zäune eingerissen, seine Knoten alle verwirrt sind, und seine
heilsamen Gewächse von Raupen wimmeln?

Gärtner.
Schweige du; derjenige, dessen Frühling so wild und zügellos war,
hat nun den Fall seiner Blätter erfahren. Der Epheu, der unter dem
Schirm seiner weitverbreiteten Zweige emporwuchs, und ihn zu
unterstüzen schien, indem er ihn aussog, ist aller bis auf die
Wurzeln, von Bolingbroke ausgereutet worden; ich meyne den Grafen
von Wiltschire, Buschy, und Green.

Junge.
Was, sind sie todt?

Gärtner.
Das sind sie, und Bolingbroke hat sich des verunglükten Königs
bemächtiget. Wie beklagenswerth ist es, daß er sein Land nicht so
gehalten hat, wie wir unsern Garten. Wir verwunden die Rinde
unsrer Frucht-Bäume, weil der zu grosse Überfluß von Saft sie geil
und üppig machen, und durch zuviel Reichthum zu grund richten würde.
Hätte er es mit den Menschen so gemacht, die zu groß und üppig
wuchsen, sie möchten die Zeit erlebt haben daß sie ihm nüzliche
Früchte getragen, und er, daß er sie gekostet hätte. Wir schneiden
alle überflüßigen Äste weg, damit die tragenden Zweige leben mögen;
hätt’ er’s auch so gemacht, so würd’ er selbst die Crone getragen
haben, die ihm Verschwendung und Müßiggang so bald vom Haupte
gerissen.

Junge.
Was? denkt ihr dann, der König werde abgesezt werden?

Gärtner.
Unterdrükt ist er schon, und abgesezt wird er ohne Zweifel werden.
Es sind in verwichner Nacht Briefe von einem Freund des Herzogs von
York angekommen, welche schlimme Zeitungen erzählen.

Königin.
O, ich werde zu todt gepreßt, wenn ich länger schweige–Du Ebenbild
Adams, in diesen Garten gesezt, seiner zu pflegen, wie untersteht
sich deine Zunge so leidige Zeitungen anzukündigen. Was für eine
Eva, was für eine Schlange hat dir eingegeben, einen zweyten Fall
des verfluchten Menschen zu machen? Wie, sagst du, König Richard
ist entsezt? Darfst du, kaum ein bessers Ding als die Erde die du
gräbst, seinen Fall weissagen? Sprich, wo, wenn und wie kamst du
zu dieser bösen Zeitung? Sprich, du Unglükseliger!

Gärtner.
Verzeihet mir, Madam. Ich habe wenig Freude davon, diese
Neuigkeiten zu sagen, aber man versichert, daß sie wahr seyen.
König Richard ist in Bolingbroks mächtiger Gewalt. Ihr Glük wird
gegen einander abgewogen. In euers Herrn Waagschale ist nichts als
er selbst, und etliche wenige Eitelkeiten, die ihn leicht machen;
aber in der Schaale des grossen Bolingbroks ligen, ausser ihm
selbst, alle Pairs von England, und mit diesen wiegt er den König
Richard zu Boden. Eilet nur nach London, und ihr werdet es so
finden; ich sage nichts, als was jedermann weiß.

Königin.
Du behendes Unglük, das so leicht auf den Füssen ist, geht deine
Gesandtschaft nicht mich an? Warum bin ich dann die lezte, die sie
erfährt? O du denkst mich auf die Lezte zu sparen, damit ich deine
Schmerzen desto länger fühle. [** Kommt, Lädies, wir wollen gehen,
um in London Londons König im Jammer aufzusuchen. Wie, ward ich
hiezu gebohren, daß mein gedemüthigter Blik den Triumph des stolzen
Bolingbroks vermehren soll? Gärtner, für diese Zeitung, die du mir
erzählt hast, wünsch’ ich, daß die Pflanzen, die du pflanzest,
nimmer wachsen mögen.

{ed.-** Was in [ ] eingeschlossen ist, sind Reime im Original.}

(Sie geht ab.)

Gärtner.
Arme Königin, möchte, wenn es dir helfen könnte, dein Fluch an
meinem Fleisse wahr werden!–Hier ließ sie eine Thräne fallen;–
hier, an diesem Ort will ich einen Rautenstok sezen, zum Andenken,
daß eine Königin hier geweint hat.]

(Geht ab.)

Vierter Aufzug.

Erste Scene.
(Der Parlament-Saal in London.)
(Bolingbroke, Aumerle, Northumberland, Percy, Fizwater, Surrey,
der Bischoff von Carlisle, der Abbt von Westmünster, Herolde,
Officianten, Gerichtsdiener, und Bagot, treten auf.)

Bolingbroke.
Ruft den Bagot hervor–Sage nun ohne Scheu, was du von Glosters
Tode weißst; wer half dem Könige dazu, und wer vollbrachte diese
unglükselige That?

Bagot.
Wenn ihr das wissen wollt, so stellt mir den Lord Aumerle vor die
Augen.

Bolingbroke.
Vetter, tritt hervor, und sieh’ diesem Mann in die Augen.

Bagot.
Milord Aumerle, ich weiß eure edelmüthige Zunge verschmäht es, zu
läugnen was sie einmal gesagt hat. In jener Zeit, da Glosters Tod
angezettelt wurde, hörte ich euch sagen: Ist mein Arm nicht lang
genug, da er von dem ruhigen Englischen Hof bis nach Calais an
meines Oheims Kopf reicht? Unter vielen andern Reden, hört ich
euch damals auch dieses sagen: Ihr wolltet eher hunderttausend
angebotne Cronen ausschlagen, als daß Bolingbroke nach England
zurük komme; und ihr seztet hinzu, wie glüklich dieses euers
Vetters Tod dieses Land machen würde.

Aumerle.
Prinzen und Milords, was für eine Antwort soll ich diesem
niederträchtigen Mann geben? Soll ich meine schönen Sterne so sehr
entehren, und ihm wie einem der meines gleichen ist, antworten.
Und doch muß ich, oder ich muß es leiden, meine Ehre von dem Geifer
seiner verläumderischen Zunge beflekt zu sehen. Hier ist mein
Pfand,

(er wirft seinen Handschuh hin,)

das Siegel des Todes, daß dich für die Hölle auszeichnet. Du
liegst, und ich will, daß es falsch ist was du sagst, mit deinem
Herzens-Blut beweisen, so unwürdig es auch ist, den Stahl meines
ritterlichen Schwerdts zu besudeln.

Bolingbroke.
Bagot, nim dich in Acht; du sollt es nicht aufheben.

Aumerle.
Einen einzigen ausgenommen, wollt’ ich, der Beste in dieser
Versammlung hätte mich so herausgefordert.

Fizwater.
Wenn du es zufrieden bist, daß ein andrer seinen Plaz nehme, so ist
hier mein Pfand gegen das Deinige. Bey dieser schönen Sonne, die
mir zeigt, wo du stehst, ich hörte dich sagen, und du sprachst es
mit einem pralerischen Ton, du seyest die Ursach von des edlen
Glosters Tod gewesen. Wenn du das läugnest, so lügst du eine
zwanzigfache Lüge, und mit diesem meinem Schwerdt will ich sie in
dein Herz zurük stossen, worinn sie ausgebrütet wurde.

Aumerle.
Feige Memme, du hast das Herz nicht, so lange zu leben, daß du
diesen Tag sehest.

Fizwater.
Bey meiner Seele, ich wollt’ es wäre in dieser Stunde.

Aumerle.
Fizwater, diß verdammt dich zur Hölle.

Percy.
Aumerle, du lügst; o seine Ehre ist in dieser Anklage so rein, als
du ein Bösewicht bist. Und daß du es bist, das will ich, hier ist
mein Pfand dafür, bis zum lezten Lebens-Athem an dir beweisen.
Heb’ es auf, wenn du Muth hast.

Aumerle.
Und wenn ich es nicht thue, o dann verdorre meine Hand, und
schwinge niemals wieder den rächenden Stahl über den Helm meiner
Feinde! Wer beschuldigt mich noch mehr? Beym Himmel, ich nehm’ es
mit allen auf Ich habe tausend Geister in meiner Brust, um
zwanzigtausend solchen wie ihr seyd, zu antworten.

Surrey.
Milord Fizwater, ich erinnre mich der Zeit sehr wol, da Aumerle und
ihr euch mit einander sprachet.

Fizwater.
Milord, es ist wahr; ihr waret dabey, und ihr könnt mir Zeugniß
geben, daß es wahr ist.

Surrey.
So falsch, beym Himmel, als der Himmel selbst wahrhaft ist.

Fizwater.
Surry, du lügst.

Surrey.
Ehrloser Bube, diese Lüge soll so schwer auf meinem Schwerdte ligen,
daß es Rache über Rache nehmen soll, bis du, der mich lügen hieß,
und deine Lüge, so ruhig in der Erde ligen als deines Vaters
Schädel. Zu dessen Beweiß, ist hier das Pfand meiner Ehre;
verbinde dich zum Kampf, wenn du das Herz hast.

Fizwater.
Wie unnöthig spornst du ein feuriges Roß! Wenn ich das Herz habe
zu essen, zu trinken, Athem zu holen, so hab’ ich auch das Herz,
Surrey in einer Wildniß aufzusuchen, und ihn anzuspeyen, indem ich
ihm sage, daß er lügt, und lügt, und lügt: Hier ist mein Pfand, daß
ich dich zur Straffe ziehen will. So wahr ich in dieser neuen Welt
zu gedeyhen wünsche, Aumerle ist meiner wahrhaften Anklage schuldig.
Überdem hörte ich den verbannten Norfolk sagen, du Aumerle,
habest zween von deinen Leuten abgeschikt, den Herzog zu Calais zu
ermorden.

Aumerle.
Ist kein ehrlicher Christ hier, der mir einen Handschuh leiht,
damit ich sagen kan, daß Norfolk lügt; hier zieh ich diesen ab, daß
ich es auf ihn beweisen will, wenn er zurükberuffen werden mag.

Bolingbroke.
Alle diese Händel sollen zur Entscheidung ausgesezt bleiben, bis
Norfolk zurükberuffen ist; und das soll er werden, und, ob er
gleich mein Feind ist, in alle seine Herrschaften wieder eingesezt;
wenn er wieder da ist, soll er gegen Aumerle seinen Beweis machen.

Carlile.
Dieser ehrenvolle Tag wird nie gesehen werden. Eine lange Zeit hat
der verwiesne Norfolk für Jesum Christum, in glorreichen blutigen
Kämpfen für die Ehre des heiligen Creuzes, mit schwarzen Heiden,
Türken und Saracenen gefochten; hernach, von der kriegrischen
Arbeit abgemattet, nach Italien sich zurükgezogen, und endlich zu
Venedig seinen Leib dieser anmuthsvollen Erde, seine reine Seele
aber Christo, seinem Feldherrn, gegeben, unter dessen Fahne er so
lange gestritten hatte.

Bolingbroke.
Wie, Bischoff, ist Norfolk todt?

Carlile.
So gewiß ich lebe, Milord.

Bolingbroke.
Seliger Friede führe seine Seele in Abrahams Schooß!–Milords
Appellanten, eure Händel sollen alle auf den gewechselten Pfändern
beruhen, bis wir euch den Tag zu eurer Probe angesezt haben.

Zweyte Scene.
(York zu den Vorigen.)

York.
Grosser Herzog von Lancaster, ich komme zu dir von dem berupften
Richard abgeschikt, der mit williger Seele dich zu seinem Erben
annimmt, und seinen hohen Scepter in deine königliche Hand
übergiebt. Besteige also seinen Thron, als nunmehr von ihm
abstammend, und lang lebe König Heinrich der vierte!

Bolingbroke.
In Gottes Namen, will ich den königlichen Thron besteigen.

Bischoff von Carlisle.
Das verhüte der Himmel! So schlimm das scheinen oder aufgenommen
werden mag, was ich in dieser königlichen Gegenwart reden werde, so
anständig ist es mir, die Wahrheit zu sagen. Wollte Gott, daß
einer in dieser edeln Versammlung edel genug wäre ein aufrichtiger
Richter des edeln Richards zu seyn; denn ein wahrer Edelmuth würde
ihn eine so ungerechte That verabscheuen lehren. Welcher Unterthan
kan ein Urtheil über seinen König sprechen? Und wer sizt hier, der
nicht Richards Unterthan ist? Diebe, so sehr auch die Umstände
wider sie zeugen, werden nicht gerichtet, ohne daß man sie gehört
hat. Und soll das Bild der Göttlichen Majestät, sein Hauptmann,
und selbsterwählter Statthalter, gesalbt, gekrönt, und eingethront,
von seinen Unterthanen verurtheilt werden, und er selbst nicht
dabey zugegen seyn? O verhüt’ es, gerechter Himmel! daß in einem
Christlichen Lande, unter einem gesitteten Volk eine so scheußliche,
schwarze, unflätige That gesehen werde! Ich rede zu Unterthanen,
und als ein Unterthan; vom Himmel angetrieben red’ ich so kühn,
denn ich rede für meinen König. Milord von Hereford hier, den ihr
König nennt, ist ein schändlicher Verräther an Herefords König.
Und wenn ihr ihn krönt, so laßt mich propheceyen, Englisches Blut
wird den Boden düngen, und künftige Zeitalter um dieser Schandthat
willen ächzen. Der Friede wird zu den Türken und Ungläubigen
schlafen gehen, und in diesem Siz des Friedens, aufrührischer Krieg,
Brüder gegen Brüder, und Bürger gegen Bürger erhizen. Unordnung,
ruchlose Gewalt, Mißtrauen und Aufruhr wird hier wohnen, und dieses
mit Menschen-Schädeln bedekte Land Golgatha genennt werden. O wenn
ihr das königliche Haus gegen das königliche Haus empört, so wird
die jammervolleste Zwietracht daraus entstehen, die jemals auf
diesem verfluchten Erdboden gewüthet hat. O! vermeidet sie,
widerstehet, laßt es nicht so seyn, oder die Kinder eurer Kinder
werden Weh über euch schreyen.

Northumberland.
Ihr habt vortrefflich gesprochen, Herr, und für eure Mühe nehmen
wir euch hier wegen Hochverraths in Verhaft. Milord von
Westmünster, laßt es eure Sorge seyn, ihn bis zum Tag seines
Verhörs wol zu verwahren. Gefällt es euch, Milords, die Bitte der
Gemeinen zu bewilligen?

Bolingbroke.
Bringet Richarden hieher, damit er vor allen Augen das Reich
übergebe: auf diese Art wird aller Verdacht gehoben.

York.
Ich will sein Führer seyn.

(Er geht ab.)

Bolingbroke.
Diejenigen von euch, Milords, die hier unter unserm Arrest sind,
mögen für ihre Sicherheit auf den Tag ihrer Antwort besorgt seyn.
Wir sind ihrer Liebe wenig schuldig, und haben uns wenig Beystand
von ihnen zu versehen gehabt.

Dritte Scene.
(König Richard und York zu den Vorigen.)

König Richard.
Himmel, warum werde ich vor einen König vorgefordert, eh ich die
königlichen Gedanken abgeschüttelt habe, womit ich regierte? Ich
habe noch nicht lernen können, mich einzuschwazen, zu schmeicheln,
zu büken und die Knie zu beugen. Lasset meinem Kummer noch Zeit
mich zu dieser Unterwürfigkeit anzugewöhnen. Und doch will ich
mich der Zeit erinnern, da mir diese Männer günstiger waren. Waren
sie nicht einmal mein? Rieffen sie mir nicht einmal lauter Heil
und Leben zu? Das that Judas auch gegen Christum: Aber Christus
fand unter zwölfen Treue bey allen bis auf einen, ich unter
zwölftausend gar keine. Gott erhalte den König!–Will niemand
sagen, Amen? Bin ich Priester und Küster zugleich? Wol dann, Amen!
Gott erhalte den König, ob ich’s gleich nicht bin, und auch Amen!
Wenn der Himmel mich dafür erkennt. Was für Dienste fordert man
von mir, daß man nach mir geschikt hat?

York.
Eine Handlung deines eignen freyen Willens, wozu du, der Majestät
überdrüßig, dich selbst erboten hast, die Übergabe deines Staats
und deiner Crone.

König Richard.
Gebt mir die Crone–hier, Vetter, nimm die Crone, hier auf dieser
Seite, meine Hand; und auf dieser deine. Izt ist diese goldne
Crone wie ein tiefer Brunnen mit zween Kübeln, wovon einer den
andern füllt; der leere tanzt immer in der Luft, indem der andre in
der Tiefe, ungesehn und voll Wassers ist; dieser erniedrigte und
mit Thränen angefüllte Kübel bin ich, der nun seinen Kummer wie
Wasser in sich schluken muß, indeß daß ihr in die Höhe steigt.

Bolingbroke.
Ich dachte, ihr wäret willig, die Crone niederzulegen?

König Richard.
Die Crone, ja; aber doch bleibt mein Schmerz mein, ihr könnt mich
meiner Majestät und meines Staats entsezen, aber nicht meiner
Schmerzen; darüber bleib ich immer König.

Bolingbroke.
Seyd ihr’s zufrieden, die Crone zu übergeben?

König Richard.
Ja, nein–Nein, ja,–Denn ich muß nichts seyn–also nein, nein;
denn ich übergebe sie dir. Nun, gebt acht wie ich mich selbst
vernichte; ich gebe diese schwere Bürde von meinem Haupte weg,
diesen unbehülflichen Scepter aus meiner Hand, und den Stolz der
Königs-Würde aus meinem Herzen; mit meinen eignen Thränen wasch ich
meine Salbung weg; mit meinen eignen Händen geb ich meine Crone von
mir; mit meiner eignen Zunge verläugne ich meinen geheiligten Stand,
und mit meinem eignen Athem entlasse ich alle ihrer mir
geschwornen Pflichten. Ich verschwöre alle Majestät und Hoheit,
ich vergesse alle meine Domainen, Renten und Einkünfte, ich
vernichte alle meine Handlungen, Edicte und Verordnungen. Gott
verzeihe alle die Eidschwüre, die an mir gebrochen werden! Gott
erhalte alle diejenigen ungebrochen, die dir gethan werden. Mögest
du lange leben, um auf Richards Stuhl zu sizen, und Richard bald im
Grabe Ruhe finden. Gott erhalte den König Heinrich, sagt der
entkönigte Richard, und sende ihm viele Jahre von glüklichen Tagen!–
Was ist noch mehr zu thun?

Northumberland.
Nichts mehr, als daß ihr diese Anklagen und dieses Verzeichniß von
abscheulichen Verbrechen leset, die von euch selbst und euern
Anhängern gegen den Staat und das Beste dieses Landes begangen
worden; damit durch euer Geständniß alle Welt überzeugt werde, daß
ihr mit Recht entsezt worden seyd.

König Richard.
Muß ich das thun? muß ich das Gewebe meiner Thorheiten Faden vor
Faden ausfäseln? Lieber Northumberland, wenn deine Sünden alle
aufgeschrieben wären, würdest du nicht beschämt seyn, sie in einer
so schönen Gesellschaft abzulesen? Thätest du es, du würdest einen
scheuslichen Artikel, die Absezung eines Königs, darinn finden, den
gewaltthätigen Bruch eines geheiligten Eides, mit einem Strich der
Verdammniß im Buch des Himmels bezeichnet. O, ihr alle die ihr
hier steht und mich anseht, wie mein Unglük mich nöthigt, mich
selbst aufzureiben, wenn gleich einige von euch wie Pilatus ihre
Hände mit heuchlerischen Thränen waschen; so seyd ihr’s dennoch,
ihr Pilatusse, die mich hier zu meinem bittern Creuz ausliefern,
und Wasser kan eure Sünde nicht abwaschen.

Northumberland.
Milord, beschleunigst euch, überleset diese Artikel.

König Richard.
Meine Augen sind voll Thränen; ich kan nicht sehen, und doch
blendet ihr Salz-Wasser sie nicht so sehr daß ich nicht einen Pak
Verräther hier beysammen sehe. Doch was sag ich? ich bin selbst
ein Verräther wie die übrigen; denn ich habe die Einwilligung
meiner Seele zur Entsezung eines Königs gegeben; ich habe die
Majestät entweiht, und einen Monarchen zu einem Sclaven gemacht;
ich bin ein Verräther!

Northumberland.
Milord–

König Richard.
Kein Lord von dir, du hohnsprechender Mann, niemands Lord; ich habe
keinen Namen, keinen Titel mehr; nein, sogar der Name der mir über
dem Taufstein gegeben wurde, ist usurpirt. O! des unglüklichen
Tags! daß ich so manche Winter überlebt haben, und meinen eignen
Namen nicht mehr wissen soll! O! daß ich ein zum Scherz aus
Schnee zusammengeballter König wäre, und hier, vor Bolingbroks
Sonne stehend, in Wassertropfen wegschmelzen möchte!–Guter König,–
Grosser König–wenn anders mein Wort noch gangbare Münze in England
ist, so laßt es diesen Augenblik einen Spiegel hieher befehlen,
damit ich sehe, wie mein Gesicht aussieht, seitdem es seine
Majestät verlohren hat.

Bolingbroke.
Gehe jemand, und hole einen Spiegel.

Northumberland.
Überleset indessen dieses Papier, bis der Spiegel kommt.

König Richard.
Teufel, du peinigst mich, eh ich noch in der Hölle bin.

Bolingbroke.
Sezt ihm nicht weiter zu, Milord von Northumberland.

Northumberland.
Die Gemeinen werden so nicht zufrieden seyn.

König Richard.
Sie sollen es werden; ich will genug lesen, wenn ich das Buch sehe,
worinn, in der That, alle meine Sünden geschrieben sind, und das
bin ich selbst.

(Man bringt einen Spiegel.)

Gieb mir den Spiegel, hierinn will ich lesen–Noch keine tiefere
Runzeln! Hat der Kummer so manche Streiche auf dieses mein Gesicht
geführt, und keine tiefere Wunden gemacht? O! schmeichelndes Glas!
Du betrügst mich wie die Freunde meines glüklichen Zustands–War
dieses das Gesicht, das täglich zehntausend Menschen unter seinem
Haus-Dach hielt? War diß das Gesicht, das gleich der Sonne,
diejenigen die es ansahen, blinzen machte? und nun von Bolingbrok
überglänzt wird? Eine zerbrechliche Majestät leuchtet in diesem
Gesicht,

(er schmeißt den Spiegel auf den Boden,)

und so zerbrechlich wie die Majestät, ist auch das Gesicht; denn
hier ligt es, in hundert Scherben zerbrochen. Gieb Acht,
stillschweigender König, auf die Moral dieses Kinderspiels; wie
schnell mein Kummer mein Gesicht zerstört hat.

Bolingbroke.
Der Schatten euers Kummers hat den Schatten euers Gesichts zerstört.

König Richard.
Sagt das noch einmal. Der Schatten meines Kummers! Ha, laßt
einmal sehen–es ist in der That so, mein Schmerz ligt ganz in
meinem Innern, und alle diese äusserlichen Zeichen von Jammer sind
blosse Schatten des unsichtbaren Grams, der in geheim in der
gepeinigten Seele schwellt. Ich danke dir, König, daß du mir nicht
nur Ursache zum Wehklagen giebst, sondern mich auch noch lehrst,
wie ich die Ursache bejammern soll. Ich will nur noch um eine
einzige Gefälligkeit gebeten haben, und dann gehen und euch nicht
mehr beunruhigen. Werd’ ich sie erhalten?

Bolingbroke.
Nennet sie, geliebter Vetter.

König Richard.
Geliebter Vetter! Ah! ich bin grösser als ein König; denn wie ich
ein König war, waren meine Schmeichler meine Unterthanen; nun da
ich ein Unterthan bin, hab ich einen König zum Schmeichler. Da ich
ein so grosser Mann bin, so hab ich nicht nöthig zu bitten.

Bolingbroke.
So fordert.

König Richard.
Und soll ich’s haben?

Bolingbroke.
Ihr sollt.

König Richard.
So erlaubt mir wegzugehen.

Bolingbroke.
Wohin?

König Richard.
Wohin ihr wollt, wenn es nur aus euerm Gesicht ist.

Bolingbroke.
Einige von euch sollen ihn nach dem Tower begleiten–Auf nächsten
Mitwoch sezen wir unsre Krönung fest: Milords, haltet euch dazu
gefaßt.

(Alle gehen ab, bis auf den Abbt von Westmünster, den Bischoff und
Aumerle.)

Vierte Scene.

Abbt.
Welch ein jammervolles Schauspiel, das wir hier gesehen haben!

Bischoff.
Der Jammer wird erst kommen; die noch ungebohrne Nachwelt wird
diesen Tag so scharf wie einen Dorn in ihrem Fleische fühlen.

Aumerle.
Ihr heiligen Priester, ist denn kein Mittel, das Reich vor diesem
verderblichen Unwesen zu retten?

Abbt.
Eh ich euch hierüber mein Innerstes entdeke, sollt ihr das
Sacrament darauf empfangen, daß ihr nicht nur mein Vorhaben
verschwiegen halten, sondern auch alles vollziehen wollet, was ich
euch nur immer auftragen werde. Ich sehe eure Stirne voll
Mißvergnügen, euer Herz voll Gram, und eure Augen voll Thränen.
Kommt mit mir heim zum Nacht-Essen, und da wollen wir den Grund zu
einem Entwurf legen, der uns einen glüklichen Tag sehen lassen soll.

(Sie gehen ab.)

Fünfter Aufzug.

Erste Scene.
(Eine Strasse in London.)
(Die Königin mit ihren Damen tritt auf.)

Königin.
Diesen Weg wird der König kommen: Diß ist der Weg zu jenem fatalen
Thurm, den Julius Cäsar aufführte, und worein der stolze
Bolingbroke meinen Herrn zur Gefangenschaft verurtheilt hat. Hier
wollen wir ausruhen; wenn diese aufrührische Erde anders noch eine
Ruhe für ihres rechtmäßigen Königs Gemalin hat.–
(König Richard tritt mit seiner Wache auf.) Aber stille! aber
seht, doch seht lieber nicht, wie verwelkt meine schöne Rose ist–
Nein, seht auf, schaut und zerfließt aus Mitleiden in Thau, um ihn
mit den Thränen einer getreuen Liebe wieder frisch zu waschen. O
du, der Trümmer, wo das alte Troja stand, du Ruin der Majestät, du
Grabmal von König Richard, und nicht König Richard selbst! Du
schöner Gasthof, soll Gram und Jammer in dir herbergen, indeß daß
Triumph der Gast in einer Bierschenke worden ist?

König Richard.
Vereinige dich nicht mit meinem Kummer, schönes Weib, mein Ende zu
sehr zu beschleunigen. Lerne, gute Seele! unsern vorigen Zustand
als einen glüklichen Traum ansehen, von dem wir nun erwacht sind,
und uns in der That in keinen bessern Umständen finden, als worinn
wir sind. Meine Liebe, ich bin ein geschworner Bruder der
unerbittlichen Nothwendigkeit, und wir beyde werden im Bündniß
stehen bis zum Tode. Eile du nach Frankreich, und verbirg dich in
irgend eine andächtige Freystätte. Es ist uns nichts übrig, als
durch ein heiliges Leben die Crone in einer bessern Welt wieder zu
gewinnen, die wir durch unheilige Stunden verlohren haben.

Königin.
Wie? Ist mein Richard an Gestalt und Gemüth verwandelt? Hat
Bolingbroke auch deinen Geist abgesezt? Ist er bis in dein Herz
eingedrungen? Ein sterbender Löwe sträubt sich, und verwundet, aus
Wuth überwältigt zu seyn, wenigstens die Erde, wo er fiel; und du,
willt wie ein unmündiger Knabe deine Züchtigung mit Sanftmuth
empfangen, die Ruthe küssen, und deinem Feind mit schaamwürdiger
Demuth die Füsse lecken, du, der ein Löwe, ein König der Thiere war?

König Richard.
Ein König von Thieren, in der That; und wenn es nichts als Thiere
gewesen wären, so wär’ ich noch ein glüklicher König von Menschen.
Meine gute ehmalige Königin, mache dich reisefertig nach Frankreich.
Denk, ich sey todt, und daß du eben hier, als bey meinem Todbette,
den lezten Abschied von mir nimmst. In verdrieslichen
Winternächten size mit guten alten Leuten zum Feuer, und laß dir
Geschichten von Jammer und Unglük erzählen, die längst begegnet
sind; und ehe du ihnen gute Nacht giebst, erzähl’ ihnen hinwieder
meinen kläglichen Fall, und schike die hörenden weinend zu Bette–

Zweyte Scene.
(Northumberland und Gefolge zu den Vorigen.)

Northumberland.
Milord, Bolingbrok hat seine Gedanken geändert, ihr sollt nach
Pomfret, nicht nach dem Tower–Madam, es sind schon Anstalten
euertwegen gemacht; ihr müßt in möglichstes Eile nach Frankreich.

König Richard.
Northumberland, du Leiter, auf welcher Bolingbroke an meinen Thron
hinaufgestiegen ist; die Zeit wird nicht lange aussenbleiben, da
dein schwährendes Verbrechen von faulem Eyter aufbrechen wird. Du
wirst denken, wenn er gleich das Reich theilt, und dir die Hälfte
giebt, es sey zu wenig, weil du ihm alles gegeben habest; und er
wird denken, du, der den Weg kennt unrechtmäßige Könige zu sezen,
werdest, auf die kleinste Veranlassung, auch wissen, ihn wieder, so
lang er ist, von seinem angemaßten Thron herab zu stürzen. Die
Liebe lasterhafter Freunde verwandelt sich in Mißtrauen, und diß
Mißtrauen in Haß; und der Haß wird einen oder beyde dem verdienten
Untergang überliefern.

Northumberland.
Mein Verbrechen sey über meinem Haupt, und soviel hievon! Nehmt
Abschied von einander, ihr müßt scheiden.

König Richard.
Doppelt geschieden? Gottlose Leute, ihr entheiligt eine zweyfache
Ehe; zwischen mir und meiner Crone, und zwischen mir und meinem
vermählten Weib. Laß mich den Eid hinwegküssen, der dich und mich
vereinigt; und doch, nicht so, denn mit einem Kuß ward er gemacht.
Scheid’ uns, Northumberland; ich, nach Norden, wo schauernde Kälte
das kranke Clima verzehrt; meine Königin nach Frankreich, von
wannen sie im Pomp herübergesandt wurde, geschmükt wie der holde
May, nun zurük geschikt, verdüstert und traurig wie der kürzeste
Tag.

Königin.
Und müssen wir denn getrennt seyn? Müssen wir denn scheiden?

König Richard.
Ja, Hand von Hand, meine Liebe, und Herz von Herz.

Königin.
Verbannet uns beyde, und schikt den König mit mir.

Northumberland.
Das wäre gütig, aber sehr unpolitisch.

Königin.
So laßt mich mit ihm gehen.

König Richard.
Weine du in Frankreich für mich, und ich will hier für dich weinen;
es ist besser entfernt, als näher geschieden zu seyn. Geh, zähle
deinen Weg mit Seufzern ab, ich mit Ächzen den meinigen.

Königin.
So wird der längste Weg die meisten Seufzer haben.

König Richard.
Ich will bey jedem Schritt zweymal ächzen, weil mein Weg der
kürzere ist. Komm, komm, ein Kuß soll uns den Mund schliessen, und
dann fahr’ wohl; so geb’ ich dir mein Herz, und so nehm’ ich deines.

(Sie küssen sich.)

Königin.
Nein, gieb mir das meinige zurük; es wäre kein schöner Abschied,
wenn ich dein Herz mit mir nehmen wollte, um es zu tödten.

(Sie küssen sich wieder.)

So, nun hab’ ich das Meinige wieder, damit ich mich bestreben kan,
es mit einem Seufzer zu tödten.

König Richard.
Wir vermehren nur unsern Schmerz mit diesen zärtlichen
Verzögerungen; noch einmal, leb’ wohl; das übrige laß unsre Thränen
sagen.–

(Sie gehen ab.)

Dritte Scene.
(Des Herzogs von York Palast.)
(York und seine Herzogin treten auf.)

Herzogin.
Milord, ihr wolltet fortfahren, mir den Einzug unsrer beyden
Vettern in London zu erzählen, als ihr durch Thränen genöthigt
wurdet, eure Geschichte zu unterbrechen.

York.
Wo blieb ich stehen?

Herzogin.
Bey dem kläglichen Absaz, Milord, da ruchlose unmenschliche Hände
aus einem Fenster Staub und Auskehricht auf König Richard herunter
schütteten.

York.
Der Herzog, der grosse Bolingbroke, von einem heissen feurigen
Hengst getragen, der, als ob er seinen emporstrebenden Reuter kenne,
mit langsamem aber stolzem Schritt dahergieng, sezte also, wie ich
sagte, seinen Zug fort, indem alle Zungen ihm entgegenriefen: Gott
erhalte dich, Bolingbroke! Unzähliche weitoffne Augen schossen
ihre verlangende Blike nach ihm, und das Zujauchzen war so groß,
daß ihr gedacht hättet, die Mauren selbst mit den Bildern womit sie
übermahlt sind, hätten auf einmal zu ruffen angefangen: Gott
erhalte dich, willkommen, Bolingbroke! Indeß daß er, sich immer
von einer Seite zur andern drehend, mit entblößtem Haupt, und alle
Augenblike bis unter seines stolzen Rosses Kopf sich bükend, ihnen
antwortete: Ich danke euch, meine Mitbürger; und so zog er langsam
die Strasse durch.

Herzogin.
O Jammer! Armer Richard! Wie gieng es ihm indessen?

York.
Wie in einem Schauspiel die Augen der Leute, wenn ein beliebter
Schauspieler die Scene verläßt, sich unachtsam von demjenigen
wegwenden, der zunächst auftritt, in der Einbildung, daß sie nichts
als ein langweiliges Gewäsche von ihm zu erwarten haben; eben so,
oder noch verächtlicher, runzelte sich jede Stirne, da Richard kam;
niemand rief. Gott erhalte ihn! Keine erfreute Zunge hieß ihn in
seiner Hauptstadt willkommen; sondern Staub wurde auf sein
geheiligtes Haupt geschüttet, den er mit einem so sanftmüthigen
Schmerz und mit einem Gesicht, worinn Thränen und Lächeln, auf eine
so herzrührende Art kämpften, von sich abschüttelte, daß, hätte
nicht Gott, aus irgend einer furchtbaren Ursache, die Herzen der
Menschen verhärtet, sie nothwendig hätten schmelzen, und Barbarey
selbst ihn hätte beweinen müssen. (Aber der Himmel hat seine Hand
in diesen Begebenheiten, und in seinen hohen Willen müssen wir den
unsrigen ergeben. Wir sind nun Bolingbroks Unterthanen, und ihm
hab’ ich nun auf ewig meine Treue angelobt.)

Vierte Scene.
(Aumerle zu den Vorigen.)

Herzogin.
Hier kommt mein Sohn, Aumerle.

York.
Der Aumerle war, und es nicht mehr ist, weil er Richards Freund war.
Ihr müßt ihn nunmehr Rutland nennen, Madam; ich bin Bürge im
Parlament für seine Treue gegen den neuen König worden.

Herzogin.
Willkommen, Sohn; wo sind nun die Veilchen, die den grünen Schooß
des jungen Frühlings bestreuen?

Aumerle.
Madam, ich weiß es nicht, und bekümmre mich wenig darum. Gott weiß,
daß es mir gleichgültig ist, ob ich bin, oder ob ich nicht bin.

York.
Gut, betragt euch wohl in diesem Frühling einer neuen Zeit, sonst
möchtet ihr abgeschnitten werden, eh ihr geblüht habt. Was giebts
neues von Oxford? Dauren diese Lustbarkeiten und Ritterspiele noch
immer fort?

Aumerle.
So viel ich weiß, noch immer.

York.
Geht ihr auch dahin?

Aumerle.
Wenn Gott es nicht verhindert, so ist es mein Vorsaz.

York.
Was für ein Siegel ist das, so aus deinem Busen heraushängt–Wie,
du erblassest? Laß mich die Schrift sehen.

Aumerle.
Es ist nichts, Milord.

York.
So ist auch nichts daran gelegen, daß ichs sehe. Ich will
befriedigt seyn, laß mich die Schrift sehen.

Aumerle.
Ich bitte Euer Gnaden um Vergebung; es ist eine Kleinigkeit, die
ich aus gewissen Ursachen nicht gerne sehen lassen möchte.

York.
Die ich aus gewissen Ursachen sehen will, Herr. Ich fürchte, ich
fürchte–

Herzogin.
Was könnt ihr fürchten, Milord? Es wird nichts als irgend eine
Handschrift seyn, die er wegen seiner Equipage zum Einzug
ausgestellt haben wird.

York.
Ich glaube du bist nicht klug, Weib–Jung, laß mich die Schrift
sehen.

Aumerle.
Ich bitte euch, haltet mir’s zu Gnaden; ich kan es nicht sehen
lassen.

York.
Ich will es aber sehen, sag ich–

(Er reißt ihms weg und ließt es.)

Verrath! Schändlicher Hochverrath! Nichtswürdiger! Verräther!
Sclave!

Herzogin.
Was ist es dann, Milord?

York.
He! wer ist da drinn? Sattlet mein Pferd. Himmel, was für eine
Verrätherey ist das!

Herzogin.
Wie, was ist es, Milord?

York.
Meine Stiefel her, sag ich; sattlet mein Pferd. Nun bey meiner
Ehre, bey meinem Leben, ich will dein Ankläger seyn, Bösewicht.

Herzogin.
Was ist es dann?

York.
Still, närrisches Weibsbild.

Herzogin.
Ich will nicht still seyn; was ist es, Sohn?

Aumerle.
Meine gute Mutter, gebt euch zufrieden, es ist nichts mehr, als
wovor mein armes Leben gut stehen muß.

Herzogin.
Dein Leben!

Fünfte Scene
(Ein Bedienter kommt mit Stiefeln herein.)

York.
Gieb mir die Stiefel her; ich will zum Könige.

Herzogin.
Schlag ihn zu Boden, Aumerle–(Armer Junge, du bist betäubt.) Weg,
Schurke, und komm mir nicht mehr vor die Augen.

(Zum Bedienten.)

York.
Meine Stiefel!

Herzogin.
Wie, York, was willt du thun? Du willt den Tod deines eignen Kinds
befördern? Haben wir noch mehr Söhne? Oder können wir noch mehr
bekommen? Willt du meinen einzigen Sohn in meinem Alter von mir
reissen, und mich des glükseligen Namens einer Mutter berauben?
Ist er nicht dein eigen?

York.
Du zärtliche Thörin! Wolltest du diese schwarze
Zusammenverschwörung verheeren? Ihrer Zwölfe haben das Sacrament
empfangen, und sich die Hände darauf gegeben, den König zu Oxford
zu ermorden.

Herzogin.
Das soll er nicht; wir wollen ihn hier behalten.

York.
Weg, närrisches Weib. Wär’ er zwanzigmal mein Sohn, so wollt’ ich
ihn angeben.

Herzogin.
Hättest du seinetwegen ächzen müssen wie ich, du würdest
mitleidiger seyn. Aber nun merke ich deine Gedanken; du argwöhnest,
daß ich deinem Bette ungetreu gewesen sey, und daß er ein Bastard
sey, nicht dein Sohn; liebster York, liebster Gemal, denke nicht so;
er ist dir so gleich als man seyn kan; er ist weder mir noch
irgend jemand aus meiner Verwandtschaft ähnlich, und doch lieb ich
ihn.

York.
Aus dem Weg, widerspenstiges Weibsbild.

(Er geht ab.)

Herzogin.
Geh ihm nach, Aumerle; besteig’ sein Pferd, sporn’ es so gut, daß
du vor ihm zum König kommst, und bitt’ um Gnade, eh er dich
anklagen kan. Ich will nicht lange dahinten bleiben; wenn ich
schon alt bin, so will ich doch noch wol so schnell reiten als York;
und nimmer will ich vom Boden aufstehen, bis Bolingbroke dich
begnadigt hat. Hinweg.

(Sie gehen ab.)

Sechste Scene.
(Verwandelt sich in den Hof zu Windsor.)
(Bolingbroke, Percy, und andre Lords treten auf.)

Bolingbroke.
Kan mir niemand Nachricht von meinem ungerathnen Sohne geben? Es
sind volle drey Monate, seitdem ich ihn das leztemal sah. Wenn ja
eine Plage über uns hängt, so ist es er; ich wollte zu Gott,
Milords, daß er gefunden würde. Fragt zu London in den
Weinschenken nach ihm, denn dort sagt man, hält er sich täglich in
Gesellschaft zügelloser lüderlicher Leute auf, sogar mit solchen,
die in holen Wegen lauren und die Reisenden berauben, indeß daß der
junge ausgelassene Bube eine Ehre darinn sucht, eine so schändliche
Rotte zu beschüzen.

Percy.
Gnädigster Herr, es sind etwann zween Tage, daß ich den Prinzen sah,
und ihm von den Ritterspielen zu Oxford erzählte.

Bolingbroke.
Und was antwortete der Busch-Klöpfer?

Percy.
Er sagte, er wolle in ein Bordel, und der gemeinsten Meze einen
Handschuh abziehen, ihn ihr zu Ehren auf den Hut steken, und damit
den herzhaftesten Ritter aus dem Sattel heben.

Bolingbroke.
So lüderlich als wild; und doch seh’ ich durch beydes einige Funken
von Hoffnung schimmern, welche mit zunehmenden Jahren glüklich
ausschlagen mögen. Aber wer kommt hier? (Aumerle zu den Vorigen.)

Aumerle.
Wo ist der König?

Bolingbroke.
Was hat unser Vetter, daß er so starr und wild aussieht?

Aumerle.
Gott erhalte Euer Majestät. Ich bitte euch, etliche Augenblike mit
Euer Majestät allein sprechen zu dürfen.

Bolingbroke.
Entfernet euch, und laßt uns hier allein; was ist dann nun die
Sache, Vetter?

Aumerle (kniend.)
Auf ewig mögen meine Knie in die Erde wachsen, und meine Zunge an
meinen Gaumen, oder Euer Majestät ertheile mir Gnade, eh ich rede!

Bolingbroke.
Was ist dein Fehler, vorgesezt, oder würklich begangen? Wenn nur
das erste, so groß er seyn mag, so vergeb’ ich ihn dir, um deine
künftige Liebe zu gewinnen.

Aumerle.
So erlaubet mir, Gnädigster Herr, daß ich den Schlüssel umdrehen
darf, damit niemand herein komme, bis meine Erzählung zu ende ist.

Bolingbroke.
Das magst du.

York (hinter der Scene.)
Gnädigster Herr, nehmt euch in Acht, seht euch vor, ihr habt einen
Verräther bey euch.

Bolingbroke (zu Aumerle.)
Nichtswürdiger, ich will bald mit dir fertig seyn–

Aumerle.
Halt deine rächende Hand zurük, du hast keine Ursache zu fürchten.

York.
Mach die Thür auf, sichrer, unbesonnener König; öffne die Thür,
oder ich werde sie einstossen.

Siebende Scene.
(York zu den Vorigen.)

Bolingbroke.
Was giebt es, mein Oheim? Sprich, komm erst zu Athem; sag uns, wie
nah ist die Gefahr, damit wir uns waffnen können, ihr entgegen zu
gehen?

York.
Überlies diese Schrift, so wirst du die Verrätherey kennen, von
der ich, athemloß wie ich bin, noch nicht reden kan.

Aumerle.
Erinnre dich, indem du liesest, deines gegebnen Versprechens. Es
reuet mich, lies meinen Namen nicht, mein Herz ist kein
Bundsgenosse meiner Hand.

York.
Nichtswürdiger, dein Herz war ein Verräther, eh deine Hand es war–
ich riß es aus des Verräthers Busen, König. Furcht, nicht Liebe
zeugt seine Reue; habe kein Mitleiden mit ihm, oder dein Mitleiden
möchte eine Schlange werden, und dein Herz durchstechen.

Bolingbroke.
O grauliche, verwegne und mächtige Verschwörung! O rechtschaffner
Vater eines verrätherischen Sohns, du reine, unbeflekte
Silberquelle, aus welcher dieser Strom durch sumpfige Örter
geflossen, und so sich selbst verunreinigt hat. Der Überfluß
deiner Verdienste soll diesen tödtlichen Fleken von deinem
verbrecherischen Sohn abwaschen.

York.
So würde meine Tugend die Kupplerin seines Lasters seyn; und wie
verschwendrische Söhne ihrer kargen Väter Gold, so würde er durch
seine schändliche Thaten meine Ehre verprassen.* Meine Ehre lebt
nur, wenn seine Schande stirbt; du tödtest mich, du tödtest den
rechtschaffnen Mann, wenn du den Verräther leben lässest.

{ed.-* Von hier bis zur 9ten Scene lauter Reime im Original.}

Die Herzogin (hinter der Scene.)
O! Gnädigster Herr, um Gottes willen, laßt mich ein.

Bolingbroke.
Was für ein hellstimmiger Supplicant macht dieses ängstliche
Geschrey?

Herzogin.
Ein Weib, und deine Tante, grosser König, ich bin’s. O lasset mich
vor, habet Mitleiden mit mir, laßt die Thür öffnen. Eine Bettlerin
bettelt, die zuvor noch nie gebettelt hat.

Bolingbroke.
Unsre Scene hat ihre ernsthafte Gestalt verlohren, und hat sich in
den Bettler und den König verwandelt; mein gefährlicher Vetter,
laßt eure Mutter herein, sie kommt ohne Zweifel für euch zu bitten.

York.
Wenn du vergiebst, wer es auch sey, der dich um Gnade bittet, so
wird deine Gnade die Aufmuntrung zu neuen Verbrechen seyn.
Schneide dieses eyternde Gelenk ab, so bleibt das übrige gesund; wo
nicht, so wird der ganze Leib angestekt werden.

Achte Scene.
(Die Herzogin von York zu den Vorigen.)

Herzogin.
O König, glaube nicht diesem hartherzigen Mann; wer kan jemand
andern lieben, der sich selbst nicht liebt?

York.
Du aberwiziges Weibsbild, was machst du hier?–

Herzogin.
Geduld, lieber York; höret mich, Gnädigster Herr.

(Sie kniet.)

Bolingbroke.
Steht auf, meine Tante.

Herzogin.
Noch nicht, ich bitte euch; ewig will ich hier auf meinen Knien
ligen, bis du durch die Begnadigung meines armen Sohns mir das
Leben giebst.

Aumerle.
Kniend füg’ ich zu meiner Mutter Bitte die meinige.

York.
Und kniend heißt mich meine Treue wider beyde bitten; nimmer wirst
du gedeyhen, wenn du Gnade widerfahren lässest.

Herzogin.
Bittet er im Ernst? O betrachtet sein Gesicht; seine Augen lassen
keine Thränen fallen, sein Bitten ist nur Verstellung, seine Worte
kommen nur aus seinem Mund, unsre aus dem Herzen; er bittet nur, um
nicht erhört zu werden, wir bitten mit Herz und Seele; seine müden
Knie, ich weiß es, hoffen freudig aufzustehen; die unsrige sollen
knien, bis sie in den Boden wachsen. O so laßt dann unser
aufrichtiges Flehen seine heuchlerische Bitte überschreyen!

Bolingbroke.
Meine liebe Tante, steht auf.

Herzogin.
Nein, sagt nicht, daß ich aufstehen soll, ihr habt dann zuvor seine
Begnadigung ausgesprochen. O wär ich deine Amme, und sollte dich
reden lehren, Gnade sollte das erste Wort seyn, das deine Zunge
aussprechen lernte. Noch nie verlangte ich mit Ungeduld ein Wort
zu hören als izt, o König, sprich Gnade, so erhältst du zwey Leben
mit einem Wort.

Bolingbroke.
Steht auf, meine gute Tante.

Herzogin.
Ich bitte nicht, um Erlaubniß, zu stehen; Vergebung ist alles,
warum ich bitte.

Bolingbroke.
Ich vergebe ihm, wie der Himmel mir vergeben soll!

Herzogin.
O! du bist ein Gott auf Erden! Wo ist ein Wort, das aus einem
königlichen Munde schöner tönt? O! Sag es noch einmal, mein
ängstlich-zweifelndes Herz gewiß zu machen.

Bolingbroke.
Von ganzem Herzen vergeb’ ich ihm. Aber was unsern getreuen
Schwager, den Abbt, betrift–und alle übrige von dieser zusammen-
verschwornen Rotte, die soll unerbittliches Verderben an den Fersen
ereilen!–Mein geliebter Oheim, sorget dafür, daß eine hinlängliche
Anzahl von Truppen nach Oxford, oder wo diese Verräther immer seyn
mögen, abgeordnet werde. Ich will sie haben, sobald ich weiß wo
sie sind, und ich schwöre sie sollen in dieser Welt nicht leben!
Lebet wohl, Oheim; und ihr, Vetter, Adieu; eure Mutter hat euch
gute Dienste gethan; es ist nun an euch, einen guten Gebrauch davon
zu machen.

Herzogin.
Komm, mein alter Sohn; ich bitte den Himmel, daß er dich neu mache.

(Sie gehen ab.)

Neunte Scene.
(Exton und ein Bedienter treten auf.)

Exton.
Hörtest du die Worte nicht, die dem König entfuhren: “Hab ich denn
keinen Freund, der mich von diesen unaufhörlichen Besorgnissen
befreyen mag?” Sagte er nicht so?

Bedienter.
Das waren würklich seine Worte.

Exton.
“Hab’ ich keinen Freund?”–sagte er; er sagte es zweymal, und
zweymal mit einer gewissen Heftigkeit. That er’s nicht?

Bedienter.
Er that es.

Exton.
Und indem er’s sagte, sah’ er mir starr ins Gesicht, als wollt’ er
sagen–Ich wünsche, du wär’st der Mann, der mein Herz dieser
Besorgnisse erledigen möchte–er meynte den König zu Pomfret. Komm,
wir wollen gehen–Ich bin des Königs Freund, und will ihm von
seinem Feinde helfen.

(Sie gehen ab.)

Zehnte Scene.
(Verwandelt sich in das Gefängniß zu Pomfret-Castle.)
(König Richard tritt auf.)

König Richard.
Ich studiere schon lange, wie ich dieses Gefängniß, worinn ich lebe,
mit der Welt vergleichen wolle; und weil die Welt volkreich ist,
und hier kein anders Geschöpf als ich selbst, so kan ich nicht
damit zurecht kommen. Und doch will ich’s versuchen–Mein Gehirn
soll das Weib meiner Seele werden, und meine Seele, der Vater; und
diese zwey sollen ein Geschlecht von Gedanken mit einander zeugen,
und diese Gedanken sollen diese kleine Welt bevölkern, humorisirt,
wie die Einwohner der grossen Welt, denn kein Gedank’ ist zufrieden.
Sogar die besten (die Gedanken von göttlichen Dingen) sind mit
Zweifeln untermischt, und sezen das Wort selbst dem Wort entgegen;
zum Exempel: Kommt, ihr Kleinen; und dann wieder: Es ist so schwer
zu kommen, als einem Cameel durch ein Nadelöhr zu gehen.–Gedanken,
die nach Unabhänglichkeit streben, brüten unmögliche Wunder aus,–
wie diese schwachen Nägel mir eine Öffnung durch die steinernen
Rippen dieser Kerker-Mauren krazen könnten, und weil sie es nicht
können, so zerplazen sie an ihrem eignen schwellenden Stolz.
Gedanken, die nach Vergnügen streben, schmeicheln sich selbst, “sie
seyen nicht die ersten Sclaven des Glüks, und werden nicht die
lezten seyn,” (wie schelmisches Bettelvolk, wenn sie im Stok sizen,
sich damit trösten, daß schon viele da gesessen sind, und noch
viele sizen werden.) Und in diesem Gedanken finden sie eine Art von
Erleichterung, indem sie ihr eignes Elend auf dem Rüken derer
tragen, die ehmals das nemliche ausgestanden haben. So spiel ich,
in einem Gefängniß, mancherley Personen, wovon keine mit sich
selbst zufrieden ist. Zuweilen bin ich ein Fürst; dann macht
Verrätherey, daß ich mich zu einem Bettler wünsche, und das bin ich.
Alsdann überredet mich die Dürftigkeit, es sey mir besser gewesen,
da ich ein Fürst war, und dann werd’ ich wieder gefürstet; und
unvermerkt besinn’ ich mich, daß mich Bolingbroke entfürstet hat,
und da bin ich wieder nichts–Was ich aber seyn mag, so ist doch
dieses gewiß, weder ich noch irgend ein andrer, wer er seyn mag,
wird eher nicht zur Ruhe kommen, bis er nicht mehr ist–Hör’ ich
nicht Musik?

(Eine Musik.)

Ha, ha! Haltet den Tact; wie widrig die anmuthigste Musik ist,
wenn das Zeitmaaß gebrochen, und die Proportion nicht gehalten wird!
So ist es auch mit der Musik des menschlichen Lebens–Wie kommt
es, daß ich ein so feines Ohr habe, von dem kleinsten Mißklang
einer verstimmten Sayte, oder eines verspäteten Tons beleidigt zu
werden; und daß ich kein Ohr hatte, die schlechte Zusammenstimmung
in meinem Staat, das gebrochne Zeitmaaß in meiner Regierung zu
bemerken? Ich verderbte die Zeit; nun verderbt die Zeit mich. Die
Zeit hat nun ihre Stunden-Uhr aus mir gemacht; meine Gedanken sind
die Minuten, und meine jammernden Seufzer die Töne, die an mein
Herz anschlagen, und so die Stunden anzeigen–Diese Musik macht
mich närrisch–laßt sie schweigen; wenn sie gleich schon öfters
närrischen Leuten wieder zu ihrem Verstand geholfen hat, so scheint
es doch an mir, daß sie kluge Leute närrisch mache. Und doch
gesegnet sey der, so sie mir giebt; es ist immer ein Zeichen seiner
Liebe, und Liebe zu Richard ist ein seltnes Kleinod in einer Welt,
wo der Haß allezeit den Fall begleitet.

Eilfte Scene.
(Ein Stallknecht kommt herein.)

Stalknecht.
Heil, königlicher Herr!

König Richard.
Grossen Dank, edler Pair. Der Wohlfeilste von uns beyden ist um
zehn Groschen zu theuer. Wer bist du? Wie kommst du hieher?
Wohin niemand kommt, als ein schwermüthiger Sclave, der mir zu
essen bringt; um mein Unglük zu verlängern.

Stalknecht.
Ich war ein armer Stallknecht in deinem Marstall, König, wie du
noch ein König warst; und da ich unlängst nach York reisen mußte,
so hab’ ich um die Erlaubniß angesucht, meinen ehmaligen Herrn
sehen zu dürfen. O wie weh that mir’s im Herzen, wie ich in den
Strassen von London, an dem Krönungs-Tag zusehen mußte, wie
Bolingbroke auf dem weiß- und roth getüpfelten Barber, euerm
Leibpferd, ritt; auf diesem Pferd das ihr so oft geritten, und das
ich mit so grosser Sorgfalt abgerichtet hatte.

König Richard.
Ritt er auf meinem Barber? Sag mir, mein guter Freund, wie gieng
er unter ihm?

Stalknecht.
So stolz, als ob er den Boden aus Verachtung nicht berühren wolle.

König Richard.
So stolz, weil er Bolingbrok auf seinem Rüken hatte? Die
Schindmähre hat Brodt aus meiner königlichen Hand gefressen; diese
Hand hat ihn so oft durch streicheln stolz gemacht. Und er
stolperte nicht? Er fiel nicht, und brach diesem übermüthigen Mann
den Hals, der seinen Rüken usurpirte? Um Vergebung, du gutes Pferd!
du verdienst mein Schelten nicht; du warst dazu geschaffen, dem
Menschen unterthan zu seyn, und zum Tragen gebohren. Ich war zu
keinem Pferd gemacht, und doch trag’ ich die Last eines Esels, und
lasse mich von dem trottenden Bolingbroke mit Sporrn zerfleischen
und zuschanden reiten.

Zwölfte Scene.
(Ein Hüter mit einer Schüssel, zu den Vorigen.)

Hüter.
Kerl, mach’ Plaz, du darfst nicht länger bleiben.

(Zum Stallknecht.)

König Richard.
Wenn du mich liebst, so ist es Zeit, daß du gehst.

Hüter.
Milord, beliebt es euch zu essen?

König Richard.
Kost’ es vorher, wie du gewohnt bist.

Hüter.
Milord, ich darf nicht; Sir Pierce von Exton, der kürzlich auf des
Königs Befehl hieher gekommen ist, hat mir’s verboten.

König Richard.
Der Teufel hole Heinrichen von Lancaster und dich! Die Geduld geht
mir aus.

(Er schlägt den Hüter.)

Hüter.
Hülfe, Hülfe, Hülfe!–(Exton und Bediente zu den Vorigen.)

König Richard.
Wie? was soll das bedeuten? Kommt ihr mich zu ermorden?–
Unglükseliger, stirb durch dein eignes Schwerdt!

(Er reißt einem sein Schwerdt aus der Hand und stoßt ihn nieder.)

Geh du und füll’ einen andern Plaz in der Hölle aus,

(er tödtet noch einen; Exton schlägt ihn mit einem Streich zu Boden,
)

diese Hand soll in unauslöschlichem Feuer brennen die mit des
Königs Blut des Königs eignes Land befleket hat!–Erheb’ erhebe
dich, meine Seele, einen himmlischen Thron einzunehmen, indem mein
sterblicher Theil zur Erde sinkt.

(Er stirbt.)

Exton.
So voll von Tapferkeit als königlichem Blut! Und dieses hab’ ich
nun vergossen! O wie wollt ich, daß diese That gut wäre! Aber der
Teufel, der mir sagte, ich thue recht, sagt izt, daß sie in die Tag-
Bücher der Hölle eingeschrieben ist. Ich will nun diesen todten
König zu dem lebenden tragen; ihr, schleppt die übrigen fort, und
sorgt, daß sie hier begraben werden.

(Sie gehen ab.)

Dreyzehnte Scene.
(Verwandelt sich in den Hof zu Windsor.)
(Trompeten; Bolingbroke, York, Lords und Gefolge treten auf.)

Bolingbroke.
Mein geliebter Oheim York, die neueste Nachricht die wir haben, ist,
das die Rebellen unsre Stadt Cicester in Glocesterschire in Brand
gestekt haben; aber wir hören nicht, ob sie geschlagen oder
gefangen worden–
(Northumberland zu den Vorigen.) Willkommen, Milord, was bringt
ihr neues?

Northumberland.
Zuerst wünsch’ ich deiner geheiligten Person und Regierung
vollkommne Glükseligkeit; die nächste Zeitung ist, daß ich die
Köpfe von Salisbury, Spencer, Blunt und Kent nach London geschikt
habe. Die Umstände ihrer Gefangennehmung sind aus diesem Papier
ausführlich zu ersehen.

Bolingbroke.
Wir danken dir, werther Percy, für deine Mühe, und werden deine
Verdienste nach Würden zu belohnen wissen. (Fizwater zu den
Vorigen.)

Fizwater.
Gnädigster Herr, ich habe die Köpfe von Broccas und Sir Bennet
Seely von Oxford nach London geschikt, von zween jener zusammen-
verschwornen Verräther, die eure Majestät zu Oxford zu unterdrüken
suchten.

Bolingbroke.
Deine Bemühungen und Verdienste sollen nicht vergessen werden,
Fizwater; ich weiß und schäze ihren Werth. (Percy und der Bischoff
von Carlisle zu den Vorigen.)

Percy.
Das Haupt der Zusammen-Verschwornen, der Abbt von Westmünster, hat,
von Schwermuth und Gewissens-Bissen erdrükt, seinen Leib dem Grab
abgetreten; aber hier ist Carlisle, der euerm königlichen Urtheil
über sein Verbrechen sich unterwirft.

Bolingbroke.
Carlile, diß ist dein Urtheil; wähle dir irgend eine stille
geheiligte Freystädte aus, und geniesse darinn deines Lebens; und
so wie du in Ruhe leben wirst, sollst du ruhig sterben: Ob du
gleich immer mein Feind warest, so ehr’ ich doch deine Tugend.
(Exton tritt mit einem Sarg auf.)

Exton.
Grosser König, in diesem Sarg überliefre ich dir deine begrabne
Besorgnisse. Hierin ligt athemlos der gröste von deinen Feinden,
Richard von Bourdeaux, von mir hieher gebracht.

Bolingbroke.
Exton, ich danke dir nicht; deine fatale Hand hat Schmach und Fluch
über mein Haupt, und über dieses ganze ruhmvolle Land gebracht.

Exton.
Aus euerm eignen Munde, Gnädigster Herr, that ich diese That.

Bolingbroke.
Man kan Gift nöthig haben, aber man liebt es nicht, und ich dich
eben so wenig; ob ich ihn gleich todt wünschte, so haß ich doch den
Mörder, und liebe nun den Ermordeten. Nimm du die Schuld eines
bösen Gewissens für deine Mühe, aber weder meinen Beyfall noch
meine Gnade. Geh, wandre wie Cain durch den Schatten der Nacht,
und zeige nie dem Tag dein verabscheutes Antliz. Milords, ich
schwöre euch, meine Seele ist bekümmert, daß Blut mich besprengen
soll, damit ich wachsen möge. Kommt, leget die Farbe der
kummervollen Traurigkeit an. Ich will einen Zug in das gelobte
Land thun, um dieses Blut von meiner schuldigen Hand abzuwaschen.
Folget mir in stillschweigender Trauer, und weinet mit mir über
dieser unzeitigen Baare.

(Sie gehen alle ab.)

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